„Eine Ersatzfamilie sein“: Studentengemeinde bekommt neuen evangelischen Seelsorger

Justus Geilhufe
Seit März ist der evangelische Pfarrer Justus Geilhufe der neue Seelsorger für die Studierenden innerhalb der Evangelischen und Katholischen Studentengemeinde (EKSG). Gemeinsam mit seinem Kollegen Dominikus Goth (katholisch) ist der 30-jährige Ansprechpartner für die Universität.

Justus Geilhufe, Sie starten ihre Tätigkeit in einer weltweiten Pandemie. Viele Studierende empfinden die derzeitige Situation als sehr belastend. Was kann die EKSG in der aktuellen Zeit für die Studierenden tun?

Justus Geilhufe, Dompfarrer in Freiberg und evangelischer Studentenseelsorger: Gerade wer neu nach Freiberg gezogen ist oder Freunde und Familie im Ausland derzeit nicht sehen kann, sehnt sich nach einem Ansprechpartner für Fragen und Ängste, die unter anderem die Pandemie mit sich bringt. Ich freue mich, dass ich jetzt vor Ort sein kann – wer also Sorgen hat oder einen theologischen oder geistlichen Gesprächspartner sucht, kann mich oder meinen katholischen Kollegen Dominikus Goth gerne und jederzeit ansprechen.

Martin Schnabel, Mitglied in der EKSG: Wir haben unsere Angebote auf virtuelle Formate umgestellt und veranstalten derzeit beispielsweise Online-Diskussionen und -Spieleabende. Bald können wir hoffentlich auch wieder Zusammentreffen unter freiem Himmel organisieren. Mit unseren Inputs möchten wir all denjenigen, die es wünschen, einen Raum geben, um in Freiberg anzukommen. Wir wollen Impulse über die Inhalte des Studiums hinaus ermöglichen und eine Art Ersatzfamilie, eine Heimat auf Zeit sein.

Marieke Zickner, Sprecherin in der EKSG: Unter normalen Umständen organisieren wir offene thematische Abende mit Vorträgen externer RednerInnen, zeigen Filme oder treffen uns in ungezwungener Runde zum Kochen oder Wandern. Außerdem organisieren wir ökumenische Bibelabende und Semesterandachten und tragen einmal im Jahr zum großen Universitäts-Gottesdienst bei. Wir sind immer offen für Ideen und freuen uns, wenn sich interessierte mit Wünschen oder Anregungen infoateksg-freiberg [dot] de (direkt an uns wenden).

Wie können sich interessierte Studierende noch beteiligen?

Martin Schnabel ESKG: Ganz aktuell haben wir ein gemeinsames Projekt mit dem Landkreis Mittelsachsen gestartet. Für die anstehenden Corona-Impfungen möchten wir Studierende als Lotsen für die Impfvergabe mit Menschen zusammenbringen, die Hilfe bei der Suche nach einem Impftermin benötigen. Für Digital Natives ist die Registrierung eine Sache weniger Minuten, aber gerade für ältere Menschen eine große Hürde.

Justus Geilhufe: Ich möchte Studierende außerdem für ein weiteres Format gewinnen: den sogenannten stillen Tagen. Das Pfarrhaus der Domgemeinde in Großschirma soll in den kommenden Monaten zu einem Ort werden, an dem Interessierte einkehren und zur Ruhe kommen können. Und ein Ort, an dem jemand da ist, der neue Perspektiven aufzeigen kann. Das Studium ist eine Zeit, die Menschen sehr stark prägt. In spezialisierten technischen Berufen übernehmen die Absolventinnen und Absolventen dieser Universität eine enorme Verantwortung für die Lösung globaler Herausforderungen. Wir wollen beispielsweise zeigen, welche Auswirkungen wirtschaftliches Handeln haben kann oder was wir aus der Ethik zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen lernen können.

Wissenschaft und Glauben – ein Widerspruch?

Marieke Zickner ESKG: Das Engagement neben dem Studium ist für die meisten der in ESKG aktiven Studierenden kein Widerspruch. Wenn man sich „hauptberuflich“ naturwissenschaftlich technischen Inhalten und Methoden widmet, ist die Diskussion über gesellschaftliche und ethische Fragestellungen ein guter Ausgleich. Wer an vielseitigen Themen interessiert ist und erfahren will, wie er oder sie Erkenntnisse und Talente auf sinnvolle Weise einsetzen kann, ist herzlich willkommen – egal aus welchem Studienfach.

Justus Geilhufe: Nun, nicht nur die Naturwissenschaft, sondern auch die Theologie und Philosophie suchen nach logischen Erklärungen, nach der Wahrheit. Oder, um es mit Hegel zu sagen, „das Wahre ist das Ganze“. Nur wenn ich das Absolute in den Blick nehme, das Wahre, das Schöne und Gute an sich, erst dann kann ich wirklich denken. Wissenschaftlich zu arbeiten und gläubig zu sein ist also kein Widerspruch; Menschen brauchen vielmehr die Idee der Unendlichkeit, um Gedankengänge kohärent zu Ende zu denken. Auch mit solchen Fragen möchten wir uns gemeinsam mit den Studierenden beschäftigen!

Weitere Informationen

Ansprechpartner: 
Justus Geilhufe, Justus.Geilhufe@evlks.de; EKSG, info@eksg-freiberg.de