Jana Pinka

interviewed im Mai 2010

Steckbrief

MdL Dr. Jana Pinka
Mitglied des Sächsischen Landtags
Studienrichtung: Geologie/Mineralogie

Vita

  • 1983-1988: Studium an der TU Bergakademie Freiberg, Abschluss als Diplom-Mineralogin
  • 1989-1992: Wissenschaftliche Assistentin in Lehre und Forschung an der TU Bergakademie Freiberg, Fakultät Chemie
  • 1992: Promotion als Dr. rer. nat. an der TU Bergakademie Freiberg
  • 1993-2004: Wissenschaftliche Mitarbeiterin G.E.O.S. Freiberg Ingenieurgesellschaft mbH
  • 2004-2008: Wissenschaftliche Mitarbeiterin TU Berlin, Fachgebiet Mechanische Verfahrenstechnik und G.E.O.S. Freiberg
  • 2009: stellvertretende Geschäftsbereichsleiterin Wasser – Energie – Biotechnologie G.E.O.S. Freiberg Ingenieurgesellschaft mbH
  • seit September 2009: Mitglied des Sächsischen Landtags; stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Mitglied des Fraktionsvorstandes, Leiterin des Arbeitskreises für Umwelt, Landwirtschaft und Landesentwicklung, Sprecherin für Umwelt- und Technologiepolitik der Fraktion DIE LINKE

Interview

Was machen Sie heute beruflich und was ist aus Ihrer Sicht das besonders Interessante an Ihrer Tätigkeit?

Nach meinem Studium und der Promotion an der TU Bergakademie Freiberg habe ich zunächst in der G.E.O.S. Freiberg Ingenieurgesellschaft mbH im Bereich konventioneller und radioaktiver Altlasten gearbeitet. Im Laufe dieser Tätigkeit haben sich meine Arbeitsaufgaben stärker in die Kombination aus Dienstleistung und Forschungsarbeit in einem klein- und mittelständigen Unternehmen entwickelt. Diese Zeit war sehr spannend, da man theoretische Erkenntnisse unmittelbar in praktisches Handeln umsetzen konnte. Zudem war ich in Projekte involviert, die durch Sachsen, den Bund und die Europäische Kommission gefördert wurden, so dass ich auch ein wenig von der Welt gesehen habe.

In meiner jetzigen Tätigkeit als Landtagsabgeordnete versuche ich Probleme aus dem Umweltbereich in politisches Handeln umzusetzen. Dabei helfen mir auch meine beruflichen Kontakte zu G.E.O.S., die ich nicht missen möchte. Das Reizvolle an der jetzigen Tätigkeit sind die vielen Kontakte, zum Beispiel mit Umwelt- und Naturschutzverbänden. Das öffnet meinen Blick wieder auf neue Aufgaben in unserer Gesellschaft. Denn ein politisch denkender Mensch bin ich eigentlich schon lange.

Welche nachhaltigen Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Zeit an der TU Bergakademie Freiberg?

Ich habe gerne in Freiberg studiert, obwohl das Studium der Mineralogie / Geochemie nicht meine erste Wahl nach dem Abitur war. Erst im Studium habe ich erkannt, dass ich doch Naturwissenschaftlerin bin. Wir waren und sind bis heute eine tolle Seminargruppe (830531 – die Matrikelnummer habe ich mal auf Stirnbändern für alle Kommilitonen verewigt). Ich möchte aber auch nicht verhehlen, dass die Wendezeit und die Umstrukturierung an der TU mich sehr berührt haben, zumal in meinen Augen manchen Angestellten nicht immer die notwendige sachliche Gerechtigkeit widerfahren ist.

Haben Sie heute noch berufliche oder private Kontakte zur TU Bergakademie Freiberg?

Ja, sogar sehr intensive. Fast alle Forschungsthemen der letzten Jahre, an denen  wir als Unternehmen beteiligt waren, wurden in Kooperation mit der TU Bergakademie Freiberg durchgeführt. Aktuell arbeiten wir mit Prof. Schlömann (Institut für Biowissenschaften) im Projekt "SURFTRAP - Entwicklung und Optimierung eines Verfahrens zur Biosynthese reaktiver Eisenmineraloberflächen für die Wasseraufbereitung" zusammen. Aber auch die Arbeit mit Frau Dr. Hüttl (Institut für Physikalische Chemie) zur Erstellung des "Leitfadens zur radiologischen Untersuchung und Bewertung bergbaulicher Altlasten - Leitfadenelement Grundwasserpfad – Mikrobiologie" hat mir sehr viel Freude und Erkenntniszuwachs gebracht.

Als Stadträtin von Freiberg ist mir die Pflege der Beziehungen zur TU Bergakademie Freiberg ebenfalls wichtig. Daher versuche ich so oft wie möglich, Einladungen des Rektors oder der Fakultäten wahrzunehmen.

Welches eigene Lebensmotto würden Sie jungen Menschen, die heute studieren, vermitteln wollen?

Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Mädchen eine Ingenieurlaufbahn in Freiberg beginnen würden. Es macht mich stolz, dass meine Tochter dies getan hat, sie studiert Keramik-, Glas- und Baustofftechnik. Ich glaube, dazu gehört ein gewisses Ma&szlig Selbstvertrauen. Dieses würde ich jungen Menschen heute wünschen.<br />
Außerdem hat mich meine Zeit an der TU Bergakademie Freiberg eines gelehrt: die Solidarität meiner Seminargruppe hat uns alle nachhaltig beeinflusst. Das wäre also das Zweite, was ich jungen Menschen wünsche. Vertraut Euren Kommilitonen!!

Folgendes liegt mir noch sehr am Herzen: Als ich studiert habe, konnte ich Praktika im osteuropäischen Raum wahrnehmen. Hier halfen mir meine guten Russischkenntnisse. Nach 1990 hatte ich die Chance in Europa wissenschaftlich tätig zu sein. (Ich bin übrigens sehr glücklich, alle großen Kupferlagerstätten Europas gesehen zu haben, von Schweden, Polen, Spanien …). Dabei halfen mir meine guten Englischkenntnisse. Meine Botschaften an junge Menschen sind daher: Pflegt auch die Fachfremdsprachen und traut Euch ins Ausland zu gehen, denn Eure Möglichkeiten sind um ein Vielfaches besser als zu meiner Studienzeit!