Promotionsverteidigung per Videokonferenz

Dr. Thorsten Henseler bei seiner Promotionsverteidigung per Videokonferenz.
Die veränderten Umstände für Forschung und Lehre Anfang dieses Jahres bewegen Studierende und Lehrende der TU Bergakademie Freiberg zu neuen Arbeits-, Lehr- und Prüfmethoden. Davon bleibt auch die Promotionsverteidigung nicht ausgenommen.

Doktorandin oder Doktorand, eine mehrköpfige Prüfungskommission sowie interessierte Gäste treffen sich in einem geeigneten Seminarraum. Sie folgend der Präsentation der Ergebnisse einer Promotion, diskutieren diese anschließend intensiv und kritisch und bewerten sie (nicht-öffentlich). Die Mitglieder der Prüfungskommission kommen nicht nur von der Heimatuniversität des Doktoranden/der Doktorandin, sondern auch von anderen Forschungseinrichtungen. Nicht selten reisen die Prüfer/innen dabei von nah oder fern an. So läuft eine Promotionsverteidigung im Regelfall ab.

Neue Lösungen für ungewohnte Umstände

Doch die Maßnahmen zum Social Distancing während der Corona-Krise lassen dieses Vorgehen, bei dem sich mehr als zwei Personen in einem Raum zusammenfinden, nicht mehr zu. Rektor Prof. Dr. Klaus-Dieter Barbknecht empfiehlt darum im Rahmen der Präventionsmaßnahmen der TU Bergakademie, Promotionsverteidigungen zu verschieben oder in Absprache mit den Prüfer/innen im digitalen Format stattfinden zu lassen. Und so wurden seit Mitte März an der TU Bergakademie Freiberg bereits zwei erfolgreiche Promotionsverteidigungen per Videokonferenz im universitätsinternen Webkonferenzsystem „BigBlueButton“ durchgeführt.

Dr. Peter Hallas verteidigte Ende März seine Dissertationsschrift zum Thema „Prozesse des Gesteinsaufstiegs aus großer Tiefe im Erzgebirge“ (Beispiel 1). Die Promotionskommission sowie Gäste loggten sich aus dem jeweiligen Homeoffice in Bonn, Berlin, Erlangen, Freiberg, Potsdam und Kopenhagen in die Live-Webkonferenz ein. „Was vor einigen Jahren noch für Aufruhr gesorgt hat, ist in Zeiten von Corona verblüffend normal“, sagt Doktorvater Dr. Uwe Kroner vom Institut für Geologie.

Anfang April fand die Promotionsverteidigung von Dr.-Ing. Thorsten Henseler am Institut für Metallformung statt (Beispiel 2). Der Prüfling sowie sein Doktorvater Prof. Dr. Ulrich Prahl fanden sich dazu in den Räumen des Instituts für Metallformung ein; die Mitglieder der Prüfungskommission verfolgten die Präsentation am heimischen Bildschirm. „Da jede Promotionsverteidigung öffentlich ist, wurde parallel zum universitätsinternen Webkonferenzsystem ein Skype-Konferenzraum eingerichtet, der es Angehörigen und Zuschauern ermöglichte, der Verteidigung live beizuwohnen“, erklärt Doktorvater Ulrich Prahl. Im Anschluss an die Diskussion mit der Prüfungskommission bestand die Möglichkeit, Fragen aus dem Publikum anzuhören.

Mehr Informationen zu den beiden Promotionsverteidigungen

Beispiel 1: "Tectonics of an Intracontinental exhumation channel in the Erzgebirge"

„Die von Dr. Peter Haller verteidigte Dissertation zum Gesteinsaufstieg im Erzgebirge war nicht nur formal außergewöhnlich, sondern auch inhaltlich“, lobt Prof. Dr. rer. nat. habil. Jörg Matschullat als Mitglied der Prüfungskommission. „Mittels intelligenter Kopplung zahlreicher bekannter Methoden, die bislang nicht gemeinsam angewendet wurden, gelang es dem Kandidaten, Prozesse des Gesteinsaufstiegs aus großer Tiefe im Erzgebirge minutiös zu rekonstruieren. Nach wie vor ist das Erzgebirge eine der extrem spannenden geowissenschaftlichen Studienobjekte, aus dem bereits seit Jahrhunderten immer wieder bahnbrechende Erkenntnisse geschöpft werden. Diese reiche Tradition setzt Dr. Peter Hallas unter Anleitung von Dr. Uwe Kroner an der TU Bergakademie Freiberg und Prof. Rolf Romer am Geoforschungszentrum in Potsdam fort“, so Matschullat.

 


Beispiel 2: „Festigkeits- und Schädigungsverhalten von Magnesiumfeinblech in experimenteller und numerischer Simulation“

„Das Forschungsziel lag darin, dem ansteigenden Bedarf anwendungsrelevanter Werkstoffmodelle für Magnesiumfeinbleche in der Blechumformung entgegenzukommen. Besonders die Entwicklung von gekoppelten Schädigungsmodellen scheiterte bis jetzt an der lückenhaften experimentellen Ermittlung von Schädigungsparametern. Daher wurde ein numerisches Simulationsmodell zur Verfügung gestellt“, erklärt der frisch promovierte Ingenieur Henseler. Dr. Thorsten Henseler schloss seine Promotion mit Auszeichnung ab.