Mit seismischen Wellen die Erde erkunden

Das Freiberg Vibroseis-Fahrzeug bei einer Erkundung
In dieser Woche waren Wissenschaftler/innen und Studierende der TU Bergakademie Freiberg auf einer ganz besonderen Messfahrt unterwegs. In der Nähe von Mittweida führten sie mit einem unieigenen Vibroseis-Fahrzeug seismische Untersuchungen der Erdkruste bis in 1000 Meter Tiefe durch.

Ähnlich wie die Medizin das Körperinnere mit Ultraschallwellen untersucht, können die Geophysiker der TU Bergakademie Freiberg das Erdinnere mit seismischen Wellen erforschen. Diese Wellen werden an der Erdoberfläche erzeugt, breiten sich wie Erdbebenwellen in der Erde aus, werden an Gesteinsgrenzen reflektiert und schließlich von Messgeräten an der Erdoberfläche aufgezeichnet.

Damit diese Wellen tief genug in die Erde eindringen können, benötigt man ausreichend starke Quellen. Das Vibroseis-Fahrzeug erzeugt seismische Wellen, die bis in Tiefen von mehreren Kilometern in die Erde eindringen. Die TU Bergakademie Freiberg ist dabei europaweit die einzige Universität, die im Besitz eines solchen 30 Tonnen schweren Forschungsfahrzeuges ist.

„Das ermöglicht uns und unseren Studierenden einzigartige Untersuchungsmöglichkeiten“, erklärt Prof. Dr. Stefan Buske vom Institut für Geophysik und Geoinformatik. In Mittweida untersuchten die Wissenschaftler/innen und Studierenden beispielsweise gemeinsam mit Dr. Kroner vom Institut für Geologie eine bislang nicht sicher bekannte Störung im Granulitgebirge, um die Bruchmuster in Sachsen besser zu verstehen. Zuvor waren Prof. Buske und sein Team im Osterzgebirge in der Nähe von Boernersdorf/Breitenau unterwegs und führten seismische Untersuchungen im Bereich der Bahn-Neubaustrecke Dresden-Prag durch.

Anfang April fährt das Forschungsfahrzeug nach Schleswig-Holstein, wo es gemeinsam mit der Universität Kiel für ein Geothermieprojekt eingesetzt wird. Direkt von dort geht es im Anschluss für zwei längere Messeinsätze nach Schweden, um im Rahmen eines EU-H2020-Forschungsprojektes mineralische Rohstoffe zu erkunden.

Wer den 30-Tonnen-Kolloss einmal von Nahem betrachten und mehr zur seismischen Erforschung erfahren möchte, sollte am 22. Juni zur Nacht der Wissenschaft und Wirtschaft auf dem Campus der TU Bergakademie Freiberg vorbeischauen.

Weitere Informationen zum Studium unter: https://tu-freiberg.de/studium/studienangebot/studiengaenge

Ansprechpartner: 
Prof. Dr. Stefan Buske, Tel.: 03731/39-2728