„Drei Fragen an“ – TU Freiberg startet neue Interviewreihe

Rektor Prof. Dr. Klaus-Dieter Barbknecht.
Jeden Monat stellen wir Professoren und Professorinnen der Technischen Universität Bergakademie Freiberg brennende Zukunftsfragen. Erster Interviewpartner des neuen Formats „Drei Fragen an“ ist Rektor Prof. Dr. Klaus-Dieter Barbknecht.

1. Am 15. Oktober werden an der TU Bergakademie Freiberg die neuen Studierenden begrüßt. In den letzten Jahren ist die Studierendenzahl in Freiberg gesunken. Welche Gründe sehen Sie für die Entwicklung und wie sehen die aktuellen Studierendenzahlen aus?

Die Zeit der großen Jahrgänge, bedingt  durch den Wegfall der Wehrpflicht, die Verkürzung der Gymnasialzeit bis zum Abitur sowie geburtenstarke Schuljahrgänge, legt in Sachsen eine Pause ein. Damit sind insgesamt weniger Studierende zu erwarten. Zeitgleich sind MINT Studiengänge bei deutschen Studierenden nicht mehr so stark frequentiert wie früher. Als eine der am stärksten MINT orientierten Universitäten spürt die Technische Universität Bergakademie Freiberg diesen Trend natürlich auch stärker als andere Universitäten in der Gesamtzahl ihrer Studierenden.

Als eine der weltweit führenden Universitäten im Bereich der Ressourcengewinnung, -verarbeitung und -veredelung beschäftigen wir uns in unseren Profillinien Geo, Material/Werkstoffe, Energie und Umwelt auf Exzellenzniveau in der Forschung und Lehre aber vor allem mit den Herausforderungen der Zukunft. Ohne Rohstoffe, Materialien und Werkstoffe sowie fehlende umweltschonende Recyclingverfahren können weder die Energiewende, noch die Klimaziele Deutschlands oder gar die Ziele von gesellschaftlichen Gruppen wie „Fridays for Future“ verwirklicht werden.

Als die internationale Ressourcenuniversität sichern wir all diese Zukunftsprojekte und ermöglichen unseren Studierenden, durch ein Studium an unserer Universität dazu beizutragen, die Zukunft zu gestalten. Dieses Interesse müssen wir bei den deutschen Abiturienten stärker wecken.

2. Großes Interesse an einem Studium an der TU Bergakademie Freiberg besteht aber aus dem Ausland. Für diese Internationalisierung hat die Universität in den letzten Jahren einiges getan. Momentan hört man in den Medien jedoch viel Negatives zum Umgang mit ausländischen Mitbürgern. Was sagen Sie dazu und wie engagieren sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Universität?

Das Interesse für ein Studium an der TU Bergakademie Freiberg ist international sehr groß. Unsere Bewerberzahl hat sich fast verdoppelt. Insbesondere aus den aufstrebenden Industrienationen und Ressourcenländern bewerben sich sehr viele Menschen, die in Freiberg studieren möchten.

Die Universität begrüßt diese Entwicklung, denn wir tragen damit zu einem positiven Bild von Deutschland und Sachsen bei, was für uns als Exportnation essentiell ist. Zudem bilden wir junge Menschen aus, die später zu Entscheidungsträger in ihren Ländern werden, aus denen wir zukünftig unsere Ressourcen für die Technik des 21. Jahrhunderts importieren.

Die Mitglieder der Universität sind gegenüber ausländischen Studierenden und Bürgern offen und schaffen jeden Tag eine weltoffene und angstfreie Atmosphäre an unserer Universität und in der Stadt Freiberg. Ich freue mich auch darüber, dass viele Bürger der Stadt dabei Gesicht zeigen. Ein besonderes Beispiel ist der jüngst erschienene Beitrag „Das sind wir" der Gruppe „Freiberg für alle“, die sich dafür einsetzen, die Vielfalt der Stadt und der Region sichtbar zu machen.

Die Universität und Freiberg als lebens- und liebenswert, mitmenschlich und warmherzig zu gestalten ist ein Anliegen vieler Gruppen, Organisationen und einzelner Menschen. Das zeichnet diese Region aus und trägt entscheidend dazu bei, dass sich unsere ausländischen Studierenden und Mitarbeiter bei uns wohlfühlen. Wir sind Welterbe – auch in der Tradition der Weltoffenheit!

3. Mit Blick auf die „Fridays for Future“- Bewegung gibt es gerade bei der jüngeren Generation ein starkes Umdenken im Bereich Klima, Umwelt und Ressourcen. Wie sehen Sie die Bewegung? Und welchen Beitrag kann hier speziell die TU Bergakademie Freiberg leisten?

Wenn Menschen und vor allem junge Menschen sich über die Herausforderungen der Zukunft und die Lebensverhältnisse auf der Erde Gedanken machen, so ist das eine gute Sache.

Wir machen das schon seit sehr langer Zeit auf wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Basis und entwickeln im Rahmen unserer Profillinien Konzepte für eine bessere Zukunft. Wir wissen, dass eine gesunde Umwelt die entscheidende Voraussetzung für das Leben auf der Erde ist und forschen deshalb für weniger Abfall, für moderne umweltschonende Verfahren zur Ressourcengewinnung und Verarbeitung sowie für Materialien und Werkstoffen der Zukunft.

Wir wollen auch den zukünftigen Generationen einen gesicherten Wohlstand in einer gesunden Umwelt ermöglichen und bilden Wirtschafts-, Natur- und Ingenieurwissenschaftler mit Weitblick und Gewissen aus.

Die Anhänger/innen und Mitglieder/innen von „Fridays for Future“ sowie interessierte Jugendliche laden wir zum University Day am 28. November 2019 an unsere Universität ein. Dort haben sie die Möglichkeit kennenzulernen, wie sie nach einem Studium an der TU Bergakademie Freiberg die Zukunft positiv gestalten können.