"Internationalität ist das Markenzeichen der Bergakademie seit ihrer Gründung"

Prof. Bernd Meyer, Rektor der TU Bergakademie Freiberg (c) TU Bergakademie Freib
In seinem Statement fordert Rektor Prof. Bernd Meyer eine politische Kurskorrektur und wirbt für weitere Unterstützung der Flüchtlinge.

Als scheidender Rektor rufe ich Ihnen zu: Unsere Gedanken müssen – ganz besonders in schwierigen Zeiten – Gedanken der Nachhaltigkeit sein. Hüten wir uns vor radikalen Gedanken! Gedanken der Nachhaltigkeit und der Zukunft prägten und prägen unsere Stadt, sie sind unserer Universitätsstadt Freiberg würdig. Eine Stadt, die einen Dietrich von Freiberg, einen Hans Carl von Carlowitz, einen Michail Lomonossow, Gottfried Silbermann, Abraham Gottlob Werner oder Novalis und einen Alexander von Humboldt in Ihren Mauern beherbergte.

Lassen Sie mich zwei Gedanken der Nachhaltigkeit auf den Weg geben: Gedanken zum Internationalisierungsauftrag unserer Universität und Gedanken zu dem, was wir als Universität heute für eine weltoffene Stadt Freiberg tun können. Internationalität ist das Markenzeichen der Bergakademie seit ihrer Gründung. In frühen Zeiten studierten hier teilweise mehr Ausländer als Deutsche. Heute kommen wieder rund 20 Prozent der Studierenden aus dem Ausland. Viele von ihnen werden extra nach Freiberg delegiert.

Welche hoffentlich nachhaltigen Gedanken bewegen mich als Rektor für eine weltoffene Stadt Freiberg? Die Zahl der in Freiberg untergebrachten Flüchtlinge ist im letzten halben Jahr stark gestiegen, vor allem aus Syrien, und wird wohl noch weiter steigen. Das führt zu Verunsicherungen und auch zu echten Problemen in der Stadt und bei den Bürgern. Auch hier ist es höchste Zeit, dass die Probleme offen angesprochen werden. Die Politik ist gefordert, endlich im Vorfeld zu reagieren, und nicht erst dann, wenn sich die Bürger lautstark artikulieren. Unsere Demokratie verträgt nicht jede Belastung. Ich hoffe, dass es bald zu einer politischen Kurskorrektur der Vorsorge statt Nachsorge kommt.

Auch unsere Universität kann sich ganz konkret einbringen, viele Angehörige sind bereits aktiv. Nur einige Beispiele: Unser Freiberger Netzwerk „Wir sind Freiberg“ organisiert einmal im Jahr in der Alten Mensa das Fest der Kulturen oder das World Café. Die Initiative "Sprache ist Brücke" ist eine Kooperation zwischen dem Arbeitskreis Ausländischer Studierender, dem Internationalen Universitätszentrum und Freiberger Vereinen. Die Hilfe galt bisher den ausländischen Studierenden. Zukünftig sollen Studenten aus den jeweiligen Herkunftsländern für die Asylanten als ehrenamtliche Dolmetscher, Begleiter bei Behördengängen oder allgemein als Vermittler im Alltag gewonnen werden. Auch eine Dolmetscher-Datenbank soll erstellt werden. Eine neue Webseite www.asyl-freiberg.de ist die erste Anlaufstelle für Freiberger, die sich engagieren möchten.

Derzeit unterrichten fünf Studenten der Bergakademie in Flüchtlingsheimen von Montag bis Donnerstag je 90 Minuten lang deutsch. Die Studenten haben die Initiative dazu selbst ergriffen, als sie von der gestiegenen Zahl der Flüchtlinge, vor allem aus Syrien, erfuhren. Sie haben die Kurse selbst organisiert und sich Lehrmaterial beschafft. Sie arbeiten mit einer erfahrenen ehrenamtlichen Deutschlehrerin für Asylsuchende aus Freiberg zusammen.

Ich bedanke mich bei allen ehrenamtlich engagierten Menschen für Ihre großartige selbstlose Unterstützung. All das ist gut und wichtig – herzlichen Dank! – und ich möchte sehr um weitere Unterstützung werben. Denn nur wenn sich die Flüchtlinge nicht als Aussätzige fühlen, selbst wenn sie nur für kurze Zeit hier sind, werden sie auch die Einstellung zu Deutschland und zu ihrer Umgebung positiv ändern. Solange das nicht gegeben ist, müssen Ordnung und Sicherheit aktiv und kompromisslos durchgesetzt werden.  

Ich plädiere dafür, dass wir unsere Möglichkeiten als staatliche Einrichtung hierfür im staatlichen Auftrag ausschöpfen dürfen. Ich wünschte mir, dass wir die Sportstätten auf der Chemnitzer Straße für die Flüchtlinge in den Zeiten öffnen könnten, wenn unsere Studenten keinen Sport haben, also an Vormittagen oder am Wochenende. Ich wünschte mir, dass wir verstärkt Sprachunterricht anbieten könnten, für den es eine große Nachfrage gibt. Ich wünschte mir auch, dass wir herausfinden könnten, ob es junge Asylanten gibt, die wir für ein Studium für Freiberg vorbereiten können. Das alles verursacht zusätzliche Kosten, aber es ist gutes Geld, da es auf Nachhaltigkeit angelegt ist. Wir werden erneut mit der Staatsregierung sprechen und um Unterstützung bitten.

Liebe Freiberger und Freibergerinnen, auch von der Politik fordere ich nachhaltige Gedanken, voran zur Umsetzung des dringend anstehenden Internationalisierungsauftrags unserer Universität und zur Vor Ort-Hilfe für Ordnung und Sicherheit in demokratischen Spielregeln, aber auch für ein menschenwürdiges Dasein für die Flüchtlinge aus den Bürgerkriegsländern. Wir stehen als Universitätsstadt und als Universität dafür ein.

Glück Auf!
Prof. Bernd Meyer