Mineraloge wird Ehrenbürger der Freiberger Universität

Für seine wissenschaftlichen Leistungen und die Verdienste um die Freiberger Universität erhielt der Mineraloge Dr. Gerhard Tischendorf am Freitag, dem 6. Oktober 2006, die Ehrenbürgerwürde der TU Bergakademie Freiberg. Prof. Georg Unland, Rektor der TU Bergakademie Freiberg, überreichte die Auszeichnung vor 70 Gästen in einer Festveranstaltung im Senatssaal der Universität.
Als Dank für die Ehrung schenkte Dr. Tischendorf Prof. Georg Unland eine Ausgabe seiner Lebenserinnerungen, die 1999 unter dem Titel „Zwischen Überzeugung und Aufbegehren“ erschienen sind. Der Einblick in ein bewegtes Wissenschaftlerleben vor und nach der politischen Wende in Ostdeutschland wird zukünftig in der Universitätsbibliothek „Georgius Agricola“ allen Interessierten zur Verfügung stehen.

Gerhard Tischendorf wurde am 25. Dezember 1927 in Treuen/Vogtland geboren. 1949 schrieb er sich an der Bergakademie Freiberg für ein Bergbau-Studium ein. Nach seinem Vordiplom wechselte er zur Mineralogie. Nach dem erfolgreichen Ende seines Studiums 1954 arbeitete bis 1958 am Institut für Mineralogie bei Prof. Oscar Oelsner. Am zentralen Geologischen Institut der DDR in Berlin, für das er von 1958 bis 1981 tätig war und es zeitweilig als Direktor leitete, stieß er zahlreiche Forschungsprojekte zur Lagerstättenprognose- und suche an, die international Anerkennung fanden. 1965 habilitierte sich Gerhard Tischendorf an der Bergakademie Freiberg.

Bereits Ende der sechziger Jahre erfolgte durch die Staatssicherheit der DDR eine verschärfte Überwachung, die zunächst vor allem seine internationalen Kontakte in das „Nicht Sozialistische Ausland (NSW)“ betrafen. 1981 musste er „zwangsversetzt“ das Institut verlassen und arbeitete bis 1982 im VEB Geologische Forschung und Erkundung Freiberg, bevor er 1983 im Institutsteil Berlin des Zentralinstituts für Physik der Erde der Akademie der Wissenschaften der DDR eine Tätigkeit aufnehmen durfte. In der Zeit der politischen Wende setzte er sich aktiv für die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und das Zusammenwachsen der Geowissenschaften in Ost und West ein. Gerhard Tischendorf konnte nach der politischen Wende seine Tätigkeit am Geoforschungsinstitut Potsdam fortsetzen und ist seit 1992 Rentner. Seine internationale wissenschaftliche Anerkennung drückt sich unter anderem in der Benennung eines von ihm entdeckten Minerals „Tischendorfit“ aus.

Die Ehrenbürgerschaft wird an Personen verliehen, die nicht der Freiberger Universität angehören, aber sie durch ihr Engagement gefördert haben. Sie ist bisher fünfmal vergeben worden.

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Brigit Seidel