12. November 2012 - Pro und Kontra: Männerquote - Frauenquote: Sanktion oder Potenzial?

Die 2. Veranstaltung der im Rahmen des Gleichstellungskonzeptes der TU BA Freiberg geförderten Freiberger Frauen- und Männergespräche fand am 12. November 2012 von 14.30 bis 16.00 Uhr statt.

 

Eröffnet wurde die Podiumsdiskussion mit einem Einführungsvortrag von Dr. Katrin Pittius (TU Dresden). Katrin Pittius ging in ihrem Vortrag mit dem Titel „Wer braucht die Frauenquote?“ auf drei wesentliche Punkte ein, die Input für die Podiumsdiskussion lieferten: Sie vergegenwärtigte den politischen Diskurs in Deutschland und die öffentliche Diskussion auf EU-Ebene, welche Frauenquoten-Modelle in anderen europäischen Ländern existieren (z.B. Norwegen und Frankreich) und lenkte den Fokus auf die Thematik Frauen im Wissenschaftsfeld.

Pittius zeigte anhand von Statistiken, dass Wissenschaftlerinnen nach wie vor in Deutschland in Aufsichtsräten und Führungspositionen marginalisiert sind. So wird dies v.a. im Vergleich mit anderen europäischen Ländern sichtbar: während die skandinavischen Länder hinsichtlich weiblicher Führungskräfte und Frauen in Aufsichtsräten führende Plätze einnehmen, nimmt Deutschland einen der letzten Plätze ein; gerade 12% Frauen nahmen im Jahre 2010 eine leitende Funktion an Hochschulen oder Forschungseinrichtungen ein.
Darüber hinaus wurde deutlich, dass der Frauenanteil in verschiedenen Stufen der akademischen Karriere zwischen 2000 und 2008 in Deutschland gestiegen ist, d.h. insgesamt auch mehr Wissenschaftlerinnen promovieren und habilitieren. Dennoch lag der Frauenanteil in der Professorenschaft in den Ingenieurwissenschaften im Jahre 2008 bei knapp 10 %, zugleich blieben viele deutsche Professorinnen kinderlos.

Im Anschluss daran ging Pittius auf mögliche Erklärungsansätze und Ursachen der weiblichen Marginalisierung und Forschungsdesiderata im Hochschulbereich ein. So seien trotz ergriffener institutioneller Maßnahmen u.a. die „beharrenden“ Strukturen im Wissenschaftsbetrieb ein Hindernis. Zum Schluss präsentierte sie Argumente für und gegen die Frauenquote. Eines ihrer Hauptargumente für die Quote war dabei u.a. die Verbindlichkeit für die Hochschulen und Wissenschaftlerinnen sowie die Realisierung von Chancengleichheit.

Unter Moderation von Dr. Kristina Wopat, stellvertretende Direktorin der GraFA, diskutierten Dr. Katrin Pittius, MdL Benjamin Karabinski (FDP), Prof. Dr. Reinhard Schmidt (Vorsitzender des Hochschulrates der TU BAF), Dr. Simone Raatz (Rektoratskommission Gleichstellung der TU BAF) und Sebastian Manzke (Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Geschlechterpolitik Bündnis 90 Die Grünen, Dresden) anschließend Pro und Kontra einer Frauen- und Männerquote. Obwohl hinsichtlich dessen kein Konsens erzielt werden konnte, hoben einige der Diskutant/innen das Potenzial einer Frauenquote hervor.

Die Debatte wurde vor allem durch die persönlichen Erfahrungsberichte der Podiumsteilnehmer/innen sowie den persönlichen Beiträgen aus dem Publikum – v.a. der Doktorandinnen – bereichert und es gab einen regen Austausch mit den Podiumsgästen.

Wir danken allen Gästen und dem Podium für eine interessante und lebendige Diskussion!