Rund 800 Wissenschaftler beim 66. Berg- und Hüttenmännischen Tag

FK9: Freiberger Siliziumtage im Rahmen des BHT (c) TU Bergakademie Freiberg
Unter dem Leitthema „Innovative Ressourcen-Technologien“ gab es insgesamt 13 Fach-Symposien im Rahmen der jährlichen Freiberger Forschungskonferenz der TU Bergakademie Freiberg.

„Der Berg- und Hüttenmännische Tag, kurz BHT, war auch in diesem Jahr wieder ein Spiegel der Leistungsfähigkeit und fachlichen Vielfalt unserer Universität. Alle Kolloquien und Vorträge befassten sich mit hochrelevanten Themen der Rohstoffversorgung der Zukunft. Unser BHT ist ein Baustein im Netzwerk internationaler Konferenzen zu dieser Thematik“, resümierte Prof. Broder Merkel, Prorektor für Forschung der TU Bergakademie Freiberg. Die rund 800 Teilnehmer kamen aus über 24 Ländern, unter anderem aus Russland, Chile, Ägypten, Singapur, Mosambik, England und Griechenland.

Die verschiedenen Symposien widmeten sich solchen Themenbereichen wie Bio-Hydrometallurgie, Rohstoffchemie, Chemie des Siliziums sowie dem Thema Wasser und Bergbau. Auch Fragen der Technologien wurden behandelt; dazu gab es Symposien zu den Themen Geotechnik, Bohrlochintegrität und Maschinen und Verfahren für den Bergbau und Spezialtiefbau. Außerdem auf dem Programm standen Robotik und Automation im Bergbau sowie innovative Ortungsverfahren unter Tage auf dem Programm, denn immer öfter übernehmen intelligente Roboter und Maschinen Aufgaben bei der Rohstoffgewinnung, um Kosten und Risiken für Menschen zu minimieren. Ein weiteres Fachkolloquium thematisierte unter dem Titel „Ressourcen und Verhalten“ thematisierte das Spannungsfeld zwischen neuen,  effizienten und nachhaltigen Technologien und der Akzeptanz durch die Bevölkerung. Mit jeweils eigenen Symposien wurden Studierende, junge Nachwuchsforscher und Alumni in die Forschungskonferenz der Universität einbezogen. 

„Die Kolloquien des Instituts für Bohrtechnik und Fluidbergbau haben inzwischen eine lange Tradition“, berichtet Prof. Matthias Reich. „Sie finden seit mindestens drei Jahrzehnten jedes Jahr statt.“ Das diesjährige Kolloquium „Bohrlochintegrität – Voraussetzung für erfolgreiche Bohr-, Förder- und Speichertechnik“ war mit teilweise über 120 Teilnehmern hervorragend besetzt. Die weitaus meisten Teilnehmer kamen aus der Öl- und Gasindustrie, einige aber auch aus dem Braunkohletagebau oder von Behörden wie Bergämtern usw. Die Themen der 15 Vorträge umfassten alle Aspekte der Bohrlochintegrität: Sie reichten von der präzisen Platzierung der Bohrung im Untergrund über Betrachtungen zur Bohrlochstabilität und Nachweise zur Standsicherheit bis hin zu neuartigen Messverfahren zur Dichtheitsüberprüfung von Speicherkavernen. Zu allen Themen wurde lebhaft diskutiert. 

Beim Symposium „Ressourcen und Verhalten“ traten neun Referenten auf. Thematisiert wurden unter anderem die Nutzung der Natur aus verhaltensökonomischer Sicht (Prof. Dr. Buchholz,  Universität Regensburg) sowie eine empirische Studie zum Verhalten deutscher Haushalte im Hinblick auf die Vermeidung von Kohlendioxidemissionen (Frau Dr. Schwirplies, Universität Hamburg). „Die zahlreichen Teilnehmer im sehr gut gefüllten Saal in der Alten Mensa beteiligten sich sehr rege an der Diskussion der präsentierten Inhalte. Die auswärtigen Gäste zeigten sich tief beeindruckt sowohl von der anregenden Konferenz als auch von der Universitätsstadt Freiberg, die viele zum ersten Mal besuchten“, berichtet Prof. Dirk Rübbelke, der das Fachsymposium organisiert hat.

