Thi Tuyet Minh Le

interviewed im September 2009

Steckbrief

Thi Tuyet Minh Le
Freiberufliche deutsche Lehrerin und deutsche Dolmetscherin
Studienrichtung: Verfahrenstechnik

Vita

Frau Minh und die Bergakademie – eine lange Geschichte

Lebenslauf

Mein Name ist Le, Thi Tuyet Minh. Ich wurde in Phu Tho, Vietnam, geboren. Ich wohne jetzt in der Hauptstadt Hanoi. Von 1969 bis 1973 habe ich an der Bergakademie Freiberg studiert, mit dem Abschluss als Diplom-Ingenieur für Verfahrenstechnik. Von 1974 bis 2006 arbeitete ich am Wissenschaftlich-/Technologischen Forschungsinstitut für Bergbau und Metallurgie Hanoi. 

Mein Mann ist Prof. Dr. habil. Nguyen, Tat Tien. Er hat von 1971 bis 1975 seine Doktorarbeit und von 1987 bis 1991 seine Habilitation im Fachgebiet Metallformung an der Bergakademie Freiberg mit dem Prädikat "sehr gut" absolviert.
 
Meine erste Tochter ist Nguyen, Le Hang. Sie ist Diplom-Ingenieurin für Umwelttechnologie der TU Hanoi seit 1997. Sie arbeitet zurzeit im Umweltzentrum der TU Hanoi. 

Meine zweite Tochter ist Nguyen, Le Van. Sie studiert  jetzt im fünften Studienjahr an der TU Bergakademie Freiberg im Fach Engineering und Computing.

Meine Ausbildung in Deutschland

 Ich war eine Schülerin mit guten Leistungen in der Oberschule in Phu Tho, Vietnam. Deshalb wurde ich von der vietnamesischen Regierung zum Studium in die DDR (1968 bis 1973) delegiert. Am 19. August 1968 startete ich zu einer Zugfahrt von 11 Tagen über 11.000 km von Hanoi nach Berlin gemeinsam mit 150 anderen vietnamesischen Studenten. Ab August 1968 erlernte ich in neun Monaten die deutsche Sprache am Herder-Institut für Fremdsprachen in Leipzig. Ich hatte bei diesem Deutschkurs, der ohne Dolmetscher stattfand, zunächst viele Schwierigkeiten, habe ihn aber mit Fleiß und Geduld gut abgeschloßen. 

Von Oktober 1969 bis zum August 1973 habe ich dann an der Bergakademie Freiberg Verfahrenstechnik studiert und im August 1973 meine Diplom-Urkunde mit dem Prädikat "gut" erhalten. 

Aus dem sehr schrecklichen amerikanischen Krieg im Jahr 1968 in Vietnam kam ich zum Studium nach Freiberg. Für den vietnamesischen Staat war es sehr wichtig, dass ausgebildete Fachkräfte dabei helfen konnten, das Land wieder aufzubauen. Darum waren alle vietnamesischen Studenten gefordert, gute Studienergebniße zu zeigen.

