Glasflitter aus dem Museum Waldenburg im Fokus: 3 Fragen an Anne Rannefeld und Fanny Stoye

Schublade mit den untersuchten Glasflittern.
Für ihre Bachelorarbeit untersuchte Mineralogie-Studierende Anne Rannefeld Glasflitter aus dem 18. Jahrhundert. Im Museum Naturalienkabinett Waldenburg warteten die Proben glitzernder Glasblättchen in 7 verschiedenen Farben viele Jahre darauf, entdeckt zu werden.

In welchem Zustand waren die Flitter, als Sie sie zum ersten Mal aus der Schublade zogen?

Anne Rannefeld: Noch heute erinnere ich mich an diesen faszinierenden Moment. Die Glasflitter waren in kleinen Kästchen aufbewahrt, und nun ja, sie waren wahrscheinlich länger nicht mehr herausgezogen worden und teilweise waren die Farben vermischt. Ich fand das Projekt aus dem Museum Waldenburg auf Anhieb sehr spannend: 9 Probenbehälter gefüllt mit verschiedenfarbigen Glasflittern aus der Sammlung einer Apothekerfamilie und seinerzeit ohne weitere Beschreibung! Die unbekannten Glasflitter ermöglichten mir, sehr frei und selbstständig, Analyseverfahren zu wählen und anzuwenden. Bis dahin überwiegend theoretisch vermittelte Methoden konnte ich dadurch praktisch anwenden und auswerten.

Fanny Stoye, Leiterin des Museum - Naturalienkabinett Waldenburg: Die Glasflitter gehören zur barocken Wunderkammersammlung, die die Leipziger Apotheker Linck zwischen 1670 und 1807 zusammengetragen haben. Dieser „Glasglanz“, wie Flitter damals genannt wurden, kamen als reflektierendes Material bei Farbfassungen etwa an Architekturelementen, als Zusatz in Malmaterialien oder als veredelndes Element im kunsthandwerklichen Bereich zum Einsatz. Dafür war moderne Technologie und Wissen um die Materialien der Region unverzichtbar!

Die Sammlung ist eine absolute Rarität, es gibt fast keine vergleichbare Universalsammlung in Europa, aus der heute noch ähnlich viel erhalten ist. Der Haken an der Sache: Die Glasflitter haben nicht zuletzt aus konservatorischen Gründen bisher ein absolutes Schattendasein geführt. In unserer Ausstellung sind sie zwar den Mineralien zugeordnet, wurden und werden aber staubgeschützt und verborgen in einer mit Holztüren verschlossenen Pultvitrine bewahrt.

Wie analysierten Sie die Flitter und was fanden Sie heraus?

Anne Rannefeld: Zuerst mussten die Proben nach Farben sortiert und im Ultraschallbad gereinigt werden. Mit der so genannten Polarisationsmikroskopie zeigten sich dann verschiedene Strukturen wie zum Beispiel langgezogene Blasen innerhalb der Gläser und Kristallisationserscheinungen, die Rückschlüsse auf die Entstehung ermöglichen. Mit der UV-VIS-Spektroskopie konnten wir dann nachweisen, dass die für das 18. Jahrhundert typischen färbenden Ionen verwendet wurden, wie zum Beispiel Kobalt für die Farbe blau oder Kupfer für die Farben grün und und auch rot. Außerdem enthalten viele der Flitter Blei. Weitere spezielle Analyse-Verfahren, wie zum Beispiel die Raman-Mikro-Spektroskopie ergaben, dass zwei Glasarten verwendet wurden: Bleisilikatgläser und Kalk-Natron-Gläser. Das deutet darauf hin, dass die Materialien aus Italien oder Frankreich importiert wurden.

Fließen diese Erkenntnisse nun in die Forschung am Museum Waldenburg ein?

Fanny Stoye: Die Kooperation mit den MineralogInnen aus Freiberg zeigt uns: Wir sind keine „Universalgelehrten“, wie sich die Lincks damals verstanden, wir brauchen das Expertenwissen von anderen, um diese einzigartige Sammlung zu verstehen. Ich sehe noch weiteres Potenzial, zu dieser Spezialsammlung zu forschen. Zum Beispiel, um die Herstellungsgeschichte anhand zeitgenössischer Schriften zu vertiefen. Eventuell wird man ja später auf die Arbeit von Anne Rannefeld als Anfang einer umfassenden Spezial-Forschung zurückblicken können!

Ansprechpartner: 
anne-heidi.rannefeld@student.tu-freiberg.de; gerhard.heide@tu-freiberg.de; F.Stoye@waldenburg.de