Biotechnologische Verfahren zur Herstellung von Feinchemikalien aus nachwachsenden Rohstoffen

Kolonien von Styrol-abbauenden Bakterien und Mikroskopaufnahme
Freiberger Mikrobiologe Dr. Michel Oelschlägel entwickelt biotechnologische Verfahren zur Herstellung von Feinchemikalien aus nachwachsenden Rohstoffen. Industrie bekundet Interesse.

Dr. Michel Oelschlägel aus der Arbeitsgruppe Mikrobiologie an der TU Bergakademie Freiberg befasste sich in seiner Dissertation mit der biotechnologischen Herstellung von Feinchemikalien. Für seine hervorragende Arbeit erhält er heute 11. November) in Chemnitz den mit 3.000 Euro dotierten Preis für Nachwuchswissenschaftler des Dresdner Gesprächskreises der Wirtschaft und der Wissenschaft e.V. 

Dr. Michel Oelschlägel am Fermenter. Dort erfolgt die Anzucht der Bakterien und die Biotransformationen © TU Bergakademie Freiberg"Im Vergleich zu bisher angewandten Verfahren bringen diese Verfahren deutliche Vorteile hinsichtlich der Ressourceneffizienz mit sich. Auch industrielle Nutzer interessieren sich bereits für die Ergebnisse", so der Ausgezeichnete. In seiner Doktorarbeit hat sich Dr. Michel Oelschlägel mit sogenannten Styrol-abbauenden Bakterien und mit deren Fähigkeit zum Styrolabbau beschäftigt: "Dabei sind sehr interessante Proteine, sogenannte Enzyme, beteiligt, welche besondere biochemische Reaktionen durchführen können". Insbesondere ein Enzym geriet dabei in den Fokus des Freiberger Forschers – die sogenannte Styroloxid-Isomerase. "Dieses Enzym erlaubt die hocheffiziente Gewinnung von hochreinen Phenylacetaldehyden aus vergleichsweise günstigen Styroloxiden," so Oelschlägel. Die erhaltenen Produkte stellen wichtige Wertstoffe der Kosmetikindustrie, der Lebensmittelindustrie und der pharmazeutischen Industrie dar. Weiterhin hat Dr. Michel Oelschlägel dieses Enzym mit anderen Enzymen des Styrolabbaus gekoppelt eingesetzt, um die Palette an möglichen Produkten und Substraten noch zu erweitern. "Mit den entwickelten Verfahren wurde die Grundlage geschaffen, wichtige Feinchemikalien für verschiedene Industriezweige aus billigen Ausgangsstoffen für die Kunststoffindustrie zu gewinnen," so Oelschlägel. Der Freiberger Wissenschaftler arbeitet auch weiterhin an diesem Thema, mittlerweile als Projektverantwortlicher einer Forschungsgruppe. "Wir wollen unsere Zielchemikalien aus nachwachsenden Naturstoffen gewinnen", erklärt Oelschlägel. "Dafür sollen die Styrol-abbauenden Bakterien genetisch verändert oder aber Gene aus diesen Organismen in neue Bakterien eingebracht werden", fügt Oelschlägel dazu. Die Abhängigkeit von petrochemischen und damit endlichen Ressourcen soll entfallen. 

Herr Dr. Oelschlägel hat bereits Namen von sich und seiner Arbeitsgruppe gemacht, als er im Jahr 2015 die durch ihn entdeckte Bakterienart nach der Universitätsstadt Freiberg benannte: Sphingopyxis fribergensis Kp5.2. Es handelt sich dabei um die erste Bakterienart, welche in Freiberg entdeckt worden ist, vgl. http://tu-freiberg.de/presse/neue-bakterienart-in-freiberg-entdeckt. Auch dieser Stamm spielt in aktuellen Forschungen der TU Freiberg nach wie vor eine wichtige Rolle. 

Die Preisverleihung an die insgesamt drei Nachwuchswissenschaftler findet am 11. November in Chemnitz statt. Jährlich würdigt der Dresdner Gesprächskreis der Wirtschaft und der Wissenschaft e.V. herausragende Forschungsarbeiten zum jeweiligen Jahresthema – diesmal der „Ressourceneffizienz“. Der Dresdner Gesprächskreis der Wirtschaft und der Wissenschaft e.V. umfasst fast 50 Unternehmen, Hochschulen und Institutionen sowie rund 40 Einzelpersönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur. Partner des Dresdner Gesprächskreises sind die Technischen Universitäten Chemnitz, Dresden und Freiberg. 

Ansprechpartner: 
Dr. Michel Oelschlägel, Tel. -4015