Beruf und Kind danach? – Wege nach dem Studium

Die siebenten Freiberger Frauen- und Männergespräche beschäftigten sich am 02. November 2016 mit dem Thema „Beruf und Kind danach? – Wege nach dem Studium“.

In ihrem Einstiegsvortrag zeigte Josefine Klinkhardt, langjährige Mitarbeiterin am Deutschen Jugendinstitut München, Studienergebnisse zu verschiedenen Strategien für die Lebensplanung mit Kindern auf, die unterschiedliche Lebenswege von Frauen und Männern spiegelten. Durch die Doppelbelastung stehen immer mehr Familien unter Druck und die Ressource Zeit wird zum entscheidenden Faktor.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurden die verschiedenen Blickwinkel auf das Thema deutlich. An der Diskussion nahmen teil: Petra Meißner (Personalleiterin der Mahle Industrial Thermal Systems Reichenbach GmbH in Freiberg), Holger Strenz (Koordinator papaseiten.de, ein Projekt des VSP e.V. Dresden), Dr. Susanne Lucius (Fachkraft für Arbeitssicherheit, Ingenieurbüro für Arbeitsschutz Reinhard Fritzsche in Zwickau) und Josefine Klinkhardt (wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Chemnitz). Die Moderation übernahm Dr. Kristina Wopat (GraFA TU Bergakademie Freiberg).
Frau Meißner, in der Rolle der Personalleiterin, konstatierte einen Perspektivwandel bei den regionalen Unternehmen. Durch den Fachkräftemangel entwickeln Unternehmen vielfältige Maßnahmen, um attraktiver zu werden, u.a. zur Erhöhung der Familienfreundlichkeit. In der Arbeitswelt ist zudem vieles für Arbeitnehmer möglich, wenn Probleme direkt angesprochen werden. Sie stellte ein Projekt von regionalen Unternehmen vor, in dem Rentner_innen Familien im Alltag unterstützen, indem sie Zeit mit deren Kindern verbringen.
Frau Dr. Lucius sah flexible Arbeitszeiten als großen Vorteil für die Kinderbetreuung. Sie brachte persönliche Erfahrungen Ihrer Promotion mit ein, in der sie zwei Kinder bekam. Am Beispiel eines Leipziger Projektes für Arbeitsplatz-Sharing mit integrierter Kinderbetreuung, das durch eine Elterninitiative ins Leben gerufen worden ist, ermutigte sie zu privatem Engagement und unkonventionellen Betreuungsformen.
Frau Klinkhardt vertiefte anhand von konkreten Beispielen ihren Einführungsvortrag.
Herr Strenz gab vielfältige Einblicke in die Projektarbeit mit Vätern in Dresden. Die langjährige Praxis zeigt, dass das Angebot für Beratungen und Maßnahmen für Väter anders aussehen muss als für Mütter. Er sieht in Firmen, die Väter-Projekte mit gestaltet haben, einen Impulsgeber für den notwendigen Wandel. Die Zahl der Väter, die in Elternzeit gehen, würde stetig steigen. Es kämen auch mehr Väter zur Beratung als früher. Im Anschluss wurden Fragen aus dem Publikum beantwortet. Es wurde verstärkt auf das Thema „Bewerbungen mit Kind“ eingegangen und von verschiedenen Zuhörern ergänzende Eindrücke geschildert.

 Die Veranstaltung zeigte, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie unter positiven Rahmenbedingungen gelingen kann. Dabei spielen verschiedenste Aspekte eine Rolle. In den Unternehmen kann ein Wandel hin zu mehr Familienfreundlichkeit vollzogen werden, was zugleich für die gesunde Unternehmensentwicklung von Vorteil ist.