Freiberger Forscher erkunden Wertstoffe in alten Bergbauhalden

Projektkoordinator Philipp Büttner und ...
Auf die Suche nach strategischen Metallen in sächsischen Bergbauhalden machen sich seit Mitte Januar gemeinsam mit Industriepartnern Forscher der TU Bergakademie Freiberg. Bei dem Projekt, das das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie koordiniert, werden die Aufschüttungen auf ihren Inhalt an technologisch wichtigen Metallen, wie Indium, Germanium und Seltene Erden, sowie den Restkonzentrationen der damals abgebauten Rohstoffe, überprüft. In der Vergangenheit waren diese Ressourcen nicht wirtschaftlich gewinnbar. Aufgrund der steigenden Weltmarktpreise werden sie aber immer relevanter. Um das Potential der Halden zu erschließen, führten die Wissenschaftler Probebohrungen in Freiberg, Ehrenfriedersdorf und Altenberg durch.
„Unser Ziel ist es, die Halden in ihre genauen Bestandteile aufzuschlüsseln“, erklärt Projektkoordinator Philipp Büttner. „Dafür wollen wir alle Ressourcen in den Aufschüttungen vollständig analysieren.“ Auf dieser Grundlage soll anschließend ein Verfahren entwickelt werden, um Rohstoffe aus alten Halden effizient und umweltschonend abzubauen. Außerdem ist ein Kataster geplant, in dem Informationen über die geografische Lage und Eigentumsverhältnisse der Halden, die Herkunft des Materials sowie den Aufbau, Wertstoffgehalt und das Potential der größten Bergbauhalden Sachsens erfasst sind. Zusätzlich sollen Informationen über mögliche Abbau-, Aufbereitungs- und Gewinnungstechnologien sowie deren Kosten bereitgestellt werden.

Im Erzgebirge wurde über Jahrhunderte hinweg Erzbergbau betrieben. Die nach dem jeweiligen Stand der Technik nicht zu fördernden oder verwertbaren Bestandteile des geförderten Erzes wurden dabei aufgehaldet, wie es in der Fachsprache der Bergleute heißt, also auf einer Halde gelagert. Insbesondere aus dem Erzbergbau des vorigen Jahrhunderts existieren etliche große Bergehalden (von Berge – taubes Gestein), Spülhalden und Waschsandhalden (Halden von feinkörnigem Material, die durch Spülverfahren entstanden sind) aus der Aufbereitung, sowie Schlacke- und Flugstaubablagerungen aus der Verhüttung. Diese Halden enthalten fein verwachsene Mineralien sowie geringere Konzentrationen der abgebauten Rohstoffe wie Zinn, Zink, Silber oder Wolfram, aber auch Begleitelemente wie Lithium oder Indium, die bei der Gewinnung in der Vergangenheit wirtschaftlich noch uninteressant waren. Viele dieser Elemente sind heute von wirtschaftsstrategischer Relevanz. Ihre Gewinnung wäre dann sinnvoll, wenn es gelänge die Wertkomponenten effizient und wirtschaftlich aufzukonzentrieren.

Die Probebohrungen gehören zum Teilprojekt „SMSB – Gewinnung strategischer Metalle und Mineralien“ der BMBF-Fördermaßnahme „r3 – Innovative Technologien für Ressourceneffizienz – Strategische Metalle und Mineralien“. Es wird durch das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) koordiniert und von Wissenschaftlern der TU Bergakademie Freiberg, unter Beteiligung von Industriepartnern, durchgeführt.

Ansprechpartner: 
Simon Schmitt