Offizielle Grundsteinlegung für das Chile Haus Freiberg

Dr. Krüger und Rektor Prof. Barbknecht versenken die Stahlhülse. © E. Mildner
Die Beziehungen zwischen chilenischen Universitäten und der Bergakademie fruchten: Am Nachmittag des 5. August 2016 wurde in der Brennhausgasse 3 der Grundstein für das geplante Chile Haus Freiberg gelegt, ein Gästehaus für ausländische Jungwissenschaftler.

Kopien der Ehrenpromotionsurkunde von Chile-Präsidentin Bachelet und der Immatrikulationsurkunde des ersten chilenischen Studenten an der TU Freiberg sowie landestypische Minerale wurden im Fundament versenkt. Auch chilenische Doktoranden und Studenten waren zu Gast.    

Über 1 Million Euro spendete Frau Dr. Erika Krüger, Vorstandsvorsitzende der Dr.-Erich-Krüger-Stiftung, der TU Bergakademie Freiberg, indem sie das Grundstück in der Brennhausgasse 3 erwarb und dort ein neues Haus errichten wird. Nach dem 2012 ebenfalls von ihr restaurierten Krüger-Haus als historisch wertvolle Stätte für die Ausstellung „Mineralogische Sammlung Deutschland“, soll die neue Immobilie nun den wissenschaftlichen Nachwuchs und das Domeyko-Netzwerk unterstützen.

„Durch persönliche Besuche und die enge Zusammenarbeit wurden die Beziehungen zu den Universitäten in Chile immer intensiver. So war es ein glücklicher Umstand, dass ich das alte Haus in der Freiberger Innenstadt erwerben konnte,“ freut sich Frau Dr. Krüger. Anregung fand sie auch durch die Kontakte von Prof. Heide und Prof. Schlömann. Der Mineraloge und der Mikrobiologe starteten vor vier Jahren die „Domeyko-Initiative“, ein deutsch-chilenisches Ausbildungskonzept im Bereich der Montanwissenschaften. Besonders der finanziellen Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) war zu verdanken, dass somit dem Fachkräftemangel im Ressourcenbereich entgegengewirkt werden konnte.

Partnerhochschulen im Domeyko-Netzwerk sind die Universidad de Concepción (UdeC), die Universidad Católica de Norte (UCN) in Antofagasta und die Universidad de Atacama (UDA) in Copiapó, einer Bergbaustadt mit vergleichbarer Geschichte wie Freiberg. Darüber hinaus haben sich aber auch die Beziehungen zu anderen chilenischen Universitäten, insbesondere zur Universidad de Santiago de Chile (USACH), dynamisch entwickelt.

Bereits im Frühjahr 2012 reiste eine Freiberger Delegation um Prof. Heide zu den Partneruniversitäten, woraufhin die wissenschaftliche Kooperation „Domeyko-Initiative“ getauft wurde, zu Ehren des berühmten Geologen Ignacy Domeyko. Der gebürtige Pole studierte 1847 ein halbes Semester in Freiberg und entdeckte mit seinen geologisch-lagerstättenkundlichen Arbeiten den Rohstoffreichtum Chiles. Hier ist er ein Volksheld. „An der Universidad de Chile in Santiago wurde er 20 Jahre später sogar zum Rektor ernannt, und seinen Sohn Casimiro, welcher später die Universidad de Atacama gründete, schickte er zum Studium ebenfalls in die Silberstadt Freiberg“, erzählt Prof. Heide. „Die begeisterten Studenten und Doktoranden, die ich kennenlernte und betreuen darf, werden ihrem großen Vorbild gerecht. Im Chile Haus Freiberg können sie bald ein Zuhause auf Zeit finden.“

Derzeit promovieren drei Chilenen direkt an der TU Bergakademie, vier weitere als Externe mit Arbeitsplatz in Chile. Seit circa zwei Jahren sind pro Semester mehr als zehn chilenische Studierende in Freiberg immatrikuliert und dies in Studiengängen aller sechs Fakultäten. Aber auch für unsere Studierenden ist Chile attraktiv: Frau Stefanie Böhme fertigte 2015 ihren Magister über die Laugungsreste des Salpeterrohstoffs „Chalice“ an der UdeC an und erarbeitet trotzdem noch ihren Masterabschluss über die Schwerminerale in chilenischen Tailings in Freiberg.

„Bildung ist ein globales Grundrecht, an dessen Verwirklichung wir gern mitarbeiten“, erklärt der Rektor der TU Bergakademie Freiberg, Prof. Klaus-Dieter Barbknecht, der ebenfalls im Stiftungsvorstand der Dr.-Erich-Krüger-Stiftung sitzt. „Wenn dies durch eine Begegnungsstätte wie das Chile Haus, in dem Studenten und Wissenschaftler unserer Partneruniversitäten in Chile und anderen Ländern Südamerikas wohnen werden, gefördert wird, freuen wir uns ganz besonders.“

Das Bauvorhaben ist klar strukturiert: Im Herbst ist das Richtfest vorgesehen, Mitte des nächsten Jahres soll das Haus im Wissenschaftskorridor der Stadt eröffnet werden. Neben einem Garten und Wohnräumen für Kurz- und Langzeitaufenthalte ist auch ein Gemeinschaftsraum geplant, in dem Seminare und Übungen durchgeführt werden können.

„Mit Ihrem Engagement setzt Frau Dr. Krüger ein deutliches Zeichen im Sinne unserer weltoffenen Universität und gegen Fremdenfeindlichkeit,“ wie Prof. Barbknecht festhält. Weitere Grußworte von Staatsminister Prof. Georg Unland und Oberbürgermeister Sven Krüger sowie ein kleiner Empfang rundeten den symbolischen Spatenstich als herzliche Veranstaltung mit anwesenden chilenischen Studenten und Doktoranden ab.

(v.l.) S. Krüger, Prof. Unland, Dr. Krüger, Rektor Prof. Barbknecht © E. Mildner
Dr. Krüger und Rektor Prof. Barbknecht versenken die Stahlhülse. © E. Mildner
Dr. Krüger und Rektor Prof. Barbknecht bei der Grundsteinlegung. © E. Mildner

Weitere Informationen zum Domeyko-Netzwerk:

Ansprechpartner:

Prof. Michael Schlömann
Institut für Biowissenschaften der Fakultät 2
Tel.: +49 3731 39-3739
E-Mail: Michael [dot] Schloemannatioez [dot] tu-freiberg [dot] de