7. Krüger-Kolloquium am 17. Juli 2013

Foto von Professor Klaus Keil


Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Klaus Keil,
Hawai'i Institute of Geophysics and Planetology, University of Hawai'i, Honolulu


zum Vortragsthema: "Die Frühgeschichte unseres Sonnensystems: Die ersten 10 Millionen Jahre"



Die Entstehung unseres Sonnensystems ist eines der grundlegenden Probleme in der Kosmochemie und Astrophysik, und große Fortschritte sind in diesem Gebiet in den letzten Jahrzehnten gemacht worden. Die chemischen Elemente (mit Ausnahme von Wasserstoff und Helium, die im “Big Bang” entstanden), die unser Universum aufbauen, sind im Innern von riesigen Sternen (Supernovae, Rote Riesen) entstanden. Am Ende ihrer Lebenszeit explodieren diese Sterne und die Elemente und “Sternenstaub” werden in den interstellaren Raum verteilt, wo sie riesige, kalte Molekularwolken bilden. Deren Kerne fallen in sich zusammen und bilden “star nurseries” (Sternkindergärten), wo unzählige junge Sterne wie unsere Sonne, oft umgeben von Staub- und Gaswolken (“protoplanetary disks” oder Sonnennebel), entstehen. Altersbestimmungen der Bestandteile der Meteorite (die ersten Gesteine, die in unserem Sonnennebel entstanden) zeigen, dass die ersten Feststoffe, die dann unsere Planeten, Monde, Asteroide und Kometen bildeten, vor genau 4567,30 ± 0,16 Millionen Jahren entstanden, und dass die Bildung dieser Feststoffe in der erstaunlich kurzen Zeit von weniger als 3 Millionen Jahren und die Bildung der “Protoplaneten” (Asteroiden) in weniger als 10 Millionen Jahren erfolgte. Meteorite enthalten auch “Sternenstaub”, wie Diamanten und Graphit, die älter als unser Sonnensystem sind und von den Sternen herstammen, die unseren Sonnennebel bildeten. Deren Isotopenzusammensetzung erlaubt Astrophysikern, theoretische Modelle der Sternenentstehung zu überprüfen. Gibt es andere Sonnensysteme? Enorme Fortschritte seit 1992 haben bisher zur Entdeckung von über 900 “Exoplaneten”, d.h. Planeten außerhalb unseres Sonnensystems in unserer Galaxie, der Milchstraße, geführt, und deren Zahl wächst ständig. Nach einer Zusammenfassung dieses spannenden Themas wird Herr Prof. Keil mit einem kurzen Einblick in die Universität von Hawai’i schließen. Seien Sie mit dabei!

Zur Person Klaus Keil:

Klaus Keil studierte Mineralogie in Jena und Mainz. Er arbeitet seit 1958 auf dem Gebiet der Kosmochemie, und ist seit 1961 bei NASA und an US amerikanischen Universitäten tätig. Im Jahre1968 wurde er Professor und Direktor am Institute of Meteoritics, University of New Mexico, und 1990 Professor an der University of Hawai’i. 14 Jahre lang war er dort Direktor und Begründer von HIGP.

Prof. Keil hat 665 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, vor allem über die Geschichte der Meteorite von primitiven und differenzierten Asteroiden, sowie über Mond- und Marsgesteine. Er hat in Meteoriten und Mondgesteinen 9 neue Mineralien entdeckt, die nicht auf der Erde vorkommen, und war Principal Investigator des Apollo Programms und der Mars Viking Missionen. Zu seinen zahlreichen Ehrungen gehören der George P. Merrill Award und die J. Lawrence Smith Medaille von der US National Academy of Sciences, der Apollo Achievement Award und die Exceptional Scientific Achievement Medaille von NASA, und die Leonard Medaille der Meteoritical Society. Der Asteroid 5054 wurde Asteroid Keil und das neue außerirdische Mineral (Fe,Mg)S Keilit genannt. Er war Präsident der Meteoritical Society, der Microbeam Analysis Society, und der Hawai’i Academy of Sciences, und ist Korrespondierendes Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften.