Austausch mit Hochschulpartnern im Irak

Manuela Junghans und Dr. Idres Azzat Hamakhan, Moderator des Symposiums (c) Tors
Auf dem Symposium in Erbil stand die praxisnahe Hochschulausbildung in Kooperation mit Unternehmen nach Vorbild der TU im Fokus.

An der nordirakischen Salahaddin-Universität in Erbil fand vom 12. bis 13. November ein Symposium des deutsch-irakischen Kooperationsprojekts „Mechanical Engineering Germany-Iraq“ (Maschinenbau Irak-Deutschland, kurz MEGI) statt. Thematischer Schwerpunkt lag auf einer praxisnahen Hochschulausbildung in Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen. In diesem Bereich ist die Ingenieursausbildung an der TU Bergakademie Freiberg Vorbild. 

Aus Freiberg waren Prof. em. Jürgen Bast vom Institut für Maschinenelemente, Konstruktion und Fertigung und die Projektkoordinatorin Manuela Junghans nach Erbil gereist. Von irakischer Seite kamen Vertreter von sechs Universitäten, die kurdischen Ministerien für Handel und Industrie sowie für Städte- und Wohnungsbau und zahlreiche Unternehmen aus der Region. Der Koordinator des Symposiums, Dr. Abdulkader Kadauw vom Institut für Maschinenelemente, Konstruktion und Fertigung an der TU Bergakademie, zieht eine positive Bilanz: Der Zuspruch und das Interesse aller Teilnehmer ist groß. Nun müsse verstärkt für die Kooperation zwischen den irakischen Hochschulen, den Partnern in Deutschland und den Unternehmen geworben werden. „Unternehmen zum gemeinsamen Gespräch über Kooperationsmöglichkeiten mit den Universitäten einzuladen, ist ein Novum für die Universitäten im Nordirak. Die Professoren berichten, dass die Zusammenarbeit und die Kommunikation schlecht funktioniere und dass kaum Industriepraktika durchgeführt werden können. Im Ergebnis mangelt es den Absolventen an praktischen Kenntnissen und Fertigkeiten“, begründet Dr. Kadauw die Entscheidung, das Symposium für Unternehmen zu öffnen.

Im Laufe des Symposiums wurden an der Salahaddin-Universität zwei neue Labore eingeweiht: eins für Thermodynamik-Versuche und eins für die Materialanalyse. Die Mittel für die Ausrüstung hat die Universität selbst aufgebracht. „Beim Start des Projekts im Jahr 2009 fanden wir hier am Department of Mechanical Engineering acht Labore, aber fast keine Laborausstattung vor“, erinnert sich Prof. Bast. Fünf Jahre später verfügt die nordirakische Universität über 13 Labore mit hochwertigen wissenschaftlichen Analysegeräten.

Prof. Bast berichtete seinen irakischen Fachkollegen von der Ingenieursausbildung an der TU Bergakademie Freiberg. So ist für den Bachelorstudiengang Maschinenbau beispielsweise ein 14-wöchiges Fachpraktikum vorgesehen, aus dem zusätzlich die Aufgabenstellung für die anschließende Bachelorarbeit abgeleitet wird. Ein vierwöchiges Training an der TU Bergakademie Freiberg hat auch die Absolventin Binar Ismael im Jahr 2013 durchlaufen. Seit drei Monaten ist sie Ingenieurin für Instandhaltung in einem Stahlunternehmen in Erbil. „Der Punkt ‚Praxisausbildung in Deutschland‘ in meinem Lebenslauf hatte definitiv einen großen Einfluss auf meine Anstellung“, berichtet die 21-Jährige.

Das deutsch-irakische Kooperationsprojekt für im Bereich Maschinenbau MEGI wurde 2009 von Prof. Bast und Dr. Kadauw initiiert. Nach Prof. Basts Emeritierung übernahm Prof. Bertram Hentschel die Leitung. Ziel des Projektes ist es, die Qualität von Forschung und Lehre an irakischen Universitäten zu verbessern. Der DAAD finanzierte es zunächst mit jährlich 100.000 Euro, ab 2012 dann mit jährlich 200.000 Euro. Von dem Geld wurden Studierendenaustausche, mehrwöchige Trainings, Mitarbeiterstellen und die Ausrüstung für ein Fertigungslabor an der Salahaddin-Universität in Erbil bezahlt.

In Erbil gilt die Sicherheitslage als stabil, trotz der Nähe zu Gebieten, die von der radikalen Gruppe „Islamischer Staat“ kontrolliert werden. Im Laufe ihres Aufenthaltes konnten die Teilnehmer am Kolloquium unbehelligt touristische Orte in Erbil besuchen. Projektkoordinatorin Manuela Junghans besucht die Stadt bereits das vierte Mal und erzählt: „Das Leben hier in Erbil scheint unverändert zu sein. Ich erlebe eine lebendige Großstadt mit gastfreundlichen, herzlichen Menschen. Die Wissenschaftler der Partnerunis sind dankbar dafür, dass wir dir Reise trotz der angespannten Lage angetreten haben.“

Weitere Informationen und Fotos vom Symposium finden Sie hier. 

Bericht: Torsten Mayer