3 Fragen an die erste Professorin Maja Krumnacker und an Dr. Kristina Wopat von der GraFA

Fotocollage: Prof. Dr. Maja Krumnacker als junge Frau (links) und Dr. Kristina W
43 Jahre ist es her, dass mit Prof. Dr. Maja Krumnacker die erste Frau an der Bergakademie Freiberg als Professorin begann. Heute blickt die Universität auf eine größere Anzahl an Studentinnen, Doktorandinnen, Habilitandinnen und Professorinnen. Gefördert werden diese unter anderem von der GraFA.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als erste Professorin an der Universität und wie hat sich seither der Frauenanteil speziell im wissenschaftlichen Bereich verändert?

Prof. Maja Krumnacker: Ich empfand es als sehr ehrenvoll, in die damalige Männerbastion aufgestiegen zu sein. Das war zur damaligen Zeit keine Selbstverständlichkeit. Bereits in meinem Studium der Metallkunde war ich ein Novum. Schließlich studierten oder promovierten damals so gut wie keine Frauen im MINT-Bereich. Im ersten Studienjahr war ich unter 100 Studierenden die einzige Studentin in der Mathematikvorlesung. Bis zu meiner Emeritierung im Jahr 1991 blieb ich die einzige Professorin an der Bergakademie. Das ist heute natürlich anders. Und mittlerweile entdecken auch immer mehr Frauen ihr Interesse an einer akademischen Karriere.

Dr. Kristina Wopat (Graduierten- und Forschungsakademie GraFA): Für die meisten ist es heute selbstverständlich, dass Frauen und Männer gleichberechtigt auf fachlicher Augenhöhe miteinander arbeiten. Ohne Pionierinnen wie Prof. Krumnacker, die vielen Studentinnen vor Augen geführt haben, was für sie als Frau möglich ist, und ohne männliche Förderer wären wir noch lange nicht dort, wo wir heute sind. Der Weg vom Einstieg ins Studium als Studentin bis zu einer Berufung als Professorin ist weit und nach wie vor gibt es die sogenannte „leaky pipeline“: Auf jeder Qualifizierungsstufe sinkt der Frauenanteil weiter ab. Dabei zeigen Ergebnisse der Genderforschung, dass sich im Umfeld engagierter Professorinnen, die junge Frauen ebenso wie junge Männer fördern, sich anteilig viel mehr Studentinnen einschreiben und Nachwuchswissenschaftlerinnen für eine akademische Karriere entscheiden. Diese positive Vorbildfunktion, die Prof. Krumnacker wahrgenommen hat, ist also auch heute noch sehr wichtig.

Welche Voraussetzungen sollten junge Frauen mit Blick auf eine akademische Karriere mitbringen und wie werden sie auf ihrem Weg unterstützt?

Prof. Maja Krumnacker: Zu allererst natürlich das Interesse für die MINT-Gebiete der Universität. Nur wer Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten hat und Neugier, neue Bereiche zu erforschen, wird eine Promotion auch bis zum Ende durchziehen können. Dazu gehört viel Disziplin und Fließ. Ich habe oft abends bis Mitternacht gesessen und gearbeitet, aber ich habe das gern gemacht. Und nicht immer ging es voran. Auch Schritte zurück und ein Neustrukturieren beziehungsweise Umdenken der Arbeit gehören zu diesem Prozess dazu. Ich kann jungen Frauen hier nur raten: Halten Sie durch, auch wenn sie nur in kleinen Schritten vorankommen und nicht sofort Erfolge sehen. Es gibt immer ein Licht am Ende des Tunnels. Und ich kenne mittlerweile sehr viele Frauen, die ihre Promotion erfolgreich gemeistert haben.

