Andreas Fichtner

interviewed im Juni 2012

Steckbrief

Dr. Andreas Fichtner
Assistenzprofessor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH), Zürich (Schweiz)
Studienrichtung: Geophysik

Vita

  • 1999-2002: Studium der Geophysik - begleitet von zahlreichen Ausflügen in die Mathematik - an der TU Bergakademie Freiberg
  • 2002-2003: Fulbright Student an der University of Washington, Seattle (USA)
  • 2003-2005: Studium der Geophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • 2005-2009: Promotion auf dem Gebiet der Seismologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem Institut de Physique du Globe in Paris (Frankreich) und der Australian National University in Canberra (Australien)
  • 2009-2012: Postdoc an der Universität Utrecht (Niederlande)
  • 2012: Gastwissenschaftler an der Australian National University in Canberra (Australien)
  • 2013: Assistenzprofessor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH), Zürich (Schweiz)

Interview

Sie haben an der TU Bergakademie Freiberg studiert, wie kam es dazu?

Nach meinem Abitur stand ich vor dem Problem, mich für zu viele Naturwissenschaften auf einmal zu interessieren, was mich zu dem Studiengang geführt hat, der die meisten von diesen vereint: Geophysik. Ein „Tag der offenen Tür“ an der Bergakademie hat mich dann davon überzeugt, dass dieses Studium das Richtige für mich ist. Bis heute glaube ich, damals eine gute Entscheidung getroffen zu haben.

Was ist aus Ihrer Sicht das besonders Interessante an Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Meine Arbeit besteht im Wesentlichen in der Entwicklung neuer Methoden, die es uns erlauben, die Struktur des Erdinneren zu erkunden. Dies ist im Prinzip ähnlich einer medizinischen Tomografie, die mit Hilfe von Ultraschallwellen in den menschlichen Körper schaut – nur, dass wir seismische Wellen benutzen, die von großen Erdbeben ausgelöst werden.
Für mich liegt die wesentliche Faszination in der Eleganz der mathematischen Physik, angewandt auf Probleme mit gesellschaftlicher Relevanz. Ein detailliertes Wissen über die Struktur des Erdinneren ist essentiell für das Verständnis der Evolution unseres Planeten, die Erkundung von Rohstoffen, verlässliche Tsunami-Warnungen und vieles mehr. Hinzu kommt die Möglichkeit, mit jungen Menschen zu arbeiten, das eigene Wissen weiterzugeben und kontinuierlich neues Wissen zu erwerben.

Was waren wichtige Stationen auf Ihrem beruflichen Weg?

Jede Einzelne war wichtig und es gibt keine, die ich wirklich bereue. Aber noch wichtiger als Stationen vielleicht im geografischen Sinne, waren Bekanntschaften mit Menschen, die mich beeinflusst und unterstützt haben. In diesem Zusammenhang ist mir die Bergakademie in besonders guter Erinnerung, da mein Weg ohne die Unterstützung von Prof. Bernhard Forkmann und Prof. Wolfgang Sprößig sicher weit weniger positiv verlaufen wäre. Dafür bin ich sehr dankbar.

Welche nachhaltigen Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Zeit an der TU Bergakademie Freiberg?

Zunächst sind dies natürlich, wie schon erwähnt, die Menschen, die ich dort kennengelernt habe. Mir ist stark in Erinnerung geblieben, dass wir als Studenten sehr hohe Anforderungen gestellt haben und häufig unzufrieden waren. Als ich Freiberg dann verlassen habe, meinte Prof. Forkmann, ich solle mich doch bitte davon überzeugen, dass anderswo auch nur mit Wasser gekocht wird – und er hatte Recht. Im Rückblick haben wir sehr viel in kurzer Zeit gelernt, und das hat mir das Leben an anderen Unis immer sehr leicht gemacht.

Haben Sie heute noch berufliche oder private Kontakte zur TU Bergakademie Freiberg?

Ja, wenn auch nicht viele. Mit Bernhard Forkmann und Wolfgang Sprößig bin ich nach wie vor befreundet und zu einigen ehemaligen Kommilitonen habe ich ebenfalls noch Kontakt.

Was möchten Sie jungen Menschen, die heute studieren, mit auf den Weg geben?

Man sollte auf keinen Fall studieren, weil man nicht weiß, was man sonst tun soll. Ein Studium ist die einmalige Gelegenheit seine Faszination für die Wissenschaft zu entdecken und dieser folgen zu können. 
Stellt man fest, dass ein bestimmtes Studium nicht das ist, was Faszination auslöst, muss man den Mut zum Wechsel haben - auch wenn dieser vielleicht radikal ist und man den ursprünglich gewünschten Abschluss nicht bekommt.

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Ein Lebensmotto, das sich in einem Satz zusammenfassen lässt, habe ich nicht. Allerdings denke ich, dass es wesentliche Grundsätze sind, gewissenhaft zu handeln, seine Verantwortungen für andere Menschen wahrzunehmen und ein guter Diplomat in allen Lebenslagen zu sein.