Freiberger Geophysiker auf den Spuren Humboldts am Punkt der geringsten Erdschwere

Zwei Männer in Winterbekleidung im Schnee stehend
Geophysiker der TU Bergakademie Freiberg erstiegen den Gipfel des Chimborazo (6268 m) in Ecuador, der bereits von Alexander von Humboldt, einem ehemaligen Studenten der Bergakademie Freiberg, vor über 200 Jahren versucht worden war.

Bezüglich der Höhenvermessung gegenüber Meeresniveau gilt zwar der Mount Everest (8848 m) als höchster Berg der Erde. Wählt man jedoch als Bezugspunkt den Erdmittelpunkt, so ist der Gipfel des Chimborazo aufgrund des größeren Erddurchmessers am Äquator der am weitesten entfernte Punkt an der Erdoberfläche und überragt den Mount Everest noch um weitere 1,8 km.  Zusätzlich befindet man  sich im Gipfelbereich des Chimborazo infolge der größten Entfernung vom Masseschwerpunkt gleichzeitig am Punkt der geringsten Erdschwere.  So gesehen stellt der Chimborazo nicht nur für Bergsteiger, sondern insbesondere auch für Geophysiker ein herausforderndes Ziel dar.

Dieser Motivation folgend, begaben sich die Geophysiker Reinhard Mittag und Bernhard Wagenbreth, welche als Seismologe am Observatorium bzw. als Fachreferent an der Bibliothek der TU Bergakademie tätig sind,  Anfang August diesen Jahres auf die Reise nach Ecuador. Ihr Ziel war es, den Spuren des großen Naturwissenschaftlers und Forschers Alexander von Humboldts zu folgen und den Gipfel des Chimborazo zu besteigen. Humboldt, der ja bekanntlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts an der Bergakademie Freiberg ein Studium des Bergbaus und Minenwesens aufgenommen hatte, unternahm bereits 1802 eine Forschungsreise nach Lateinamerika. Dabei versuchte er eine Besteigung des Chimborazos, der damals als höchster Berg der Erde galt, welche aufgrund mangelnder bergsteigerischer Erfahrungen jedoch misslang.  Erst im Jahre 1880 gelang es dem britischen Alpinisten und Erstbesteiger des Matterhorns Edward Whymper, den Gipfel des Berges zu besteigen. Nach einem ca. 10stündigen Aufstieg standen nun am 22. August auch Geophysiker der Bergakademie auf dem Gipfel der geringsten Erdschwere, was ihnen zumindest einen erleichterten Blick in die Runde der ecuadorianischen Vulkane bescherte. 

Ansprechpartner: 
Reinhard Mittag, Tel.: 03731/39-3207