Dr. Kristina Wopat (GraFa): Neben der Freude an der wissenschaftlichen Arbeit und der Leidenschaft, eigenständige Wege zu gehen und in unbekannte Bereiche vorzudringen, werden auch Ausdauer und die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren benötigt. Es geht darum, die eigene Arbeit kritisch zu reflektieren, die eigene Perspektive im Austausch mit anderen Wissenschaftler:innen zu erweitern und auch im Team zu arbeiten und Teams zu führen. Hierbei finden sich keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Die größte Herausforderung für viele junge Frauen ist aber, sich selbst eine solche Leistung zuzutrauen. Wir machen leider noch immer regelmäßig die Erfahrung, dass viele junge Frauen sich selbst viel weniger leistungsstark einschätzen, als sie objektiv sind – und da liegt ein großer Unterschied zur Mehrheit ihrer männlichen Peers. Offensichtlich ist diese unbewusste Schere im Kopf viel schwerer abzubauen als die strukturellen Hürden, die wir in den zurückliegenden Jahren weitestgehend aus dem Weg geräumt haben.

Unsere Universität bietet jungen Frauen auf dem Weg zu einer wissenschaftlichen Karriere hervorragende Bedingungen. Sei es die Familienfreundlichkeit, die es ihnen ermöglicht, den Kinderwunsch nicht hintanstellen zu müssen. Seien es Fortbildungs- und Beratungsangebote der GraFA, das Herbstcamp für Studentinnen, das Trainings- und Coachingprogramm Erfolgsteam „Junge Frauen an die Spitze“, Fördermöglichkeiten für internationale Forschungspraktika für Stipendiat:innen oder ein sich im Aufbau befindliches Netzwerk der Wissenschaftlerinnen unserer Universität: Junge Frauen können hier – weit über die reine wissenschaftliche Arbeit hinaus – bereits Kompetenzen für eine erfolgreiche berufliche Entwicklung erwerben.  

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Universität – auch im Hinblick auf junge Akademikerinnen?

Prof. Maja Krumnacker: Ich wünsche mir, dass sich die Universität auch weiterhin als kleine Universität unter den Größeren behaupten mag und die Bergakademie bleibt, die sie ist und weiter ihren Weg in Forschung und Lehre geht. Und das sich wieder mehr junge Menschen für ein Studium und eine wissenschaftliche Laufbahn in den technischen Bereichen entscheiden.

Dr. Kristina Wopat (GraFa): Ich hoffe, dass wir in 10-15 Jahren nicht mehr über dieses Thema berichten müssen, da wir es geschafft haben, die Lecks in der leaky pipeline zu schließen und Frauen wie Männer gleichermaßen ihren Weg in der Wissenschaft finden werden. Ich hoffe, dass viel mehr junge Frauen ihre Flügel ausbreiten und dabei entdecken, wie groß diese eigentlich sind und wie faszinierend und erfüllend die Welt der Wissenschaft ist.

Studentinnen und Wissenschaftlerinnen an der TU Bergakademie Freiberg

An der Bergakademie Freiberg fanden die ersten Hörerinnen in den 1870er-Jahren Zugang zum Studium – Mary Hegeler aus den USA war 1885 die erste eingeschriebene Studentin mit der Matrikelnummer 3378. 1921 wurden Frauen schließlich regulär zum Studium zugelassen. Doch erst in 1950er-Jahren gab es die erste Diplomabsolventin (1951) und weibliche Promovierte (1956) an der Bergakademie Freiberg. Die erste Promovendin war Waltraud Stolper an der damaligen Fakultät Naturwissenschaften und Ergänzungsfächer. Aktuell sind es rund 1.200 weibliche Immatrikulierte, die ein Bachelor-, Master-, Diplom- oder Promotionsstudium absolvieren. Davon sind ungefähr 304 Doktorandinnen. 18 Frauen habilitieren derzeit in Freiberg. Für ihre Ausbildung stehen ihnen in Forschung und Lehre an der Universität zum jetzigen Zeitpunkt 13 Professorinnen zur Verfügung. Seit der ersten Berufung von Prof. Maja Krumnacker im Jahr 1978 haben bis heute insgesamt 19 Professorinnen einen Ruf an die TU Bergakademie Freiberg erhalten.