Spezialbibliothek „Eisen und Stahl“ gerettet

Eine Aufnahme der Zeitschrift Stahl und Eisen.
Die Überführung einer der ältesten metallurgischen Spezialbibliotheken ist abgeschlossen. Damit ist die Universitätsbibliothek im Besitz der über 150 Jahre gewachsenen Sammlung von Büchern, Zeitschriften und unveröffentlichten Manuskripten zu „Eisen und Stahl“ des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute.

Insgesamt wurden mehr als 4.000 Umzugskartons mit rund 160.000 Sammlungswerken vom Verein Deutscher Eisenhüttenleute (VDEh) nach Freiberg gebracht. Zusätzlich zu den Büchern und Zeitschriften hat die Universitätsbibliothek auch den historisch wertvollen Zettelkatalog der Literaturdokumentation Stahl und Eisen „StahlLit 1921-1981“ übernommen. „Der einmalige Katalog und die einzigartige Spezialsammlung werten unsere weltweite wissenschaftliche, technische und wirtschaftliche Fachliteratur zum gesamten Bereich der Eisen- und Stahltechnologie auf“, freut sich Bibliotheksdirektorin Susanne Kandler.

Erschließung der historischen Schätze

Die Eingliederung in den Bestand der Universitätsbibliothek und die notwendige Neuerschließung erfolgt in den nächsten Jahren und im Zusammenhang mit dem Umzug in den Bibliotheksneubau. Eine ausführliche Darstellung in der Reihe „Veröffentlichungen der Bibliothek Georgius Agricola der TU Bergakademie Freiberg“ gibt demnächst aber schon Einblicke in die wertvollen historischen Bücher aus dem Tresor der ehemaligen VDEh-Bibliothek. Dazu gehören unter anderem zwei außergewöhnliche ostasiatische Druckschriften, die nach 69 Jahren wieder nach Freiberg zurückgekehrt sind. Der VDEh erhielt sie im Sommer 1951 als Geschenk von Katharina Ledebur (1872-1955) – der Tochter des Freiberger Professors für Hüttenkunde und Gießereiwesen Adolf Ledebur (1837-1906), der selbst ein langjähriges Mitglied im VDEh gewesen war.

Der digitalisierte Karteikartenkatalog ist schon jetzt auf der Homepage der Bibliothek abrufbar. NutzerInnen können dort mittels Schlagwort- oder Autorenindex die übernommene Literatur für den Zeitraum 1921-1981 in mehr als 2,5 Millionen Karteikarten weltweit durchsuchen. Eine Volltextsuche wird noch ergänzt.

Die Datenbankoberfläche des digitalisierten Karteienkataloges

Folgende Themengebiete umfasst die Datenbank:

  • Roheisen- und Stahlerzeugung
  • Rohstoffgewinnung, Erzaufbereitung
  • Metallurgie, Metallkunde, Metallographie
  • Warmumformung, Kaltumformung
  • Stahleigenschaften, Stahlverwendung
  • Anlagen- und Verfahrenstechnik
  • Energiewirtschaft und Umweltschutz in der Stahlindustrie
  • Technische und betriebswirtschaftliche Betriebsführung
  • Volkswirtschaft und Statistik
  • Geschichte des Eisenhüttenwesens

Besitzerwechsel der Sammlungsteile

Hintergrund war die Schließung der VDEh-Spezialbibliothek am Standort Düsseldorf im Januar 2019. Nach Gesprächen mit verschiedenen branchenrelevanten Universitäten und Hochschulen fiel die Wahl für den künftigen Sammlungsbetreuer auf die Universitätsbibliothek „Georgius Agricola“. Ausschlaggebend dafür war unter anderem die exzellente wissenschaftliche Expertise der Materialforschung der TU Bergakademie Freiberg – speziell auf dem Gebiet der Eisen- und Stahltechnologie – sowie die Sammelhistorie der Universitätsbibliothek „Georgius Agricola“. Sie betreut seit vielen Jahren die Sondersammelgebiete „Geologie, Mineralogie, Petrologie und Bodenkunde“ und „Bergbau, Markscheidekunde, Hüttenwesen“ , aus denen 2016 der Fachinformationsdienst „Montanportal“ für Bergbau, Hüttenwesen und angrenzende Gebiete hervorgegangen ist.

Das ursprünglich zur Bücherei des VDEh gehörende Archiv, das historische Dokumente, Bilder-, Dia- und Filmaufnahmen sowie Devotionalien umfasst, wurde der Stiftung zur Industriegeschichte Thyssen übergeben.

Die online verfügbare, zirka 470.000 Abstracts umfassende StahlLit Datenbank des VDEh für die Jahre 1980 bis heute hat das Frankfurter Unternehmen WTI (Wissenschaftlich-Technische Informationen) übernommen.

Ansprechpartner: 
Universitätsbibliothek, E-Mail: auskunft@ub.tu-freiberg.de