Quasi nur Kristalle: Internationale Tagung in Freiberg wartet mit Nobelpreisträger auf

Nobelpreisträger Prof. Dan Shechtman hält ...
Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kristallographie (DGK) findet dieses Jahr in Freiberg statt. Vom 19. bis 22. März 2013 werden sich in der Innenstadt und auf dem Campus der TU Bergakademie Freiberg über 300 nationale und internationale Gäste zu neuen Erkenntnissen in der Kristallographie austauschen. Kristallographie ist die Wissenschaft von den Kristallen: Mit ihrer Hilfe werden maßgeschneiderte kristalline Materialien gezüchtet sowie die Struktur von Proteinen und der DNA entschlüsselt. Auch bei der Entwicklung von Solarzellen und neuartigen Speicherchips wird die Kristallographie benötigt. „Von der Symmetrie zur Funktion“ ist daher auch das Motto der Tagung und wird in den rund 120 Vorträgen und 150 wissenschaftlichen Postern aufgegriffen. Der Standort Freiberg reiht sich mit seiner Grundlagenforschung an der TU Bergakademie und der Anwendung von Kristallen durch seine ortsansässige Industrie in dieses Motto ein.
Prof. Dirk C. Meyer, Tagungspräsident und Prorektor für Strukturentwicklung an der TU Freiberg, ist zufrieden mit den Vorbereitungen: „Mit den eingeladenen Plenarvortragenden sind alle relevanten Arbeitsgebiete der modernen Kristallographie vertreten. Besonders stolz sind wir, dass Prof. Dan Shechtman unserer Einladung gefolgt ist und einen öffentlichen Vortrag halten wird.“ Prof. Shechtman ist Nobelpreisträger des Jahres 2011 für seine Entdeckung der Quasikristalle – eine Entdeckung, die zunächst nur belächelt wurde, dann jedoch zu einem neuen Forschungsgebiet der Kristallographie wurde. Denn Quasikristalle brechen mit den bis dahin bekannten Vorstellungen von Symmetrie, einer grundlegenden Eigenschaft von Kristallen, die nicht zuletzt sogar im Motto der Tagung steckt. Doch Quasikristalle haben Potential: So wird an Beimischungen dieser Kristalle zu einem beständigeren Stahl bis hin zu neuen Beschichtungen von Pfannen gefeilt. Dan Shechtmanns öffentlicher Vortrag wird am 19. März um 20 Uhr in der Alten Mensa simultan übersetzt und ist der Höhepunkt des ersten Veranstaltungstags.

Die insgesamt vier Tage der Konferenz orientieren sich an unterschiedlichen Themen. Der Bereich Biokristallographie ist wie jedes Jahr stark vertreten, aber auch andere klassische Bereiche wie Spektroskopie und Synthese von kristallinen Strukturen sind präsent. Gleich in mehreren Vorträgen sind auch Institute der TU Bergakademie Freiberg vertreten und geben das Spektrum der Kristallographie an der Ressourcenuniversität wieder: So die Charakterisierung von Kristallen mittels vielfältiger Messmethoden bis hin zur Untersuchung von nanokristallinen Strukturen im menschlichen Körper.

Ganz im Sinne des Tagungsmottos beschäftigen sich andere Einrichtungen und Institute mit der Frage, wie man „Kristallographie verständlich machen“ kann oder die „Daten- und Energiespeicherung aus den Augen eines Kristallographen“ aussieht. Dazu passend wird erstmals die ortsansässige Industrie an der Tagung beteiligt: Vertreter von der Siltronic AG, der Deutschen Solar GmbH und der Freiberger Compound Materials GmbH werden sich und ihre Erfahrungen in dem Bereich der Kristallographie vorstellen sowie den Teilnehmern der Tagung Einblicke in die Unternehmen vor Ort gewähren.

Zum wissenschaftlichen Austausch, aber insbesondere zur Ehrung herausragender wissenschaftlicher Leistungen, wird es am 20. März im Audimax der TU Bergakademie Freiberg auch einen Ehrenabend geben. Eingerahmt durch ein Musikprogramm des Collegium Musicum der TU werden wichtige Preise der Gesellschaft, wie zum Beispiel der Max-von-Laue Preis, vergeben. Anlässlich dazu spricht Dr. Tilmann Leisegang aus der Freiberger Forschungsgruppe von Prof. Dirk C. Meyer. Abgerundet wird der Abend durch einen Vortrag zu den mineralogischen Sammlungen in Freiberg von ihrem Direktor Prof. Gerhard Heide.

Aber nicht nur die erfahrenen, auch die jungen Kristallographen sollen erstmals verstärkt an der Gestaltung der Jahrestagung der DGK mitwirken. „Wir möchten die jungen Nachwuchs-Kristallographen ermuntern, sich mit einzubringen. Dafür wird ein Treffen junger Kristallographen Teil des Programms sein“, freut sich Prof. Meyer. So wird die Bildung eines neuen Arbeitskreises für junge Kristallographen innerhalb der Tagung unterstützt.

Zum Hintergrund:

Die Deutsche Gesellschaft für Kristallographie e.V. (DGK) wurde 1991 als gemeinnütziger Verein gegründet. Zu seinen Zielen zählt der Verein, den wissenschaftlichen Austausch zwischen Kristallographen zu pflegen und die Kristallographie in Lehre, Forschung, industrieller Praxis sowie in der Öffentlichkeit zu fördern. Sie richtet eine jährliche Tagung aus und würdigt mit Preisen wie der Carl-Hermann-Medaille und dem Max-von-Laue Preis Wissenschaftler auf dem Gebiet der Kristallographie.

Ansprechpartner: 
Prof. Dirk C. Meyer