Nachruf: Prof. Dr.-Ing. habil. Peter Klimanek

Prof. Dr.-Ing. habil. Peter Klimanek ...
Am 22. Dezember 2010 verstarb Prof. Dr.-Ing. habil. Peter Paul Klimanek nach schwerer Krankheit in Dresden. Mit ihm verliert das Institut für Werkstoffwissenschaft einen profilierten, anerkannten Wissenschaftler und einen engagierten, erfolgreichen Hochschullehrer, der bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem aktiven Hochschuldienst in starkem Maße das fachliche Profil des damaligen Institutes für Metallkunde und damit die Ausbildung von Metallkundlern zu beeinflussen verstand.
Peter Paul Klimanek wurde am 21. Mai 1935 in Lohnau/Oberschlesien geboren. Er studierte an der Martin-Luther-Universität Halle Physik und arbeitete nach Abschluss seines Studiums 1960 als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Metallkunde und Materialprüfung an der Bergakademie Freiberg. Mit dem Aufbau des Forschungsgebietes "Ver- und Entfestigung von kubisch-flächenzentrierter Substitutionsmischkristallen" trug er erheblich zur Neuprofilierung des Institutes bei. In seiner 1969 verteidigten Dissertation behandelte er das Erholungs- und Entfestigungsverhalten von Cu-Zn-Legierungen.

1968 wurde Prof. Klimanek im Wissenschaftsbereich "Physikalische Metallkunde" der Sektion Metallurgie und Werkstofftechnik Lektor für das Gebiet Struktur- und Gefügeanalyse. Das von ihm seit dieser Zeit kontinuierlich entwickelte Lehrkonzept einer komplexen Struktur- und Gefügeanalytik von Werkstoffen zeichnet noch heute die Ausbildung der Freiberger Metallkundler bzw. Werkstoffwissenschaftler aus.

Nach 1968 widmete sich Prof. Klimanek zunächst der röntgenografischen und elektronenmikroskopischen Realstrukturanalyse von Halbleitermaterialien und wenig später den Untersuchungen zum Verformungsverhalten zweiphasiger Werkstoffe, zur Warmumformung von Metallen und zur thermomechanischen Behandlung von Stählen, wobei er bemerkenswerte methodische Beiträge zur röntgenographischen Linienprofilanalyse von Defektstrukturen in Vielkristallen lieferte. Ab Mitte der 70er Jahre wandte er sich in verstärktem Maße der Texturanalytik zu und baute dabei eine langfristige und sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit der damaligen Texturgruppe des Kernforschungsinstitutes Rossendorf auf. Breiten Raum nahmen dabei auch Neutronenbeugungsexperimente ein. In seiner 1992 verteidigten Habilitationsschrift fasste er seine bisherigen Arbeiten zur Beugungsanalytik an inhomogenen Vielkristallen mit ihren strukturellen bzw. mikrostrukturellen Besonderheiten zusammen.

Trotz seines persönlichen Engagements als Lehrender und erfolgreicher Wissenschaftler blieb ihm eine Berufung als Hochschullehrer in jener Zeit versagt. In Verbindung mit der völligen Neugestaltung der Bergakademie nach der Wiedervereinigung konnte Prof. Klimanek 1992 zum C4-Professor für Struktur- und Gefügeanalyse an der Bergakademie Freiberg berufen werden. Beherrschende Themen seiner Forschungsarbeit in den anschließenden Jahren waren die Hochgeschwindigkeits-Umformung von Metallen, die Modellierung von Rekristallisations- und Kornwachstums-Prozessen sowie der Evolution von Versetzungs- und Disklinationsstrukturen bei plastischer Deformation. Alles sind Themen, mit denen er das wissenschaftliche Spektrum des Freiberger Graduiertenkollegs "Werkstoffphysikalische Modellierung" wesentlich bereicherte.

Bemerkenswert waren auch seine zahlreichen Aktivitäten bei der Organisation von Tagungen, Konferenzen und Workshops. Dazu zählen insbesondere die Freiberger Tagungsreihen "Struktur- und Gefügeanalyse" und "Metallkundliche Probleme der Werkstoffentwicklung", die von 1972 bis 1992 regelmäßig stattfanden. Als international anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der Mikrostrukturanalyse wurde er 1998 aufgefordert, die zweite internationale Konferenz „Size-Strain“ in Freiberg zu veranstalten. Besonders erfolgreich war in 2000 ein von ihm initiierter und gemeinsam mit Prof. Romanov aus St. Petersburg geleiteter internationaler Workshop zum Thema "Local Lattice Rotations and Disclinations in Microstructures of Distorted Crystals" in Cämmerswalde.

Seit 2000 unterstützte er wirkungsvoll das vom DAAD großzügig geförderte Netzwerk „Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnologie“ albanischsprachiger Universitäten in Albanien, Mazedonien und Kosovo durch Gastvorlesungen, Beiträge zu Sommerschulen und Unterstützung von Qualifizierungsarbeiten des akademi-schen Nachwuchses der Region.

Prof. Klimanek war Autor bzw. Mitautor von 300 wissenschaftlichen Publikationen, führte 34 Promotionsarbeiten zum Erfolg und betreute mehr als 200 studentische Arbeiten. 2002 ernannte ihn die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde zu ihrem Ehrenmitglied und würdigte damit nicht nur seine wissenschaftlichen Ergebnisse und Leistungen als Hochschullehrer, sondern auch sein stetes Engagement für zahlreiche Weiterbildungsveranstaltungen der Gesellschaft auf den Gebieten der Röntgenographie und der Gefügeanalyse sowie der Metallkunde.

Alle seine Kollegen und Schüler sowie die Fachwelt werden Herrn Prof. Dr. Peter Klimanek als eine herausragende Hochschullehrerpersönlichkeit in steter Erinnerung behalten. (H. Oettel, D. Rafaja)
Ansprechpartner: 
David Rafaja