„Das Symposium Wasser und Bergbau: Innovative Methoden (Aufbereitung, Tiefengeothermie, In-situ Leaching) zählte dieses Jahr 76 Teilnehmer aus neun Ländern“, resümiert die Symposiumsverantwortliche Mandy Hoyer. Das thematische Spektrum wurde erweitert, sodass in diesem Jahr Tiefengeothermie und In-situ-Leaching neben Aufbereitungsmethoden von Bergbauwässern zusätzliche Schwerpunkte waren. Die Beiträge sind in einem Proceedingsband von Freiberg Online Geology (FOG), Volume 40 digital verfügbar.

Mit „Maschinen und Verfahren für den Bergbau und Spezialtiefbau” befasste sich Kolloquium 7. „Thematisch war es sehr breit gefächert und behandelte Aspekte des Bergbaus über und unter Tage, des Spezialtief- und Tunnelbaus und Fragestellungen zur Verschleißproblematik“, erklärt Dr. Lothar Schumacher. Im Vordergrund standen logistische Herausforderungen auf Großbaustellen, es wurden innovative Neu- und Weiterentwicklungen herausgestellt sowie die Energieeffizienz von Spezialtiefbaumaschinen näher betrachtet. „Insgesamt war es eine hochkarätige Veranstaltung mit hervorragenden Referenten“ so Schumacher. Die Mehrzahl der Vorträge werden in Form eines E-Books als Freiberger Forschungsheft veröffentlicht. Ein Download wird auf der Plattform Quqosa vorbereitet.

Erstmalig fand im Rahmen des BHT ein Deutsch-Chilenisches Symposium in Freiberg statt. Unter dem Titel „Bergbau: Potenziale, Perspektiven und Bedarf“ diskutierten rund 50 Vertreter aus der Welt der Wissenschaft, Wirtschaft und Politik die Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten der wissenschaftlichen Kooperation mit Augenmerk auf die verschiedenen Aspekte der Bergbauindustrie in Deutschland und Chile. "Die Resonanz des Symposiums war bei allen Teilnehmern sehr positiv. Besonders wurde die interdisziplinäre Betrachtung der deutsch-chilenischen Forschungskooperation aus wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Perspektive hervorgehoben" sagt Maria Schöne, Symposiumsverantwortliche und Projektkoordinatorin des Domeyko-Netzwerks.

Als Fachkolloquium 11 fand zum inzwischen zehnten Mal das Kolloquium junger Wissenschaftler statt. Das Kolloquium bot den ca. 100 Teilnehmern die Möglichkeit, sich entlang der Rohstoff-Wertschöpfungskette über neueste Entwicklungen zu informieren, beginnend mit naturwissenschaftlichen Fragen der Lagerstättenerkundung und -bewertung, über technische Fragen der Gewinnung, Aufbereitung und Weiterverarbeitung bis zu Fragen der wirtschaftlichen und Umweltbewertung. „Seit dem ersten Kolloquium vor zehn Jahren nimmt eine große Delegation aus der Partneruniversität für mineralische Rohstoffe in St. Petersburg teil. Weitere Delegationen kommen aus Belgorod, Russland, Petrosani, Rumänien, Sofia, Bulgarien, Dnepropetrovsk, Ukraine und Hanoi, Vietnam“, zählt Prof. Carsten Drebenstedt auf.

Das 8. Freiberger Geotechnik Kolloquium fand am Institut für Geotechik unter dem Motto ”Neue bodenmechanische Herausforderungen in Bau, Bergbau, Umwelt und Energie” mit etwa 140 Teilnehmern unter reger Beteiligung der Studenten der TU Bergakademie Freiberg statt. "Für die Beiträge konnten zahlreiche namhafte und führende Fachleute aus den Arbeitsgebieten der Bodenmechanik, Bodendynamik, Ingenieurgeologie, Nukleartechnologie und Energietechnik gewonnen werden", berichtet Nandor Tamaskovics. Die Themenkreise der Beiträge umfassten die Standsicherheit von natürlichen Hängen, die Modellierung des dynamischen Baugrundverhaltens, die Anwendung von Geokunststoffen in der Geotechnik, aktuelle Probleme der Hinterlassenschaften des übertägigen Bergbaus und der Flächenrecycling sowie der Nutzung der Geothermie als erneuerbare Energiequelle. Die Resonanz der Veranstaltung unter den Teilnehmern war einhellig sehr positiv.

