Auslandssemester in Russland: „Diese Erfahrung kann ich jedem Studenten sehr ans Herz legen“

Sylvi Tröger an der St. Petersburg Mining University © Prof. Gerhard Heide
Sylvi Tröger studiert Geowissenschaften an der TU Bergakademie in Freiberg. Nach einem ersten Studienaufenthalt in Russland entscheidet sie sich im Februar 2015 für ein Auslandssemester an der Gorny Universität in St. Petersburg. In diesem Interview erzählt sie von ihrer Zeit an der Universität.

Sylvi, du bist die erste Geologie-Studentin aus Freiberg, die an der Gorny Universität studiert hat. Wie bist du auf die Idee dazu gekommen?

Ich wollte mein Studium der Geowissenschaften an der TU Freiberg sehr gern um ein Auslandssemester ergänzen, da ich dies als sehr wichtige persönliche Erfahrung und Bereicherung für den wissenschaftlichen Werdegang erachte. Seit einigen Jahren lerne ich Russisch, aber um ein sehr hohes Sprachniveau und eine mühelose Verständigung zu erreichen, wollte ich unbedingt einen längeren Aufenthalt in Russland absolvieren. Daher lag der Gedanke nahe, das Auslandssemester mit dem Erlernen der Fremdsprache zu verbinden. Sankt Petersburg besitzt zudem eine sehr renommierte Universität für Mineralogie, Geologie und Bergbau, die gute Kontakte zur TU Bergakademie Freiberg pflegt.

Wie hast du von der „Gorny“ Universität erfahren?

Im September 2014 war ich Teilnehmerin einer Exkursion, die von Professor Heide vom Institut für Mineralogie der TU Freiberg und Professor Talovina vom Lehrstuhl für Historische und Dynamische Geologie der Gorny Universität St. Petersburg gemeinsam organisiert wurde. Während der Exkursion führten wir Recherchen zu Lagerstätten im Uralgebirge und ihrer Geologie durch, konnten in einem aktiven Tagebau den Erzabbau beobachten und durften einen Blick in eine Erzaufbereitungsanlage und in einen stillgelegten Tagebau werfen. Die Exkursion war für mich ein einmaliges Erlebnis und ich konnte hierbei bereits Kontakte zur Gorny Universität knüpfen.

Welche Vorbereitungen hast du für das Auslandssemester getroffen?

Zuerst muss man natürlich organisatorische Fragen, wie zum Beispiel die Finanzierung, die Versicherung oder die Unterkunft klären. Dabei haben mir sowohl Prof. Talovina als auch Dr. Kotova vom Lehrstuhl für Mineralogie und Petrographie, die meinen Aufenthalt mit begleitet und betreut hat, sehr geholfen. Weiterhin habe ich mich mit Freiberger Studenten, die früher bereits an der Gorny Universität studiert haben, ausgetauscht und mit russischen Studenten meine Sprachkenntnisse vertieft.

Wie sah dein Alltag an der Petersburger Universität aus?

Ich wohnte in einem neu erbauten und sehr modern eingerichteten Wohnheim auf der Wassili-Insel, der größten Insel St. Petersburgs, auf der sich auch die Gebäude der Gorny Universität befinden. Gemeinsam mit den russischen Studenten besuchte ich Vorlesungen und Übungen in russischer Sprache. Am Anfang war es zwar etwas schwer, in einer anderen Sprache zu studieren, aber ich habe von Woche zu Woche gemerkt, wie sich das Sprachverständnis verbessert hat und wie auch das eigene Sprechen immer flüssiger wurde. Die fürsorgliche Betreuung durch Prof. Irina Talovina, Prof. Regina Daschko und Dr. Elena Kotova, aber auch die Unterstützung von meinen russischen Kommilitonen, die mir zuteilwurde, ist beispielhaft für die russische Mentalität und Gastfreundschaft.

Was war das Besondere an St. Petersburg?

St. Petersburg ist mit fünf Millionen Einwohnern die nördlichste Millionenstadt der Welt. Trotz dieser Größe habe ich mich sehr schnell heimisch gefühlt. Was mich besonders nachhaltig beeindruckt hat, sind die stets hilfsbereiten und großzügigen Menschen, die in St. Petersburg leben. Mir gefiel auch das Flair, das von den vielen historischen Gebäuden und Monumenten ausgeht. Ein gutes Beispiel für die moderne Architektur der Stadt ist der neu errichtete Multifunktionskomplex der Gorny Universität. Es gibt zudem in St. Petersburg eine Vielzahl Museen, die alles zu russischer Geschichte, Traditionen des Landes und Volkskunst bieten. Allein die Eremitage hält Ausstellungsmaterial für etliche Besuche bereit. Natürlich gibt es in St. Petersburg auch ein buntes Nachtleben.

Würdest du anderen Studenten ein Auslandsstudium an der Gorny Universität in St. Petersburg weiterempfehlen?

Ja, diese Erfahrung kann ich jedem Studenten sehr ans Herz legen. Die Lehre an der Universität macht ihrem Ruf alle Ehre und so durfte ich nach einem halben Jahr neben den erworbenen Sprachkenntnissen auch einen unheimlichen Zuwachs an Fachwissen mit nach Hause nehmen. Mit dem geplanten Austauschprogramm zwischen der Gorny Universität und der TU Bergakademie Freiberg wird es künftig einer größeren Zahl von Studenten aus Freiberg möglich sein, nach St. Petersburg zu kommen und St. Petersburger Studenten werden im Gegenzug an der Bergakademie studieren können. Das ist eine große Chance für alle!

Prof. Gerhard Heide bespricht mit Frau Sylvi Tröger (re) seiner   Kollegin Prof. Irina Talovina (li) von der Partneruniversität St.   Petersburg Mining University die geplanten Untersuchungen mit der Thermoanalyse für die Masterarbeit © Prof. Gerhard Heide

Wie geht es für dich jetzt weiter?

Seit Ende Juli bin ich wieder in Freiberg und werde noch ein weiteres Semester an der Bergakademie studieren, um meine Masterarbeit zu beenden. Darin beschäftige ich mich mit der Anwendung von mineralogischen Analysemethoden, wie der Thermoanalyse bei ingenieurgeologischen Untersuchung von Verwitterungserscheinungen. In St. Peterburg konnte ich dafür bereits mit den Probeanalysen beginnen und führe diese nun in Freiberg fort. 

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Prof. Gerhard Heide, Tel.: 39-2665