Die Aktivitäten vietnamesischer Studenten und Aspiranten in Freiberg

 Von 1969 bis 1973 gab es in Freiberg etwa 100 vietnamesische Studenten, Praktikanten und Aspiranten. Wir hatten einen vietnamesischen Verband und ich habe in der Verbandsleitung mitgearbeitet. Wir hatten oft Meetings und trafen uns immer auf dem Sportplatz oder in den Studentenwohnheimen zum Wochenende. Wir spielten Volleyball, Fußball, Tischtennis und Basketball – und es gab oft Kulturprogramme mit der Bergakademie Freiberg. 
In der DDR hatten wir meistens eine sehr gute Frauenmannschaft für Volleyball und eine sehr gute Männermannschaft für Fußball und Volleyball. Ich habe damals in der Volleyball- und in der Tischtennismannschaft mitgespielt. Unser vietnamesischer Verband war immer eine starke Gruppe in der DDR. Wir waren stolz darauf. 
Mein Studium war schwer, die Umstellung auf die deutsche Sprache und ein völlig anderes Leben als in Vietnam waren nicht einfach, aber trotzdem war es für mich eine schöne Zeit. Ich habe viel Unterstützung von den Profeßoren, Hochschullehrern und Angestellten der Bergakademie Freiberg, von Deutschen in Freiberg sowie durch den Staat erhalten. So konnte ich diese Schwierigkeiten mit der Zeit überwinden. Ich habe mein Studium dann gut abgeschloßen. Alle meine Erinnerungen an diese Zeit sind positiv, ich war in dieser Studienzeit sehr glücklich. Heute sage ich immer zu meinen Profeßoren, Hochschullehrern und Deutschen sowie unseren Vietnamesen: "Freiberg ist meine zweite Heimat". 

Vor meiner Rückkehr nach Vietnam im Oktober 1973 wurde ich noch mit vier anderen Studenten von der Bergakademie Freiberg zu den X. Weltfestspielen in Berlin delegiert, für mich ein besonderes Erlebnis. Dort hat man mit mir ein Interview unter der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz durchgeführt. Mein Foto von diesem Interview wurde dann veröffentlicht, worauf ich damals sehr stolz war. 

Nach den Festspielen kehrte ich von Berlin mit dem Zug nach Hanoi zurück. Ich denke immer an die Bergakademie und die Stadt Freiberg. Ich liebe sie sehr!

Ich bin sehr dankbar für die gute Ausbildung an der TU Bergakademie Freiberg. Ich werde es niemals vergessen.

Meine wissenschaftliche Forschungstätigkeit in Vietnam

Von 1974 bis 2006 war ich als Wissenschaftlerin am Forschungsinstitut für Bergbau und Metallurgie Hanoi tätig. Jetzt wurde es in Wissenschaftliches und Technologisches Forschungsinstitut für Bergbau und Metallurgie Hanoi umbenannt. Mit den im Studium in Freiberg gewonnenen fundierten Kenntnissen habe ich Forschungsarbeiten in vielen Betrieben erfolgreich in Vietnam durchführen können. Im September 2005 erhielt ich einen staatlichen Preis für Wissenschaftliche und Technologische Forschungsarbeit in Vietnam. 

Während meiner berufstätigen Zeit in Vietnam war ich der TU Bergakademie Freiberg immer sehr nahe. Des Öfteren hatte ich Gelegenheiten für Praktika, Qualifizierungen, Forschungen, die Teilnahme an dem Kongress für die Aufbereitung  mineralischer Rohstoffe oder den Besuch in Freiberg, was mir in meiner wissenschaftlichen Arbeit sehr geholfen hat. 

Von 1985 bis 1986 habe ich ein Stipendium von meiner Regierung und der Regierung der DDR für ein Jahr Qualifizierung an der Bergakademie Freiberg bekommen. 

Von 1991 bis jetzt wurde ich immer wieder durch Organisationen wie den DAAD, CDG, DFG und DED für Trainingskurse und Forschungsaufenhalte an der TU Bergakademie Freiberg sowie für die Zusammenarbeit mit deutschen Firmen in Freiberg und bundesweit unterstützt. Während jeder Reise nach Deutschland besuchte ich immer auch Freiberg, um den Kontakt zur Bergakademie aufrechtzuerhalten. 

2005 organisierte ich erfolgreich den ersten internationalen Workshop über Bauxit/Aluminium in Vietnam mit über 100 Teilnehmern in meinem Forschungsinstitut.

