Fraunhofer-Außenstelle für Kohlenstoff-Kreislauf-Technologien entsteht an der TU Freiberg

Drei Männer und eine Frau enthüllen eine Institutstafel
Am 11. Juni übergab Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange die Zusage der Anschubfinanzierung in Höhe von 4,6 Millionen Euro. Mit dieser entsteht an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg eine gemeinsame Forschungsgruppe zu Kohlenstoff-Kreislauf-Technologien mit dem Fraunhofer IMWS.

„Die neue Außenstelle Freiberg ist exemplarisch für den Ansatz, einen ganzheitlichen Blick auf die Nutzung von Ressourcen zu werfen und in Freiberg Lösungen mit Praxisrelevanz zu realisieren. Durch die Zusammenarbeit mit Fraunhofer wird es gelingen, die Sichtbarkeit dieser Forschungsarbeiten auch international zu stärken, und Unternehmen aus Sachsen und Deutschland einzubinden, die bei der Verwertung dieser Ideen profitieren können. So generieren wir aus der Wissenschaft heraus - aufbauend auf und durch gezielten Ausbau der vor Ort  bestehenden Kompetenzen - Wertschöpfung in der Region“, sagt Wissenschaftsministerin Dr. Stange.

Die Außenstelle Kohlenstoff-Kreislauf-Technologien stärkt zugleich das Profil der TU Bergakademie auf dem Gebiet der nachhaltigen Rohstoff- und Energiewirtschaft sowie der Kreislaufwirtschaft von metallischen und Kohlenstoff-Ressourcen. „Wir sind das führende Institut in Europa für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der thermisch-chemischen Wandlung primärer und sekundärer Kohlenstoffquellen, insbesondere von Kohlen, Erdgas und kohlenstoffhaltigen Abfällen. Damit können wir wirtschaftliche und nachhaltige Lösungen für drängende gesellschaftliche Fragen erarbeiten“, sagt Prof. Bernd Meyer, Direktor des Instituts für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen (IEC). Neben den Vorteilen für den Klimaschutz hat er dabei auch das Problem des Plastikmülls im Sinn. Statt Landschaft und Meere zu belasten, könnte er zur Rohstoffquelle für die Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft werden.

Mit neuen Prozesse und Technologien im großtechnischen Maßstab wollen die Forscher des IEC der TU Bergakademie und des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS künftig eine möglichst CO2-emissionsarme, effiziente und ressourcenschonenden Nutzung der vorhandenen Kohlenstoffquellen ermöglichen. Dabei sollen auch erneuerbare Energieträger wie Wind- und Solarstrom, Grüner Wasserstoff oder Biomasse einbezogen werden.

Im Laufe der vierjährigen Aufbauphase, die jetzt bewilligt wurde, sind auch Geräteinvestitionen für die Analytik von Kohlenstoffträgern und deren Konversionsprodukten sowie Testanlagen im Pilotmaßstab geplant. Dort sollen unter industrienahen Bedingungen die verschiedenen Einsatzstoffe in unterschiedlichen Umwandlungskonzepten getestet werden.

Zur festlichen Übergabe des Bewilligungsbescheids waren auch Partner der deutschen und polnischen Wirtschaft und Wissenschaft sowie Vertreter von Verbänden und aus der Politik anwesend. Besonderes Interesse gab es seitens der Abfallwirtschaft, der Energiewirtschaft und des Anlagenbaus. Passend zum Anlass der Gründung der Fraunhofer IMWS Außenstelle in Freiberg wurde einen Vertrag zwischen der TU Bergakademie Freiberg und dem europaweit größten polnischen Kokskohleproduzenten JSW für einen fünfjährigen Forschungsfond für die Entwicklung neuer nachhaltiger Wertschöpfungsketten zur Schließung des Kohlenstoffkreislaufs für Nebenprodukte der Kokserzeugung unterzeichnet. Dafür war der Präsident von JSW, Daniel Ozon, persönlich nach Freiberg gekommen.