3 Fragen an Lena Bussmann und Julia Wünsche vom Promovierendenrat

Julia Wünsche und Lena Bussmann
Knapp über 1000 Promovierende forschen aktuell an der TU Bergakademie Freiberg. Seit 2012 werden sie vom Promovierendenrat vertreten, der sich zuletzt im Juni neu konstituierte.

Wie setzt sich der Promovierendenrat (ProRat) für die Interessen der Doktorandinnen und Doktoranden ein?

Lena Bussmann (Sprecherin des ProRats): Alle zwei Jahre wählen die Promovierenden der TU Bergakademie Freiberg den Promovierendenrat. Da sich die Wahlen aufgrund von Corona in diesem Jahr verschoben haben, traten wir im Juni eine verkürzte Legislaturperiode von 1,5 Jahren an. Wir bestehen aus 10 Mitgliedern, 3 davon sind keine gewählten Mitglieder, sondern in beratender Funktion dabei. Wer Interesse hat kann in dieser Form jederzeit auf freiwilliger Basis an spannenden Aufgaben mitarbeiten.

An sächsischen Hochschulen ist eine Promovierenden-Vertretung noch nicht rechtlich verpflichtend. Die TU Bergakademie Freiberg hat zwar wie viele andere Universitäten eine Vertretung, dennoch ist der Promovierendenrat  kein gesetzlich verankertes  Gremium. In beratender Funktion vertreten wir die Interessen der Promovierenden innerhalb der Universität in den Rektoratskommissionen für Forschung und für Gleichstellung. Auf Landesebene sind wir in der Landesvertretung des akademischen Mittelbaus aktiv. Seit 2015 sind wir außerdem Mitglied des Verbunds mitteldeutscher Promovierendenvertretungen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Dort setzen wir uns für eine starke Stimme und eine bessere Vernetzung der Promovierenden ein.

Ganze Stelle, halbe Stelle, mit Stipendium oder mit Drittmittelfinanzierung, mit oder ohne Lehrverpflichtung… Nicht alle Doktorandinnen und Doktoranden arbeiten zu gleichen Bedingungen. Was verbindet sie?

Julia Wünsche: Das sächsische Hochschulgesetz definiert die Gruppe der Promovierenden nicht klar. Es gibt deutliche Unterschiede in den Rahmenbedingungen für die wissenschaftliche Qualifikationsphase zu Erlangung des Doktorgrades. Einige Doktorandinnen und Doktoranden sind als Studierende eingeschrieben, manche promovieren in Kooperation mit Unternehmen, andere promovieren in Vollzeit oder Teilzeit. Die Zusammensetzung ist in der Tat sehr inhomogen. Doch was alle Promovierenden eint ist, dass sie an ihrem ersten eigenständigen wissenschaftlichen Projekt forschen und ein Ziel vor Augen haben – den Doktortitel.

Lena Bussmann: Doktorandinnen und Doktoranden stehen in der Regel in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrer Betreuerin oder ihrem Betreuer, was sie zu einer besonders vulnerablen Gruppe macht. Alle befinden sich in einer speziellen Phase im Leben und erleben ähnliche Belastungen aber auch Erfolge während ihrer Promotion.

Julia Wünsche: In diesen Höhen und Tiefen ist der ProRat Ansprechpartner. Wir können bei Fragen etwa zur Beschäftigungssituation, Konflikten oder Problemen zur Seite stehen und bei Bedarf an die geeigneten Stellen weitervermitteln.

Welche Themen brennen dem ProRat derzeit besonders auf den Nägeln?

Lena Bussmann: Das ist zum einen die Novelle des sächsischen Hochschul-Freiheitsgesetzes. Wir möchten in diesem Rahmen eine rechtlich abgesicherte Vertretung der Promovierenden im Land erreichen.

Außerdem wünschen wir uns eine bessere Vernetzung der universitären Gremien mit dem ProRat und erarbeiten derzeit neue Maßnahmen, wie wir das Zusammengehörigkeitsgefühl und den Austausch unter möglichst vielen Doktorandinnen und Doktoranden in Freiberg stärken können.

Julia Wünsche: Natürlich lässt uns auch die Pandemie nicht kalt! Für viele Promovierende sind im vergangenen Jahr Laborzeiten und Konferenzen ausgefallen. Wichtige Aufgaben mussten wegen geschlossenen Schulen und fehlender Kinderbetreuung aufgeschoben werden. Lehrkonzepte mussten auf digitale Formate umgestellt werden. Es fehlte der soziale und fachliche Austausch! Wir verschaffen uns derzeit einen Überblick darüber, in welcher Form die Doktorandinnen und Doktoranden von der Corona-Krise betroffen waren und immer noch sind. Daraus möchten wir passende Angebote zur Unterstützung erarbeiten und für künftige Krisen lernen.

Zur Person

Seit Juni 2021 ist Lena Bussmann Sprecherin des ProRats. Sie promoviert am Institut für Glas und Glastechnologie und untersucht experimentell strukturelle Eigenschaften von Gläsern und amorphen Materialien unter Extrembedingungen, also hohen Drücken und Temperaturen. 2019 schloss sie einen Master an der Universität zu Köln in Physik ab. In ihrer Freizeit ist sie leidenschaftliche Musikerin und sonst am liebsten draußen unterwegs.

Julia Wünsche engagiert sich seit 2020 im ProRat, zuerst als freiwilliges Mitglied, seit Juni als Gewähltes. Sie promoviert am Institut für Elektronik- und Sensormaterialien. Dort erforscht sie, wie man Ionen kontaktlos in Wasser nachweisen kann. Sie ist Almuna der TU Bergakademie Freiberg (Master in Angewandter Naturwissenschaft 2019). Nach der Arbeit geht sie gern tanzen und versucht sich an verschiedenen Handarbeiten.

Fragen beantwortet / Contact: 
info@prorat.tu-freiberg.de