Prof. Yvonne Joseph

Prof. JosephWir treffen uns mit Yvonne Joseph in ihrer Ruheoase, wie sie den kleinen abgetrennten Bereich ihres Büros gerne nennt. Es ist grün, es ist gemütlich und trotzdem ist es das typische Büro einer Professorin – inklusive des kreativen Chaos.

Frau Professor Joseph ist eine von derzeit neun Professorinnen an der TU Bergakademie Freiberg. Wenn man weiß, dass sie an der Freien Universität Berlin Chemie studiert und anschließend am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft über Oberflächenchemie von Modellkatalysatoren promovierte, liegt die Frage nahe, was sie denn nach Freiberg verschlagen hat. Nach ihrer Promotion war sie auf der Suche nach einer Professur und es war an der Bergakademie eine solche ausgeschrieben. So kam sie 2011 nach Freiberg an den Lehrstuhl für Elektronik- und Sensormaterialien in der Fakultät für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnologie. Sie übernahm das 2007 gegründete Institut und den gleichnamigen Studiengang, der allerdings nicht so lief wie erhofft. In manchen Jahren gab es wenige bis gar keine Neueinschreiber. Nach ihrer Berufung kämpfte Frau Professor Joseph also an mehreren Fronten. Es galt, das Institut neu zu strukturieren und Studierende für ihr Fachgebiet zu begeistern.

Wie sagte sie während des Interviews treffend: „Das Institut war ein bisschen wie eine vertrocknete Pflanze. Kurz vorm Eingehen, aber es war noch Leben da.“ Mit viel Pflege und Zuwendung würde das schon gehen. Sicherlich gab es nach den Umstrukturierungen immer noch Misstrauen, ob sie denn jetzt diejenige sei, die auch für länger bleiben würde. Also kaufte sie sich kurzerhand ein Haus in Freiberg und legte damit auch den Grundstein für einen längerfristigen Aufenthalt in der Silberstadt.

"Man darf optimistisch in die Zukunft blicken."

Aktuell läuft der Studiengang Nanotechnologie, die Umbenennung erfolgte 2014, wirklich erfolgreich. Im nächsten Jahr wird es die ersten Absolventen geben und jedes Jahr beginnen mehrere neue Doktoranden am Institut ihre Promotion. Man darf also optimistisch in die Zukunft blicken.

Prof. JosephWarum wir mit den Campusgeschichten ausgerechnet bei Frau Professor Joseph angefragt haben, wird klar, wenn man sich auch mit ihren Hobbys beschäftigt. Sie sagt: „Was ich gerade auf Arbeit tue, vermeide ich zu Hause.“ Muss sie also viel lesen oder korrigieren, dann braucht sie den handwerklichen Ausgleich in ihrer Freizeit. Sie näht leidenschaftlich gern und ihre selbst genähte Robe inklusive Korsett für eine Mottohochzeit lässt uns einfach nur staunen. Aber auch hier liebt sie die Abwechslung - vor allem historische Handwerkstechniken haben es ihr angetan. So hat sie sich u. a. die alte Handwerkstechnik Occhi, auch Schiffchenarbeit oder Frivolité genannt, selbst beigebracht.

In Zeiten, in denen ihr der Job viel abverlangt  – Tagungen, Messen oder auch die MINT-Camps–, mag sie es heimelig in ihren vier Wänden. Sie liest gerne, vor allem fantastische Literatur oder schaut Filme. Auch das Kochen gehört zu ihren Hobbys und so ist es nicht verwunderlich, dass sie auch das in der Lehre einsetzt. Am Ende sind es lediglich chemisch/physikalische Prozesse, die beim Zubereiten von Lebensmitteln eine Rolle spielen. Über die Molekularküche lassen sich so auch Schüler für ihr Fachgebiet begeistern - und das ist ein großer Gewinn.

„Persönlicher Kontakt zu jungen Menschen hält jung!“

Frau Prof. Joseph als DJane auf der Professorennacht im TivoliBeim Stichwort „Kontakt zu jungen Menschen“ kommt schließlich auch ihre Leidenschaft zur Rockmusik zur Sprache. So trat sie im Wintersemester 2014/2015 im Tivoli bei der berühmten Professorennacht als DJane an und begeisterte zusammen mit den Professorenkollegen Jung, Heitmann, Reich und Felden die Massen. Gegen Ende wird ihr sogar ein Pokal überreicht: „Ich glaube, mit >Westerland< von den“ Ärzten“ habe ich dann das Rennen gemacht. Da war wirklich eine Hammer-Stimmung“.

Und so ist Frau Professor Joseph auch in Zukunft immer bereit für neue Herausforderungen. Ob in der Gleichstellungskommission oder als „PowerWoman“ der Wissenschaft: Mit Frau Joseph kann gerechnet werden.