Botschafterin für Freiberg: Prof. Margit Enke über Marketing an der Schnittstelle von Uni und Region

Professorin Margit Enke
Seit 1996 forschte und lehrte die Professorin mit der roten Kurzhaarfrisur an der TU Bergakademie Freiberg und ist eine leidenschaftliche Botschafterin für die Universität. Im Interview blickt sie auf Ihre Zeit an der Universität zurück.

Als Sie nach Freiberg berufen wurden, waren Sie die zweite ordentliche Professorin seit der Gründung der Universität. Viele Jahre engagierten Sie sich als Gleichstellungsbeauftragte der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Sehen Sie sich als weibliches Vorbild?

Obwohl ich diese Rolle nie bewusst ausgefüllt habe, hat wahrscheinlich jede Professorin eine Vorbildfunktion für junge Frauen. In verschiedenen Situationen wurde mir das besonders klar, zumeist wenn ich auf Konferenzen im Ausland war. Ich kann mich noch gut an einen Vortrag in Chile erinnern: Danach sprachen mich mehrere Nachwuchswissenschaftlerinnen und auch Studentinnen auf meinen Weg in die Wissenschaft an. Übrigens bestand das Team der Professur in den vergangenen Jahren nur aus sehr talentierten und engagierten Frauen – und darauf bin ich durchaus stolz!

Einer Ihrer besonderen Forschungsschwerpunkte ist das Commodity Marketing – in diesem Jahr erscheint die vierte Auflage Ihres Herausgeberbandes „Commodity Marketing“. Was versteht man darunter?

Unter Commodity Marketing verstehen wir die Vermarktung von Produkten und Leistungen, die von Konsumenten als austauschbar wahrgenommen werden. Ein gutes Beispiel sind Fernsehgeräte – wer kauft heute noch ein Gerät nach der Marke? Man orientiert sich zuerst am Preis! Das ist ein typisches Merkmal für Commodities. Für Unternehmen stellt sich nun die Frage: Wie kommen wir aus der Commodity Falle raus, um dem Wettbewerb erfolgreich begegnen zu können? Kaffee ist auch ein sehr gutes Beispiel. Hier hat es Nespresso geschafft, durch eine kluge Marketingstrategie der Commodity Falle zu entkommen.

Als Marketing-Expertin übernahmen Sie Studien für das Uni- und Studierendenmarketing, für die Stadt Freiberg sowie für zahlreiche kommunale und private Unternehmen. Welches sind aus Ihrer Sicht die Stärken der Akteure in der Region?

Als kleine Stadt mit rund 40.000 Einwohnern, davon zirka 4.000 Studierende an der TU Bergakademie Freiberg, und weiteren renommierten Forschungseinrichtungen, hat Freiberg ein großes Potenzial für eine enge Zusammenarbeit zwischen der Universität, der Stadt und ihrer Bevölkerung. So viele Kompetenzen und so viele junge Talente an einem Ort – diese besondere Stärke könnte allerdings aus meiner Sicht noch besser genutzt und kommuniziert werden. Das hilft sicherlich auch der Studienwerbung. Über gezielte Praxisprojekte regionale Akteure gezielt erfolgreich zu vernetzen, war mir immer ein wichtiges Anliegen. Denn nur gemeinsam können wir für einen starken Wissens- und Studienstandort Freiberg eintreten!

Universität, Stadt und Gesellschaft zusammenbringen – eine Lebensaufgabe?

Ich fühle mich der Region sehr verbunden und es macht mir Freude, etwas zurückzugeben. Meine Wohnung in Freiberg werde ich, neben meinem Erstwohnsitz in meiner Heimatstadt Leipzig, weiter behalten. Ich freue mich, wenn ich mein Wissen rund um die Vermarktung von Produkten und Leistungen weitergeben kann und werde leidenschaftlich gerne weiter als Botschafterin für die TU Bergakademie und die Stadt Freiberg auftreten.

Welche Rolle spielte praxisbezogenes Lernen bezüglich Ihrer Projekte und Studien in den Lehrveranstaltungen?

Rund 60 Fallstudien im sogenannten „Projektstudium Marketing“ (Bachelor) und „Applied Marketing Science“ (Master) habe ich zusammen mit den Studierenden und Unternehmen durchgeführt. Die Projekte hatten eines gemeinsam: Die direkte Anwendung der in der Lehre vermittelten marketingwissenschaftlichen Inhalte auf reale Problemstellungen der unternehmerischen Praxis. Ob es dabei um das Design eines Fragebogens, die Entwicklung eines Leitbildes oder die Formulierung von Kommunikationsinhalten ging – durch die Kooperationen mit Praxispartnern ist es gelungen, den Studierenden zu zeigen, wie sie ihr Wissen gekonnt einsetzen können. Im Umgang mit Projektpartnern treten Hindernisse und Herausforderungen auf, die in keinem Lehrbuch stehen. Die Studierenden bewiesen jederzeit Kreativität und mutige Ideen.

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Lehrende?

Viele verschiedene junge Menschen kennenzulernen und deren Entwicklung zu begleiten. Ich war immer offen für die Anliegen der Studierenden und gerade mir als Marketingexpertin war es wichtig, studierendenfreundlich und serviceorientiert zu agieren.

Mit welchen drei Schlagworten würden Sie Ihr Arbeitsleben an der Universität beschreiben?

Lehre, lebendiges Wissen, internationaler Austausch.

Haben Sie einen Rat an den wissenschaftlichen Nachwuchs?

Wer in der Wissenschaft erfolgreich sein möchte, sollte für sein Thema brennen, sich für die Tätigkeit berufen fühlen. Folgen Sie Ihrer Leidenschaft!

Sie sind zum 1. April offiziell aus dem Dienst als Professorin ausgeschieden. Wie bleiben Sie der Universität erhalten?

Ich hoffe, ich kann die TU Bergakademie Freiberg noch lange dabei unterstützen, ihr positives Image und ihren guten Ruf in die Welt zu tragen. Zum Beispiel als Vertreterin in Kommissionen und Verbänden, aber auch in alltäglichen Gesprächen auf der Straße und mit jungen Menschen. Wir sollten über die Vorzüge der kleinen Universität im Herzen von Sachsen laut reden – kurz, ich werde weiterhin aktive Botschafterin sein!