Dr. Daniel Schlothmann

Ein VWLer mit Faible für Fußball

Dr. Daniel SchlothmannWenn man Dr. Daniel Schlothmann auf seine große Leidenschaft, die Volkswirtschaftslehre anspricht, dann beginnen seine Augen zu leuchten. Schon als Jugendlicher interessiert er sich für Aktien und Fonds. „Mit 14 Jahren kaufte ich mit Hilfe meines Vaters erstmals Aktien. Das war quasi mein Einstieg in die VWL.“ In der Oberstufe besucht er mit der Klasse eine VWL-Vorlesung an der Universität Köln. Als der Dozent seinen Studierenden eine Frage stellt, weiß Daniel die Antwort, ist jedoch zu schüchtern um sie laut vorzutragen. Seit diesem Moment war für ihn klar: „Ich muss Volkswirtschaftslehre studieren.“

Seinen Master macht er zwar in Essen, kommt aber direkt im Anschluss an die Bergakademie. „Ich habe als Hilfskraft am Lehrstuhl für VWL in Essen gearbeitet und eines Tages hat mir meine Kollegin dort eine Stellenanzeige weitergeleitet. Das war die von meinem jetzigen Chef.“ Das Vorstellungsgespräch beschreibt er lachend als sehr interessant. „Ich stand kurz vor der Resignation, habe die Stelle aber letztendlich bekommen.“ Seitdem ist Dr. Schlothmann wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine Volkswirtschaftslehre der TU Bergakademie Freiberg. „Ich habe es nie bereut, dass ich hierhergekommen bin. Am Anfang habe ich zwar einen Kulturwandel erlebt, aber ich habe mich gut eingelebt. Über einen Tanzkurs an der Universität und andere Aktivitäten lernte ich neue Leute kennen.“ Er schätzt das Familiäre. An einer Großstadt-Universität sei man eine Nummer, es geht viel anonymer zu. Die meisten Probleme mit seinem Umzug in die sächsische Universitätsstadt hatten wohl seine Eltern. Sie kannten Freiberg nicht und waren anfangs irritiert. „600 km sind eben kein Katzensprung.“

"Ich bin VWLer durch und durch."

Dr. Daniel Schlothmann in seiner DozententätigkeitMittlerweile ist die VWL für ihn eine Berufung geworden. Mit einem Augenzwinkern bemerkt er: „Natürlich weiß ich auch, dass das Fachgebiet durchaus etwas nerdiges an sich hat. Vor allem wegen der vielen Modelle und Statistiken ist es eine Herausforderung, die Studierenden für dieses Feld der Wirtschaftswissenschaften zu motivieren.“ Für ihn ist es, frei nach dem Motto „Challenge accepted“, nur ein weiterer Grund, sein Fachgebiet interessant und begreifbar gestalten zu wollen.
Daniel Schlothmann liebt es, Zusammenhänge zu erläutern. Und da man komplexe Prozesse am besten an zeitgemäßen und anschaulichen Beispielen erklärt, schrieb er im Jahr 2017 „Trumponomics.“ Darin analysiert er mittels volkswirtschaftlicher Theorien die Konsequenzen der Pläne Trumps auf das Bruttoinlandsprodukt der USA, die Arbeitslosigkeit und Beschäftigung, die Zinsentwicklung und Inflation, die Staatsschulden sowie die zu erwartenden Auf- oder Abwertungen des US-Dollars.
Er macht quasi genau das, was man in den Naturwissenschaften unter Science Communication versteht.

"Ich war der rechte Außenverteidiger - schnell und bissig, aber talentfrei am Ball."

Chronik der Fußball-WeltmeisterschaftenAber auch ein Universitätsdozent hat Hobbys und so kommen wir schließlich auf sein neuestes Freizeitprojekt zu sprechen. – Daniel Schlothmann verfasste ein Buch zu Fußball-WMs („Chronik der Fußball-Weltmeisterschaften“). Hier kommt ebenfalls seine Leidenschaft für Fußball und gleichermaßen für Zahlen und Statistiken zum Tragen, und die begleitet ihn ja schon seit frühester Kindheit. Als er zehn Jahre alt war, simuliert er kurzerhand im Urlaub eine ganze Bundesliga-Saison. Einfach weil es ihm Spaß gemacht hat. Grinsend sagt er „Wichtig war mir bei der Simulation nur, dass die Bayern nicht Meister werden – das konnte ich irgendwie auch bewerkstelligen“. In seiner Jugend spielt er auch selber im Verein. „In den Spielen wurde ich als rechter Außenverteidiger eingesetzt, da ich zwar schnell und bissig war, aber am Ball ziemlich talentbefreit. Nachdem ich in einem Spiel auf meiner eigentlichen Lieblingsposition, der des Torhüters, gespielt und den gegnerischen Mittelstürmer zur Verzweiflung gebracht habe, sagte ich mir: Daniel, du hast den Gipfel deiner sportlichen Karriere an diesem Punkt erreicht. … und beendete meine aktive Fußballkarriere.“ Als Ruhrpottler kehrte er dem Fußball aber natürlich nie ganz den Rücken zu. „Als gebürtiger Duisburger bin ich dem MSV treu geblieben, gerade weil man bei diesem Verein lernt, dass man nicht immer auf der Sonnenseite stehen kann.“

In Zukunft wäre Daniel gerne weiterhin in der Lehre tätig. So kann er sich auch eine Professur in seinem Fachgebiet sehr gut vorstellen. Und genau da sind wir wieder bei seiner Leidenschaft: Studierende für die VWL zu begeistern.

3
<< >>
  • Dr. Daniel Schlothmann im Interview
  • Trumponomics
  • Dr. Schlothmann in seiner Dozententätigkeit