Sommerschule mit irakischen Studenten

Die irakischen Gaststudenten auf dem Freiberger Obermarkt © Mazyer
Vom 26. September bis 7. Oktober 2016 fand am Institut für Maschinenelemente, Konstruktion und Fertigung der TU Bergakademie Freiberg eine Sommerschule für Studierende von vier irakischen Partneruniversitäten zum Thema Simulation und Modellierung in der Fertigung statt.

Die sieben angehenden Jungingenieure aus dem Irak streben den Bachelorabschluss in Maschinenbau und Fertigung an. Für die Weiterbildung in Freiberg wurden sie aufgrund ihrer hervorragenden Studienleistungen ausgewählt – es sind die besten ihres Jahrganges. Die Weiterbildung in Freiberg ist Teil des Projektes „Mechanical Engineering Germany – Iraq“, kurz  MEGI, unter der Leitung von Prof. Bertram Hentschel vom Institut für Maschinenelemente, Konstruktion und Fertigung. MEGI wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) finanziert. 

„Ich bin dankbar für diese Gelegenheit der Weiterbildung in Deutschland. Ich studiere an der Universität Koya. In unseren Laboren verfügen wir nicht über einen 3D-Scanner oder 3D-Drucker. Zu wissen, wie man diese Geräte bedient und was sie leisten, ist von großem Vorteil bei Bewerbungen“, sagt Frau Raveen Rizgar von der Universität Koya.

Ali Emdad Mohammed von der Universität Kirkuk berichtet: „Unser Weiterbildungsprogramm sieht auch den Besuch mehrerer Firmen in Sachsen vor. Ich interessiere mich für Simulation. Gerade haben wir eine Einführung in das komplexe Software-System NX von Siemens erhalten. Damit lassen sich beispielsweise Baugruppen und ihre Leistung im gesamten Bereich der Konstruktion simulieren.“

Am Internationalen Universitätszentrum (IUZ) informierten sich die jungen Iraker über ihre Studienmöglichkeiten an der TU Bergakademie Freiberg. Besonders interessant sind für sie englischsprachige Masterstudiengänge, da sie alle bereits englischsprachige Schulen besuchten und nun auf Englisch studieren.

Dass das Studium an der TU Bergakademie Freiberg für die Besucher aus dem Irak attraktiv ist, bestätigt Prof. Azal Rifaat Ismail Alwindawi von der Universität Kirkuk. Er ist der dortige  Koordinator für das MEGI-Projekt. „Ich kenne die TU Bergakademie Freiberg mittlerweile sehr gut, da ich zuerst ab 2007 zu einem 16monatigen Forschungsaufenthalt hier war und seit dem regelmäßig meist einmal pro Jahr für weitere Forschungen und Projektbesprechungen nach Freiberg reise. Ich kenne einige junge Leute, die an einem Studium in Deutschland interessiert sind und ich möchte, dass mein Sohn in Freiberg Maschinenbau studiert. Er hat gerade die weiterführende Schule abgeschlossen und wird nun Deutsch lernen. Leider werden nur in Großstädten wie Bagdad oder Erbil Deutschkurse angeboten“, sagt Prof. Rifaat.

Neben den Studierenden nahmen fünf Hochschullehrer und vier Labormitarbeiter der Dohuk University, Salahaddin University-Erbil, Koya University, Kirkuk University und der University of Technology Bagdad an Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich Prototypenherstellung und an einem Training zur rechnergestützten numerischen Steuerung von Werkzeugmaschinen (CNC) teil. Drei der irakischen Hochschullehrer unterrichteten als Dozenten in der Sommerschule.

„Die Technologie für die Prototypenherstellung, also 3D-Scannen, 3D-Drucken und 3D-Fräsen, ist derzeit an keiner der irakischen Universitäten verfügbar. Wichtige Anwendungsfelder liegen beispielsweise auf dem Gebiet der Medizintechnik, etwa in der  Prothesenherstellung. Private Unternehmen im Irak suchen nach Fachkräften mit diesen Spezialkenntnissen“, erläutert der MEGI-Projektkoordinator Dr. Abdulkader Kadauw vom Institut für Maschinenelemente, Konstruktion und Fertigung.

Im Mai 2016 wurde im Rahmen des MEGI-Projektes die Gründung des Aufbaustudienganges Ingenieurwissenschaftliche Qualitätskontrolle am College of Engineering der Salahaddin-Universität in Erbil vorangetrieben. Ab 2017 soll der Studiengang mit Unterstützung des Instituts für Maschinenelemente, Konstruktion und Fertigung der TU Bergakademie Freiberg gelehrt werden.

Das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst geförderte MEGI-Projekt existiert seit 2009. Es beinhaltet Sommerschulen für Studierende, Blockkurse für Hochschullehrer und Trainings für Labormitarbeiter in Freiberg und in Erbil im Nordirak. Bisher nahmen mehr als 350 Studenten, Hochschullehrer und Labormitarbeiter an den Weiterbildungsmaßnahmen des Projektes teil.

Weitere Informationen:

MEGI Projekt 

Fragen beantwortet / Contact: 
Dr. Abdulkader Kadauw