Interview

Kontakte zwischen vietnamesischen Studenten, Absolventen und der TU Bergakademie Freiberg

Da meine Forschungsarbeit und mein Leben in Vietnam zu jeder Zeit eng mit der Bergakademie verknüpft waren, wollte ich auch immer viel für enge und gute Kontakte zwischen vietnamesischen Studenten und Absolventen und der Freiberger TU tun. Auch weiterhin möchte ich an dieser Arbeit beteiligt sein! 
Als erstes Gründungsmitglied war ich diejenige, die die Idee für eine vietnamesische Absolventenvereinigung in Hanoi hatte. Die erste Namensliste vietnamesischer Absolventen habe ich in Hanoi telefonisch zusammengestellt. Vom ersten Tag an war ich in der Leitung der neugegründeten Absolventenvereinigung in Hanoi tätig. 
Ich unterstütze immer den Kontakt zwischen vietnamesischen Absolventen und der TU BAF, helfe gern bei Treffen der Absolventen und der TU Bergakademie Freiberg in Hanoi und in Freiberg.

Studium der vietnamesischen Studenten an der TU Bergakademie Freiberg

Die Ausbildung in Freiberg finde ich sehr gut und sehr brauchbar für vietnamesische Anforderungen, deshalb habe ich sowohl meiner Tochter als auch meinen zwei Neffen und noch 12 anderen Studentinnen und Studenten von Bekannten aus Vietnam das Studium an der TU Bergakademie Freiberg empfohlen und sie darauf vorbereitet. 
Insgesamt sind es bis jetzt 16 Personen, davon fünf aus meiner großen Familie, die in Freiberg bereits studiert haben bzw. noch studieren. So ist es in meiner Familie bereits zur Tradition geworden, an der TU Bergakademie Freiberg zu studieren. Die anderen Studentinnen und Studenten habe ich in Hanoi in Deutsch unterrichtet und das Interview in Deutsch vor der Reise zum Studium in Deutschland mit ihnen geübt. Auch in der Zukunft werde ich neuen Studenten die Ausbildung an der TU Bergakademie Freiberg intensiv empfehlen.

Zum Alumni-Seminar und zum 60. Berg- und Hüttenmännischen Tag 2009 in Freiberg

Es war ein glückliches Zusammentreffen für mich, dass ich vom 13. – 23.06.09 eine Einladung an die TU Bergakademie Freiberg zum Alumni-Seminar und gleichzeitig zum 60. Berg-und Hüttenmännischen Tag 2009 vom Prorektor Außenbeziehungen  Prof. Christoph Breitkreuz erhalten hatte. Das gab mir die Möglichkeit, das wißenschaftliche Kolloquium und auch das Absolvententreffen, die Zusammenarbeit zwischen Vietnam und der TU Bergakademie Freiberg aufzubauen sowie die TU Bergakademie Freiberg und meine zweite Heimat besuchen zu können. Dieses Alumni-Seminar war sehr erfolgreich. 

Ich bin froh und sehr glücklich darüber. Ich bedanke mich sehr herzlich bei Prof. Breitkreuz, Frau Polanski, Frau Lange, Frau Fischer, Frau Walther und der Alumni-Seminar-Organisation und der TU Bergakademie Freiberg!

Zusammenarbeit zwischen Absolventen und der TU Bergakademie Freiberg

Anlässlich des Alumni-Seminars in Freiberg habe ich im Namen von Herrn Dr. Do Huy Dinh eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen unter der Leitung von Prof. Bernd Meyer aufbauen helfen dürfen. Am 1. September 2009 konnte ein erstes "Memorandum of Understanding" für unsere Zusammenarbeit von Herrn Prof. Meyer verfasst werden. 

In der nächsten Zeit werden wir dieses Projekt als Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen vietnamesischen Absolventen mit der TU Bergakademie Freiberg weiter aufbauen. Ich hoffe sehr, dass wir mit der Unterstützung der Alumnivereinigung der TU Bergakademie Freiberg das Projekt erfolgreich verwirklichen können.
  
Hanoi, den 15.09.2009
Dipl.-Ing. Le, Thi Tuyet Minh
Absolventin der TU Bergakademie Freiberg