EU-Projekt ProMine: Workshop zur dreidimensionalen Abbildung von Lagerstätten

Teilnehmer aus ganz Europa haben sich vom 12. bis 14. Oktober in einem Seminar am Institut für Geophysik und Geoinformatik mit einer geowissenschaftlichen Datenbank vertraut gemacht, die Lagerstätten und Regionen mit Mineralvorkommen dreidimensional abbilden kann. Der Workshop ist Teil des EU-Projekts ProMine (Nano-particle products from new mineral resources in Europe), mit dessen Hilfe Innovationen im Bergbau vorangetrieben werden.
In der Woche vom 10. bis 14. Oktober 2011 trafen sich Experten der Lagerstättenlehre und Geoinformatik in Freiberg, um über weitere Entwicklungen im EU-Projekt ProMine zu debattieren. In einem Workshop präsentierten die Teilnehmer ihre Methoden und diskutierten verschiedene Lagerstätten-Modelle. Sie erlernten den Umgang mit der an der Professur für Geomathematik und Geoinformatik entwickelten Datenbank GST, die vielfältige geowissenschaftliche Daten und dreidimensionale Modelle von Lagerstätten und ganzen Regionen mit ihren geographischen Koordinaten und den geologischen Formationen abbilden kann.

Regionale Schwerpunkte waren unter anderem der Kupferschiefergürtel des Vor-Sudetischen Beckens, Buntmetalle in Skandinavien und auf der Iberischen Halbinsel sowie Griechenlands Goldvorkommen.

Der wissenschaftliche Koordinator des Projekts, Prof. Gabriel Gaal aus Finnland, war in Freiberg zu Gast, um seine Erfahrungen in der Lagerstättenexploration und der europäischen Rohstoffpolitik weiterzugeben. „Der Bergbau hat besonders in den letzten Jahren ein schlechtes Image gehabt, unter anderem wegen der Umweltschäden der Bergbauindustrie. Daran wollen wir in den nächsten Jahren arbeiten“, sagt Gaal in Freiberg. Die EU plane, den Sektor zu modernisieren. „Die Bergwerksindustrie war daran gewöhnt, Metalle zu erzeugen und zu verkaufen, die EU will nun verbraucher- und umweltschutzorientierten Bergbau fördern.“ Die Nachhaltigkeit sei ein wichtiger Aspekt zukünftiger Vorhaben im Bergbau. Gabriel Gaal berät EU-Projekte im Rohstoffbereich. Eines davon ist ProMine.

Das Projekt ProMine läuft über vier Jahre und wird mit insgesamt 17 Millionen Euro gefördert, neun Millionen Euro stammen von der EU. 27 Partner aus sieben Ländern, darunter Bergbau-Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Geologische Dienste, sind in dem Projekt versammelt. „ProMine ist ein Projekt der Europäischen Union, dessen Ziel es unter anderem ist, mathematische Modelle von mineralisierten Zonen zu entwerfen, die geeignet sind, die Rohstoffvorkommen zu begreifen. Wir wollen in dem Projekt also unter anderem die Frage klären, wie Lagerstätten entstanden sind und welche Stoffe in welchen Mengen sie enthalten, um so die Abbauwürdigkeit bewerten zu können“, erklärt Prof. Helmut Schaeben. Der Freiberger Professor für Geomathematik und Geoinformatik ist mit seiner Wissenschaftlergruppe an ProMine beteiligt. Sie arbeiten auch an einem Projekt zur grenzüberschreitenden Modellierung von Lagerstätten. „Mit dem EU-Projekt haben wir die Möglichkeit, ein Modell in geowissenschaftlich sinnvollen Grenzen und nicht eingeschränkt durch politische Grenzen zu erstellen“, so Schaeben.

Prof. Schaeben: „Der enorme Vorteil des Projekts ist, dass wir bei unserer Forschung, sei es Datenbank-Entwicklung oder Geo-Modellierung, die Rückkoppelung mit den Projektpartnern haben und so anwendungsorientierte Grundlagenforschung par excellence betreiben können.“

„Innerhalb der EU hat das Thema Rohstoffe enorm an Bedeutung gewonnen, das spiegelt sich unter anderem in der EU-Rohstoffinitiative und in vielen Forschungsprogrammen wieder, die den Rohstoffsektor stärken und Wissenschaft in diesem Bereich fördern sollen“, erzählt Gaal. Bereits im Dezember würde sich eine Innovationsgruppe zur Rohstoffforschung in Brüssel treffen, so Gaal.

Der Rohstoffmarkt in der EU habe einen Wert von zehn Milliarden Euro. „Europa darf nicht abhängig von Rohstofflieferungen aus anderen Ländern werden, deshalb müssen wir alles daran setzen, beispielsweise auch in Naturschutzgebieten Bergbau mit schonenden Methoden und neuen Technologien zu ermöglichen. Wenn man es richtig macht, gibt es keine Komplikationen, der Bergbau hat sein Image als `schlimmer Bursche´ nicht verdient“, so Gaal.

„Ein wichtiger Aspekt der Innovationen im Bergbau ist die Geometallurgie: Ihr liegt der Gedanke zugrunde, nicht nur neue Lagerstätten zu erkunden, sondern nach Erzen für ein bestimmtes Produkt, und sei es nur in den jeweils benötigten kleinen Mengen, zu suchen. Die Idee ist also, bei der Beurteilung von Lagerstätten schon das Produkt und seinen Lebenszyklus im Auge zu haben.“

„Man hört oft, dass Deutschlands Rohstoffe alle erschlossen und Lagerstätten aufgebraucht sind, dem ist nicht so“, sagt Gaal. „Vielleicht haben wir mehr Rohstoffe, als wir gedacht haben!“ Bisher seien die ersten 500 Meter in die Tiefe abgebaut, es gebe aber noch Reserven in Tiefen, wo die bisherigen Technologien noch nicht ausgereift genug sind, um die Vorkommen zu bergen.“

Unsere Modelle zeigen auf der Grundlage von tiefenphysikalischen Methoden, u.a. von seismischen, elektromagnetischen und magnetotellurischen Untersuchungen, die Struktur der Erde in großen Tiefen. Die holistische Herangehensweise, also die Nutzung kleiner Mengen beim Abbau, einerseits und neue Technologien des Abbaus andererseits mit einem sytematischen Management des Produktlebenszyklus unter Beachtung der Nachhaltigkeit verändern die Rohstoffpolitik in Europa. „Bestes Beispiel dafür ist, dass es von Seiten der EU als auch in Deutschland inzwischen eine Rohstoffstrategie gibt, weil man die Relevanz des Themas erkannt hat“, so Gaal.

Illustration: Störungsmodellierung in einem Teil des Modellierungsgebietes des deutsch-polnischen Kupferschiefers.
Ansprechpartner: 
Prof. Schaeben