Junge Start-ups Parforce und RMF der TU Bergakademie auf gutem Weg

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Bei einem "Open-Door"-Termin präsentierten sich jetzt die neuen Start-ups Parforce und RMF Vertretern der Verwaltung der TU Bergakademie.

Bei PARFORCE handelt es sich um ein ressourcenorientiertes Ausgründungsprojekt. Es ist praxis- und industrienah und mit konkretem Mehrwert für die Umwelt. In seiner Konzeption ist es zukunftsweisend und sehr interessant für kommunale Abwasseranlagen. Diese sind zukünftig, also ab 2029, verpflichtet, Phosphor aus den Rückständen der Abwasserreinigung zurückzugewinnen. Die Vorbereitungen hierzu sind schon in vollem Gange.

Tatsächlich kann das PARFORCE-Team nun bis zu 1000 Kilogramm phosphathaltigen Abfall zu Phosphorsäure verarbeiten. Phosphate werden unter anderem in der Landwirtschaft als Düngemittel benötigt. Phosphor ist ein lebensnotwendiges, nicht-regenerierbares Element. Menschen, Tiere und Pflanzen benötigen es für ihr Zellwachstum. Da Europa über keine eigenen Lagerstätten verfügt und Phosphor überwiegend aus geopolitisch schwierigen Regionen importiert werden muss, wurde es von der EU-Kommission zum kritischen Rohstoff erklärt. Phosphorsäure ist eine Basis-Chemikalie, die in einer Vielzahl von Anwendungen als Roh- oder Hilfsstoff zum Einsatz kommt. Die Anwendungsgebiete reichen von der Düngemittelherstellung über die Lebensmittelproduktion bis hin zum Einsatz in der Halbleiterindustrie.

Die Anlage wurde im September 2017 durch die damalige Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries eingeweiht und im Dezember 2017 durch den Sächsischen Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Thomas Schmidt offiziell in Betrieb genommen. Die Bundesregierung hatte im Oktober 2017 eine neue Klärschlammverordnung erlassen, die die Verwertung von Klärschlämmen regelt. Hiernach müssen Betreiber kommunaler Abwasserreinigungsanlagen ab 2029 die im Klärschlamm gebundenen Phosphate zurückgewinnen. Die Rückgewinnungsverpflichtung kann entweder direkt aus dem Klärschlamm oder nach einer Verbrennung aus den Aschen erfüllt werden.

Ganz ähnlich ist der konzeptionelle Ansatz des Start-up-Projektes RMF – bei der Ressourcentechnologie und Metallveredelung Freiberg geht es ebenfalls um ein zukunftsorientiertes Gewinnungsverfahren für das Technologiemetall Indium aus unterschiedlichsten Rückständen. Indium ist ein strategisches Metall für Hochleistungstechnologien, für das in den nächsten Jahren ein steigender Bedarf prognostiziert wird. Die Hauptanwendung liegt in der Displaytechnik, in der es in Form von Indium-Zinn-Oxid (ITO) oder Indium-Gallium-Zink-Oxid (IGZO) für hochauflösende Displays als Elektrodenmaterial eingesetzt wird.

Im Rahmen des Freiberger Biohydrometallurgischen Zentrum für strategische Elemente (BHMZ) wurde die mikrobielle Laugung des indiumhaltigen Freiberger Erzkörpers eingehend untersucht. Am Institut für Technische Chemie konnte erfolgreich ein Verfahren zur selektiven Gewinnung von Indium aus diesen niedrigkonzentrierten Laugungslösungen entwickelt werden.

Das neue Verfahren konnte mit Unterstützung der Dr. Erich-Krüger-Stiftung im Labormaßstab erprobt werden. Der Vorteil des RMF-Verfahrens liegt in der Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten zur Verarbeitung indiumhaltiger Stoffströme. Diese umfassen weltweit anfallende Reststoffe aus der Verhüttung verschiedener Basismetalle, wie Tailings, Schlacken und Stäube. Die entwickelten Prozesse folgen alle dem Wertstoffchemischen Ansatz, der eine Verwertung aller enthaltenen Nebenkomponenten und eine Vermeidung sämtlicher Abfälle vorsieht. Die Technologie wird durch zwei bereits erteilte Patente und zwei weitere Patenanmeldungen geschützt.

Zur Umsetzung des Projektes erhielt das Gründerteam eine Gesamtförderung von 1,3 Mio. EUR über den EXIST-Forschungstransfer des Bundesministeriums für Wirtschaft und über die Krüger-Stiftung. Bis März 2020 wird das Team eine Demonstrationsanlage planen, bauen und in Betrieb nehmen, welche bis zu einem Kilogramm Indium pro Tag aus unterschiedlichen Stoffströmen produzieren kann. Diese Anlage wird auf dem Universitätsgelände errichtet.  

Ansprechpartner: 
Dr. Peter Fröhlich (Parforce), Tel 03731 / 39-3663, Martin Reiber (RMF), Tel 03731 / 39-4374
Referent vor Zuhörern
Start-up Team RMF
Präsentation
Präsentation Indium-Gewinnung
Präsentation Parforce