Freiberger Region wird neu untersucht

Symbolbild Bergbau
850 Jahre nach dem ersten Silberfund wird die Entstehungsgeschichte des Freiberger Silber-Distrikts neu untersucht. Ziel ist es, bisher unentdeckte Erzvorkommen aufspüren zu können.

GesteinDie Ergebnisse des Forscherteams um Dr. Mathias Burisch und Prof. Dr. Jens Gutzmer wurden Anfang November in drei Artikeln in der Fachzeitschrift „Mineralium Deposita“ veröffentlicht.  Die Forschung am Freiberger Distrikt an der Professur für Lagerstättenlehre und Petrologie der TU Bergakademie Freiberg und dem Helmholtz-Institut für Ressourcentechnologie Freiberg wird vom universitätseigenen Biohydrometallurgischen Zentrum, dem sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und dem Europäischen Sozialfonds mitfinanziert.

Im Jahr 2018 feierte die Stadt Freiberg das 850. Jubiläum des ersten Silberfundes im Jahre 1168. Dieses Ereignis gilt als Auslöser für den intensiven Bergbau im Freiberger Distrikt, der von 1168 bis 1969 andauerte. Trotz des langanhaltenden Silberabbaus ist das Ressourcenpotenzial der Freiberger Region keineswegs erschöpft, da die meisten Bergbaubetriebe nicht aufgrund fehlender Erzvorräte, sondern aus technischen, ökonomischen oder auch politischen Faktoren eingestellt wurden. Die Freiberger Gänge sind typische hydrothermale Ganglagerstätten, bei denen die Metalle in heißen wasser- und gashaltigen Flüssigkeiten entstanden und die Erze sich auf Spalten im Gestein abgesetzt haben. Die meisten Silbervorkommen liegen hier als Silber-Antimon-Schwefel-Verbindungen vor (Freibergit, Miargyrit und Pyrargyrit), und nicht etwa als spektakuläres Lockensilber, was heute viele Sammlungen schmückt. Die silberreichen Gänge sind Teil eines magmatisch-hydrothermalen Systems, sehr ähnlich denen, die heute z.B. in den Anden oder in Indonesien abgebaut werden. Assoziiert ist die Bildung dieser Erze vor ca. 280 Ma mit verbreitetem Vulkanismus in der Region. Zeugen dieses Vulkanismus finden sich noch heute im Chemnitzer Wald oder bei Rochlitz.

Größe, Silberkonzentrationen und erwartete Silbermengen der magmatisch-hydrothermalen Gänge des Freiberger Distriktes sind durchaus vergleichbar mit geologisch ähnlichen Silberlagerstätten weltweit. Gerade in den Randbezirken des Freiberger Distrikts (z.B. Bräunsdorf und Reinsberg) wurde der historische Bergbau schon bei recht geringen Tiefen eingestellt. Hier liegt die Erwartung nahe, dass nur ein geringer Teil des vorhandenen Silbers abgebaut worden ist. Aus diesem Grund wird seit 2017 in den nördlichen Freiberger Randdistrikten wieder auf Silber und mögliche Beiprodukte erkundet.

Die letzten Forschungsarbeiten zur Entstehung der Freiberger Silbergänge wurden Mitte der 60er Jahre durchgeführt. Derzeit wird die Forschung am Freiberger Distrikt von den DoktorandInnen Laura Swinkels und Sebastian Haschke in der ESF Nachwuchsforschergruppe „Mineral Systems Analysis“ unter der Leitung von Dr. Mathias Burisch fortgesetzt. Ziel ist es, das Verständnis von physikalisch-chemischen Ausfällungsmechanismen zu vertiefen, um dadurch das Ressourcenpotential im Erzgebirge besser evaluieren zu können.

Weitere Informationen:

Bauer ME, Burisch M, Ostendorf J, Krause J, Frenzel M, Seifert T, Gutzmer J (2018) Trace element geochemistry of sphalerite in contrasting hydrothermal fluid systems of the Freiberg district, Germany: insights from LA-ICP-MS analysis, near-infrared light microthermometry of sphalerite-hosted fluid inclusions and sulfur isotope geochemistry. Mineralium Deposita.

Burisch, M., Hartmann, A., Bach, W., Krolop, P., Krause, J., and Gutzmer, J. Genesis of hydrothermal silver-antimony-sulfide veins of the Bräunsdorf sector as part of the classic Freiberg silver mining district, Germany: Mineralium Deposita 

Ostendorf, J., Henjes-Kunst, F., Seifert, T. and Gutzmer, J. (2018) Age and genesis of polymetallic veins in the Freiberg district, Erzgebirge, Germany: Constraints from radiogenic isotopes. Mineralium Deposita https://doi.org/10.1007/s00126-018-0841-1

Ansprechpartner: 
Dr. Mathias Burisch, Telefon 03731/39-2657