Nachhaltigkeit: Sammelband würdigt Carlowitz und schlägt Brücke ins 21. Jahrhundert

oekom-Verlag
"Wer sich heute für Nachhaltigkeit engagiert, ist nicht nur Teil einer großen und wachsenden globalen Suchbewegung. Er ist auch Teil einer reichen Geschichte. Und diese Geschichte beginnt nicht erst in unserer Gegenwart, (…) sie beginnt mit einem Buch, das in Freiberg geschrieben wurde“, schreibt Autor Ulrich Grober im Sammelband „Die Erfindung der Nachhaltigkeit – Leben, Werk und Wirkung des Hans Carl von Carlowitz“. Zum diesjährigen Jubiläum „300 Jahre Sylvicultura Oeconomica - 300 Jahre Nachhaltigkeit“ hat die Sächsische Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft dieses Buch herausgegeben. Die Artikel der 15 anerkannten Autoren zeigen dabei: Das Werk des Freiberger Oberberghauptmanns Carlowitz, die „Sylvicultura Oeconomica“ aus dem Jahr 1713, hat mit seinem Anliegen keineswegs an Aktualität verloren.
Im Gegenteil, das Streben nach Nachhaltigkeit hat in Zeiten globaler Ressourcenknappheit und aufgrund der Notwendigkeit, den ökologischen Fußabdruck im gesellschaftlichen Zusammenleben möglichst klein zu halten, einen geradezu modernen Bezug.

Unter den Autoren des Buches finden sich mit dem Rektor der TU Bergakademie, Prof. Bernd Meyer, und dem ehemaligen sächsischen Oberberghauptmann Prof. Reinhard Schmidt auch zwei Freiberger, die das Erbe Carlowitz’ an seinem Ursprungsort bewahren und weiterentwickeln wollen. Prof. Meyer verdeutlicht in seinem Aufsatz „Es ist fünf vor zwölf“ die Priorität der fächer- und länderübergreifenden Weiterentwicklung des Carlowitzschen Gedankengutes. Mit der Gründung des Weltforums der Ressourcenuniversitäten für Nachhaltigkeit im Juni 2012 an der TU Bergakademie wurde dieses Bestreben in einem wegweisenden Schritt manifestiert: über 80 Bergbau-Hochschulen beteiligen sich seitdem an der Suche nach zukunftsfähigen Lösungen für den Umgang mit Ressourcen. Für den Rektor der Ressourcenuniversität ist der Sammelband aber keineswegs eine „wissenschaftlich sezierende“ Abhandlung: "In dem Buch erfolgt ein unverkrampfter, frischer Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit. So wird nicht nur auf die Geschichte geblickt. Die Autoren aus Wissenschaft und Gesellschaft stellen vielmehr eine Verbindung zum Prinzip der Nachhaltigkeit aus den heutigen verschiedenen Blickwinkeln her.“

Oberberghauptmann a.D. Prof. Schmidt hebt aus seiner Perspektive das zu Carlowitz‘ Zeiten bereits aktuelle Problem der Profitgier hervor. So wurde damals zunehmend Waldfläche in Ackerland umgewandelt, da sich mit diesem schneller Geld verdienen ließ. Heute noch durchaus aktuell, lässt diese Vorgehensweise jeglichen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen missen und verlangt laut Schmidt ausdrücklich nach einer Besinnung hin auf eine deutlich achtsameres Handeln.

Auch Autor und Journalist Ulrich Grober unterstreicht in seinem Artikel die Modernität des Themas. Grober hat sich unlängst in seinem Buch „Die Entdeckung der Nachhaltigkeit“ ausführlich mit dem Nachhaltigkeitsgedanken und seiner Entwicklung und Veränderung bis in die gegenwärtige Zeit beschäftigt und kann nicht zuletzt als Wiederentdecker der Leistung von Hans Carl von Carlowitz gelten. Hier greift er nun noch einmal die Dringlichkeit auf, mit welcher sich die heutige Generation mit Nachhaltigkeit als „key to human survival“ – dem Schlüssel zum Überleben der Menschheit – beschäftigen muss, denn eine Alternative zu nachhaltigem Handeln ist nicht wirklich vorhanden. Zudem besteht die Gefahr der zunehmenden „Entkernung“ des Begriffs durch einen Missbrauch als Mode- und Werbewort. Dieser Gefahr muss, so fordert es Grober, durch die Hinwendung zu Carlowitz‘ ursprünglicher Intention und der daraus folgenden neuen Erfahrung seines Gedankengutes entgegengewirkt werden. Denn nur auf diese Weise ist ein verantwortungsbewusstes und zukunftsweisendes Handeln in einem sowohl wirtschaftlichen als auch ökologischen Sinn möglich.

Sächsische Carlowitz-Gesellschaft (Hrsg.) Die Erfindung der Nachhaltigkeit. Leben, Werk und Wirkung des Hans Carl von Carlowitz 288 Seiten, oekom verlag München, 2013

Autor Ulrich Grober ist einer der Festredner beim Festakt am Mittwoch, den 24.04.2013, „300 Jahre Sylvicultura Oeconomica – 300 Jahre Nachhaltigkeit“ in der Alten Mensa. Die öffentliche Veranstaltung beginnt um 14 Uhr, der Eintritt ist frei.

Ansprechpartner: 
Bastian Fermer