Evelin Leonhardt

"Gegessen wird immer." - Ein Job nach meinem Geschmack

Alles fing mit der Fotoreihe #throwbackthursday auf Facebook an - als das Social Media-Team der Bergakademie ein Foto aus dem Jahre 1976 postet, auf dem fleißige WirtschaftsgehilfinnenEvelin Leonhardt bei ihrer Arbeit in der Mensa Eier für das anstehende Mittagessen schälen. Zahlreiche Kommentare folgen und viele meinen, eine der Damen sei noch immer in der Mensa des Studentenwerks tätig. Aber kann das denn sein? Na klar, Evelin Leonhardt ist eine von vier Beiköchen, die noch immer in der Mensa arbeiten. Die gelernte Wirtschaftsgehilfin kocht seit mehr als 40 Jahren für die Freiberger Studierenden und die Angehörigen der TU Bergakademie Freiberg.

Getroffen haben wir Frau Leonhardt selbstverständlich bei ihrer Arbeit. Was uns sofort auffällt, ist ihr offenes Lachen. Anfangs ist sie noch etwas nervös und zurückhaltend, aber im Laufe des Gespräches wird deutlich, wie offenherzig und ehrlich sie ist. Sie hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen und schlecht gelaunt hat sie wohl selten einer an der Essensausgabe erlebt.

Seit 1973 ist sie im Dienst. Ihre Lehre beginnt sie an der Chemnitzer Straße und mit der Eröffnung der Mensa 1975 wird das ihr neuer Arbeitsplatz – bis heute. Drei Chefs hatte sie seitdem und mit allen sei sie gut ausgekommen. „Ich habe die Arbeit nie bereut“, sagt sie und wieder huscht ihr ein Lächeln über das Gesicht. „Ich hatte eine gute Ausbildung und eine wirklich schöne Lehrzeit. Die Arbeit hier im Team macht mir wirklich Spaß.“

"Ich habe die Arbeit nie bereut."

Ihre langjährige Berufstätigkeit und der tägliche Umgang mit jungen Menschen ermöglichen ihr einen einmaligen Blick auf die Entwicklung der Studentenschaft. „Sie sind oft nett und zuvorkommend, aber das Gemecker und der Unmut über das Essen haben in den letzten Jahren stark zugenommen.“ Trotzdem ist sie am liebsten an der Essensausgabe, sie mag den direkten Kontakt, ein Schwätzchen zu halten oder einfach mal einen Scherz zu machen. Denn „gegessen wird immer“ und leer war die Mensa noch nie. Auch wenn die Anzahl der verkauften Essen rückläufig ist, was sicher auch an der jetzigen Umbauphase liegt.

"Gegessen wird immer."

Sie selbst verbringt ihre Mittagspause ebenfalls in der Mensa - am liebsten mag Frau Leonhardt Eierkuchen. Das Lieblingsgericht der Mensabesucher sei aber Currywurst mit Pommes – und das können wir durchaus nachvollziehen.Evelin Leonhardt im Interview

Auf die Frage, ob es etwas gibt, was sie vermisse, sagt sie recht spontan: die Handarbeit! „Heute wird viel fertig geliefert, es gibt technischen Fortschritt, der die Arbeit erleichtert. Aber ich vermisse es manchmal, mehr selber zu tun, wie z. B. Eier oder Kartoffeln schälen.“ Und bisweilen wünscht sie sich mehr Respekt für die tägliche Arbeit des Mensateams. Ein Lächeln bei der Essensausgabe oder ein nett gemeintes „Danke“ hat noch niemandem geschadet.

Ruhe und Erholung von ihrer anstrengenden Arbeit findet sie in ihrem Garten, ihrem größten Hobby. Den wird sie umso mehr genießen können, wenn sie in drei Jahren in den wohlverdienten Ruhestand geht. Bis es jedoch so weit ist, wird sie mit ihrer warmherzigen Art noch vielen Mensagästen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Wir wünschen ihr bis dahin eine angenehme Zeit und weiterhin so ein sonniges Gemüt.

Und egal ob 1976, heute oder in drei Jahren: Die zentralen Themen werden beim Essen besprochen.

3
<< >>
  • © Linus Walter / TU Bergakademie Freiberg Freiberg