Forschungs- und Lehrbergwerk „Reiche Zeche“ wird hundert Jahre alt

Prof. Mischo beim Vortrag
Das Forschungs- und Lehrbergwerk „Reiche Zeche“ der Technischen Universität Bergakademie Freiberg feiert am 7. Juni sein hundertjähriges Jubiläum mit einem Festakt im Alten Fördermaschinenhaus des einstigen Silberbergwerkes.

Als universitätseigenes Bergwerk ist das Forschungs- und Lehrbergwerk der TU Bergakademie Freiberg (FLB) nicht nur in Deutschland, sondern auch innerhalb der Europäischen Union einzigartig. Nachdem der Silberbergbau in Freiberg aus Rentabilitätsgründen eingestellt worden war, wurden die Schachtanlagen „Alte Elisabeth“ und „Reiche Zeche“ am 1. Mai 1919 als Lehrgrube der Bergakademie wiedereröffnet. Das Grubenfeld umfasst derzeit eine Fläche von vier Quadratkilometern mit einem Streckennetz von knapp 20 Kilometern auf fünf Sohlen in rund 230 Metern Tiefe.
Auf dem Forschungs- und Lehrbergwerk existieren derzeit 33 untertägige Versuchseinrichtungen und Labore, an denen fast 50 Partnerinstitutionen aus 26 Ländern forschen.

„Hier werden hochqualifizierte Bergbauspezialisten hervorgebracht, die später die Ressourcenförderung, nicht nur in Deutschland, prägen werden“ sagt Prof. Dr. Klaus-Dieter Barbknecht, Rektor der Technischen Universität Bergakademie Freiberg. “Sie haben hier ein ideales Experimentierfeld, wo sie lernen, ihrer Verantwortung gegenüber unserer Erde und ihren Ressourcen gerecht zu werden. Sie kennen den neuesten Forschungsstand bei der Suche nach gefragten Rohstoffen der Gegenwart. Auch erfahren sie, wie man Roboter und Drohnen zu einer risikoärmeren und nachhaltigeren Rohstoffgewinnung unter Tage einsetzt. In Freiberg befindet sich auch der Schwerpunkt der traditionsreichen bundesweiten Markscheider-Ausbildung, die heutzutage modernste Laser- und Sensortechnologie bei ihren anspruchsvollen Vermessungsaufgaben untertage und beim Tunnelbau einsetzen. Zudem werden hier die deutschlandweit einmaligen Studiengänge für Industriearchäologie (B.Sc.) und Industriekultur (M.Sc.) angeboten. Die Studierenden erhalten hierin einen authentischen Einblick in 800 Jahre Bergbaugeschichte.“

Das Forschungs- und Lehrbergwerk wird ebenfalls intensiv touristisch genutzt. Für die Landesausstellung zur Industriekultur 2020 wird das Bergwerk als „Schauplatz Erz“ zurzeit aufwendig modernisiert. Bei einer Forschertour werden die Besucher Einblicke in die aktuellen Themen und Zukunftstechnologien der Freiberger Wissenschaftler erhalten. 

Außerdem ist die Schachtanlage Reiche Zeche als zentraler Zugang zum „Rothschönberger Stollen“ ein wichtiger Teil des Hochwasserschutzes in der Region. Die unterirdischen Grubenwässer werden zudem als geothermische Energiequellen für mehrere großtechnische Anlagen, wie etwa das Freiberger Kreiskrankenhaus genutzt, dass auch durch das Bergwerk mit Frischluft versorgt wird.

Bei dem Festakt werden der sächsische Umweltminister Thomas Schmidt, Dr. Ronald Werner, Abteilungsleiter des sächsischen Wissenschaftsministeriums, Oberberghauptmann Prof. Dr. Bernhard Cramer und der Freiberger Oberbürgermeister Sven Krüger Grußworte halten. Den Festvortrag hält Prof. Dr. Helmut Mischo, Wissenschaftlicher Direktor des Forschungs- und Lehrbergwerks der TU Bergakademie. Zudem wird der Jubiläumsband “Entdecker unter Tage – 100 Jahre Forschungs- und Lehrbergwerk“ präsentiert, in dem das Bergwerk, seine Geschichte und verschiedene Ausbildungs- und Forschungsprojekte anschaulich in Reportagen und Fotos dargestellt werden.

Weitere Informationen: https://tu-freiberg.de/lfbw20

Ansprechpartner: 
Prof. Dr. Helmut Mischo, Telefon 03731 / 39-2044
Publikum
Umweltminister Thomas Schmidt
Cramer