Die Beschaffenheit des Grundwassers

Prof. Traugott Scheytt
Im Sommer 2018 wechselte Hydrogeologe Prof. Traugott Scheytt von der TU Berlin an die TU Bergakademie Freiberg und übernahm die Professur für Hydrogeologie und Hydrochemie.

Nicht nur im hydrogeologischen Testfeld an der Gustav-Zeuner-Straße untersucht der 57-jährige, wohin unser Grundwasser unterhalb der Erdoberfläche strömt und wie sich die Zusammensetzung aufgrund von Umwelteinflüssen verändert. Auch im Labor und im Feld trifft man den Hydrogeologen an: „Die Erdkruste ist auf verschiedenen Ebenen gefüllt mit Wasser; in Tiefen von weniger als einem bis mehreren Tausend Metern sprechen wir vom Grundwasser. Diese Wasserströme kann man nur durch die Entnahme und Analyse von Proben untersuchen, die Aufschluss über die Inhaltsstoffe des Wassers geben – wie zum Beispiel den Sauerstoff-, Phosphat- oder Nitratgehalt“, erklärt Prof. Traugott Scheytt. Aus den Daten zieht der Hydrogeologe Rückschlüsse über die Qualität und Herkunft des Wassers, aber auch mögliche Belastungen. „Ändert sich nun beispielsweise die Temperatur der Umgebung, hat dies Auswirkungen auf die hydrochemischen Reaktionen in einem Gewässer – genau diese Zusammenhänge interessieren uns.“

Prof. Traugott Scheytt und sein Team untersuchen zudem neue umweltfreundliche Methoden, mit denen das Grundwasser vor einem Eintrag von unerwünschten Rückständen durch Medikamente, Düngemittel oder Mikroplastik geschützt wird. „Die Erforschung natürlicher Prozesse zum Abbau organischer Schadstoffe, zum Rückhalt von Nährstoffen oder zur Filtration von Partikeln sind entscheidend, um das Wasser nachhaltig zu schützen“, begründet der Geologe.

„Das Gesamtsystem Grundwasser verstehen“

Besonders interessieren Prof. Traugott Scheytt die Wechselwirkungen zwischen Grund- und Oberflächenwasser. Aktuell untersucht das Freiberger Team an der Talsperre Lohsa die Auswirkungen der heißen und trockenen Sommer auf die Neubildung von Grundwasser. „Aus den Seen und Flüssen in Sachsen fließt immer mehr Wasser ab, aber viel zu wenig strömt aus den Grundwasserspeichern hinzu, da die Grundwasserspiegel in den vergangenen Jahren gesunken sind“, so der Hydrogeologe. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Wasserpegel des Oberflächenwassers, sondern auch auf die Wasserzusammensetzung. „Das Problem ist, dass bestimmte Stoffe, wie Nitrate, schneller einsickern und dem Grundwasser Sauerstoff entziehen. Der sauerstoffarme Zustrom wiederum beeinflusst die Wasserqualität in Seen und Flüssen nachhaltig“. Im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts robotergestütztes Monitoring-System für Binnenwässer (RoBiMo), das an der Universität entwickelt wird, misst der Hydrogeologe nun die chemische Zusammensetzung des Wassers und erhofft sich davon weitere Erkenntnisse zum Zusammenspiel der Wasserströme in verschiedenen Tiefen des Bodens.

Gefragte Absolventen in Industrie und Forschung

Studierende der Geowissenschaften lernen in den Vorlesungen, Seminaren und Labor-Praktika bei Prof. Traugott Scheytt die Grundlagen der Beschreibung und Analyse von Grundwasserströmen. Aber auch aktuelle Ansätze aus der Forschung bezieht der Wasser-Experte mit in die Lehre ein: „Als wissenschaftliche Hilfskraft oder im Rahmen einer Abschlussarbeit gehen Studierende mit uns ins Feld und arbeiten mit modernen Mess- und Analysemethoden.“ Kooperationen mit Behörden und Ingenieurbüros in der Region ermöglichen es Studierenden außerdem, Berufspraxis zu schnuppern und Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen. „Unsere Absolventen sind gefragte Fachkräfte, sowohl in der Region als auch weltweit“, freut sich Prof. Traugott Scheytt.