"Der Auftakt des erstmalig stattfindenden Bio-Hyrometallurgie Symposiums war ein voller Erfolg", sagt Dr. Simone Schopf. Das Symposium war interdisziplinär angelegt und behandelte eine interesannte Mischung aus Bio-Mining, Lagerstättenkunde und Methoden der Metallextratktion aus Lösungen. Zu den Gastredneren gehörten eine Reihe von Koryphäen ihres Gebietes, Partner aus der Wirtschaft und Doktoranden z.B. des Freiberger Biohydrometallurgischen Zentrums sowie einer Referentin aus Warschau. Für das kommende Jahr ist eine Neuauflage geplant.
 
Beim Symposium "Robotik und Automation im Bergbau" waren 15 Vorträge von teils internationalen Gästen aus Industrie und Forschung zu hören. Den über 60 Teilnehmern wurden dabei unter anderem Themen wie Abbauoptimierung durch Automation, Maschinenausstattung für den teilautonomen Betrieb oder die Anwendung von Virtueller Realität (VR) in der Ausbildung nähergebracht. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch verschiedene Demonstrationen in den Pausen und eine Abendveranstaltung zum Networking. "In vielen guten Diskussionen während der Veranstaltung konnten nicht nur Studenten und Mitarbeiter der TU Bergakademie Freiberg neue Kontakte knüpfen und bestehende pflegen", resümiert Dr. Marvin Ferber.
 
Die Freiberger Siliziumtage zogen mit ca. 50 Rednern und über 130 Teilnehmern wieder ein großes internationales Publikum mit starker industrieller Beteiligung an. Thematisch umfasste die Tagung neben dem 2. Freiberger Sägesymposium Bereiche von der Silizium-Kristallisation über die Abscheidung bis hin zu den Anwendungsgebieten in der Photovoltaik, Photonik und Energiespeicherung. Die Organisatoren, das Institut für Anorganische Chemie, das Fraunhofer Technologiezentrum für Halbleitermaterialien und das Institut für Angewandte Physik, zeigten sich sehr zufrieden mit Qualität und Umfang der Beiträge und Diskussionen. "Das Symposium unterstreicht die lange Tradition und das sehr aktive Forschungsumfeld Freibergs auf dem Gebiet der Halbleitermaterialien sowie dessen nationale und internationale Vernetzung", betont Dr. Jan Beyer vom Institut für Angewandte Physik.
 

Neben den Fach-Symposien für Symposien Fachexperten gab es auch ein Symposium speziell für wurde Studierende. Sie hatten die Chance, sich kompakt über Karrieremöglichkeiten zu informieren. Unter dem Motto „Was werden? – Wege aus der Hochschule mit Hilfe der Hochschule“ gaben Vertreter aus Wissenschaft und Praxis Einblicke in die Zeit nach dem Studium.

Eröffnung des 66. BHT in der Alten Mensa (c) TU Bergakademie Freiberg/Eckardt Mi
Prof. Serguei Molodtsov hielt den Eröffnungsvortrag (c) TU Bergakademie Freiberg
Symposium "Robotik und Automation im Bergbau" (c) TU Bergakademie Freiberg
Kolloquium junger Wissenschaftler (c) TU Bergakademie Freiberg
Symposium Bio-Hydrometallurgie (c) TU Bergakademie Freiberg
Wasser und Bergbau: Innovative Methoden (Aufbereitung, Tiefengeothermie, In-situ
Alumni-Symposium (c) TU Bergakademie Freiberg
8. Freiberger Geotechnik Kolloquium (c) TU Bergakademie Freiberg
Freiberger Siliziumtage (c) TU Bergakademie Freiberg
Studentisches Kolloquium (c) TU Bergakademie Freiberg
Symposium Bohrlochintegrität - Voraussetzung für er(
Kolloquium „Bohrlochintegrität – Voraussetzung für e