Mathematiker analysieren Probleme der Grundlagenforschung

15 Teilnehmer aus den USA, England, Finnland, Georgien und Deutschland diskutierten vom 5. bis 7. August 2009 an der TU Bergakademie Freiberg im Workshop "Riemann-Hilbert Problems, Circle Packing, and Conformal Geometry" über ihre Forschungsergebnisse. Das gleichnamige DFG Projekt wird gemeinsam von Wissenschaftlern der TU Bergakademie Freiberg und der Universität Würzburg organisiert.
"Wir beschäftigen uns in diesen Tagen insbesondere mit Kreispackungen und funktionentheoretischen Randwertaufgaben. Der Ursprung dieser Probleme lässt sich bis zur Antike zurückverfolgen, mathematisch richtig spannende Fragen werden aber erst seit etwa 25 Jahren untersucht. Uns geht es dabei in erster Linie um mathematische Grundlagenforschung, es gibt aber auch eine ganze Reihe von Anwendungen. Diese reichen von der computergraphischen Visualisierung dreidimensionaler Objekte bis hin zur Hirnforschung" erläutert Prof. Elias Wegert vom Institut für Angewandte Analysis.

Der Freiberger Mathematiker trifft hier Absolvent David Bauer wieder, der bei ihm im Frühjahr erfolgreich seine Diplomarbeit verteidigt hat und inzwischen am Leipziger Max Planck Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften an der Promotion arbeitet. Beide waren erst vor 14 Tagen bei der 50. Internationalen Mathematikolympiade dabei, die diesmal in Bremen stattfand. David Bauer betreute als Team-Guide die Mannschaft aus Bosnien-Herzegowina. Prof. Elias Wegert hatte als Koordinator die Arbeiten mit den Schülerlösungen im Blick. "Die deutsche Delegation freute sich über einen sehr guten 9. Platz unter den 104 teilnehmenden Ländern. Eine auch im internationalen Rahmen absolut außergewöhnliche Leistung vollbrachte die Dresdner Gymnasiastin Lisa Sauermann, die mit 16 Jahren nun bereits zum dritten Mal teilnahm und wieder eine Goldmedaille errang. Zur Idealpunktzahl von 42 fehlte ihr in diesem Jahr nur ein Punkt", berichtet der Professor. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich in der Aufgabenkommission mit dem Entwurf von Aufgaben für die Olympiaden. Das von ihm 1986 entwickelte Fünfeck-Problem schaffte es 1986 sogar bis zur internationalen Olympiade in Warschau. Nur elf der 210 talentierten Schüler aus aller Welt gelang es damals, das Problem zu lösen.

Den 25jährigen David lernte Prof. Wegert ebenfalls bei einer Olympiade kennen. 2003 belegte dieser als Schüler einen 1. Platz bundesweit. Als sich der Eppendorfer Abiturient an der TU Bergakademie als Student einschrieb, nahm ihn der Professor unter seine Fittiche. Die beiden verbindet nicht nur das große Interesse an der Analysis und das gemeinsame wissenschaftliche Arbeiten, sondern ebenso ein Stück Biografie. Denn als Jugendlicher nahm Elias Wegert ebenfalls erfolgreich an Mathematikolympiaden teil. Er gewann 1973 Silber beim der internationalen Wettstreit in Moskau. Die Olympiade, die es bereits zu DDR-Zeiten von Klasse 5 bis zum Abitur gab, stand 1994 auf der Kippe. "Da sprang Freiberg ein und richtete kurzfristig die Olympiade auf Bundesebene aus", erinnert sich Prof. Wegert. Inzwischen hat sich die Matheolympiade deutschlandweit etabliert und alle Bundesländer wechseln sich bei der Austragung der Bundesrunde ab.

"Die Arbeit mit Schülern macht einfach Spass und die Förderung mathematischer Talente ist uns ein Bedürfnis. Deshalb führen wir auch unter Leitung von Dr. Gunter Semmler eine Mathematik-Arbeitsgemeinschaft für Schüler der Klassen 9 bis 12 durch. Interessenten sind herzlich eingeladen. Einzelheiten findet man auf unserer Website" (s. unten stehender Hyperlink, Anm.d.Red.).

Foto: Prof. Elias Wegert (r.) und David Bauer (l.) im Gespräch mit Brock Williams von der Texas Tech University, USA, beim Workshop.

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Elias Wegert