Freiberger „Humboldt-Schacht“ nun per YouTube-Video „erfahrbar“

Laserscanning
Markscheider der TU Bergakademie haben den Familienschacht am Freiberger Untermarkt digital vermessen. Hier war Alexander von Humboldt während seines Studiums im Juli 1791 eingefahren. Durch ein YouTube-Video können sich nun auch Bürger und Besucher ein Bild davon machen.

Aus Sicherheitsgründen kann der steile und enge Schacht nicht öffentlich zugänglich gemacht werden. Gegenwärtig wird er von der Bergsicherung Freital unter Aufsicht des Oberbergamtes Freiberg saniert. Damit Bürger und Besucher trotzdem einen Eindruck dieses historischen Objektes bekommen, führte das Institut für Markscheidewesen und Geodäsie eine vermessungstechnische Digitalisierung des Schachtes und eines Streckenkreuzes in 35 Metern Tiefe durch.

FamilienschachtIm Vorfeld des Messeinsatzes wurde durch die Firma GolHo aus Niederschöna ein geodätisches Grundlagennetz angelegt. Der klassische Streckenzug wurde verbunden mit einer Steilschachtmessung und der trigonometrischen Höhenübertragung.

Im Januar 2019 wurden dann alle zugänglichen Bereiche mit moderner 3D-Technologie vermessen. Mit Hilfe eines handgeführten Laserscanner wurden in  einem knapp vierstündigen Einsatz alle zugänglichen Bereiche des Grubengebäudes aufgenommen und in 3D abgebildet. „Die Enge der Grubenbaue, die Nässe, die stark verschmutzen und verschlammten Oberflächen führten Mensch und Technik an ihre Grenzen“, berichtet Dr. Thomas Martienßen vom Institut für Markscheidewesen. „Die eingesetzte neue Technik wurde dabei auch aus wissenschaftlicher Sicht auf Herz und Nieren getestet.“ Nach der Aufnahme als 3D-Punktwolken liegen nun die gescannten und referenzierten Daten vor, wobei jeder Punkt eine Position im Raum hat und sich auf das übergeordnete Koordinatensystem bezieht.

Im Ergebnis gelang die dreidimensionale Erfassung und 3D-Darstellung des Grubengebäudes. Auch ein parallel verlaufendes Überhauen unmittelbar neben dem Schacht wurde mit registriert. Der Schacht selbst führt auf das Niveau des „Eselstollens“ in 35 Metern Tiefe und trifft dort auf ein Gangkreuz. „Von dort ausgehend verlief die Vermessung in alle vier Richtungen, soweit dies  für den Messenden zumutbar war“, erläutert Dr. Martienßen. Das Ergebnis ist in nun in einer Virtualisierung auf Youtube zu sehen.

„Arbeitete man sich zu Humboldt Zeiten mit Gradbogen und Kompass durch das Bergwerk, werden heute moderne 3D-Laserscanner und Virtuelle Realität eingesetzt“, kommentiert Prof. Dr. Jörg Benndorf, Direktor des Institutes für Markscheidewesen und Geodäsie. „Die grundlegende  Aufgabe bleibt jedoch die gleiche – Rohstoffe zu erschließen und das mit einem Höchstmaß an Sicherheit.“

Weitere Informationen: https://youtu.be/g3P3cFhQSfg

Ansprechpartner: 
Dr.-Ing. Thomas Martienßen, Tel 03731 / 39-2875