Geowissenschaftliche Sammlungen gedenken Stifter und Sammler Siegfried Flach

Vor der Kulisse des Erzgebirges bei Annaberg – Siegfried Flach im Oktober 2017.
Ehrenbürger der TU Bergakademie Freiberg verstorben – Trauer um Siegfried Flach

 

Andreas Massanek, Christin Kehrer, Birgit Gaitzsch, Michael Gäbelein, Karin Rank & Gerhard Heide

TU Bergakademie Freiberg, Geowissenschaftliche Sammlungen


Am 19. Mai 2020 schloss der bekannte Sammler erzgebirgischer Minerale Siegfried Flach nach langer schwerer Krankheit im Alter von 93 Jahren für immer seine Augen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geowissenschaftlichen Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg trauern um einen Menschen, der sich über Jahrzehnte als Partner und Freund zum Wohl der TU Bergakademie eingebracht hat.

Die Kontakte reichen weit bis in die 1970er Jahre zurück. Siegfried Flach war einer der wenigen Mineralsammler aus dem westlichen Teil Deutschlands, der intensive Verbindungen zu Sammlern und Museen in der ehemaligen DDR pflegte. Durch ihn konnten auf dem Wege des Tausches viele Lücken in der Systematikabteilung der Mineralogischen Sammlung der Bergakademie geschlossen, aber auch weltweite attraktive Neufunde erworben werden. Nach der politischen Wende wurde die Zusammenarbeit noch deutlich intensiver, die im Jahr 1996 in einer Sonderausstellung gipfelte, bei der er die interessantesten Minerale aus seiner Sammlung in Freiberg präsentierte.

 Das Plakat zur Sonderausstellung 1996.               Einer seiner größten Momente – die Eröffnung seiner Sonderausstellung in den Räumen der Geowissenschaftlichen Sammlungen in Freiberg am 14. Juni 1996. Foto: Karin Rank

 

 

 

 

In den Folgejahren gastierte er mehrfach in Freiberg, um im sogenannten Urandepot auf dem Gelände des Forschungs- und Lehrbergwerkes Reiche Zeche durch sein umfangreiches Wissen mitzuhelfen, die Sammlung der SDAG Wismut, die der Bergakademie in den 1950er Jahren übergeben wurde, zu erschließen.

Siegfried Flach unterweist die Kustodin der Paläontologischen und Stratigraphischen Sammlungen der TUBAF in die Herstellung von Lackabzügen, hier im Kiestagebau Frohnsdorf bei Altenburg im Juli 2007. Foto: Karin RankAber auch die Studenten und Mitarbeiter im Geologischen Institut profitierten von seinem Wissen und seinen Fertigkeiten. So demonstrierte er mehrfach die Anfertigung von Lackprofilen, einer Technik, die es ermöglicht, Lockergesteine in situ zu präparieren, zu konservieren und letztlich zu archivieren. In studentischen Praktika wird dieses Wissen auch heute noch weiter gegeben. Mehrere großformatige Lackabzüge, die in der Ausstellung im Institut für Geologie im Humboldtbau zu bewundern sind, hat Siegfried Flach als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt. Für diese vielfältigen Aktivitäten zu Gunsten der Lehre und Forschung im Bereich der Geowissenschaften wurde Siegfried Flach im Jahr 2002 der Titel „Ehrenbürger der TU Bergakademie Freiberg“ verliehen. Aber auch danach blieb er aktiv und hielt enge Kontakte zu den Sammlungsmitarbeitern.

Siegfried Flach mit seiner Uranglassammlung, die er im August 2013 an die Bergakademie gegeben hat. Foto: Karin RankEr stiftete eine bemerkenswerte Sammlung von Urangläsern und Urankeramiken sowie seine bedeutende Lagerstättensammlung. Diese Kollektion umfasst weit über 6.000 Mineralstufen, Erzanschliffe und Gangstufen von erzgebirgischen Lagerstätten und stellt damit eine der wohl umfassendsten und wertvollsten Privatsammlungen auf diesem Gebiet dar. Die Schwerpunkte der Sammlung sind die Lagerstättendistrikte von Freiberg, Marienberg, Ehrenfriedersdorf, Schlema-Alberoda-Hartenstein und Schneeberg. Siegfried Flach legte besonderen Wert auf genaueste Angaben zu den Gangformationen und Fundorten und baute somit eine Dokumentation des sächsischen Erzbergbaus in seiner letzten Blütephase auf.

Siegfried Flach mit Kustos Andreas Massanek beim Verpacken der Sammlung zum Transport nach Freiberg im August 2015. Foto: Izabela MassanekSiegfried Flach mit Kustos Andreas Massanek beim Verladen der Sammlung zum Transport nach Freiberg im August 2015. Foto: Izabela Massanek

 

 

 

 

Akribisch forschte er im wissenschaftlichen Altbestand der Universitätsbibliothek in Freiberg und unterhielt wertvolle Kontakte zum Archiv der Wismut GmbH und zu ehemaligen Grubengeologen und Bergleuten. Seine Erkenntnisse spiegeln sich unter anderem in Veröffentlichungen, z.B. dem EMSER HEFT über Schneeberg, dem Buch über den 800jährigen Silberbergbau in Freiberg und einer Bergbaumonographie über Schlema-Alberoda, die vom LfUG Sachsen herausgegeben wurde, wider. Dadurch ist seine Sammlung auf hohes wissenschaftliches Interesse gestoßen, sowohl an der TU Bergakademie als auch am Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologien.

Entdeckt in seiner Sammlung: das Mineral Schlemait! Mit Bohdanowiczit, Eukairit, Berzelianit, Tiemannit, Umangit, Clausthalit, Löllingit, Dolomit-Ankerit, Gang Tiber, -855m-Sohle, Block 5128, (Fund U. Lipp 1960), Schacht 371, Schlema-Hartenstein, Erzgebirge, Sachsen, 5x4 cm, Foto: A. MassanekDoch damit nicht genug. Vor wenigen Jahren erwarb er die wissenschaftlich wertvolle Lagerstätten-Sammlung des Mineralogen Ulrich Lipp aus Schneeberg und schenkte sie den Geowissenschaftlichen Sammlungen. Auch später kamen weitere Stufen und Sammlungen dazu, darunter der größte bekannte Aquamarinkristall von Edelsteinqualität Deutschlands aus Irfersgrün im sächsischen Vogtland und eine Suite von Stufen aus dem Mansfelder Kupferschieferrevier.

Siegfried Flach im Kreise der Sammlungsmitarbeiter in der Ausstellung der Mineralogischen Sammlung der TU Bergakademie Freiberg im Oktober 2017. Foto: Dr. Lieselotte von BorstelVor drei Jahren weilte Siegfried Flach das letzte Mal im Erzgebirge und besuchte seine alten Sammlerfreunde und natürlich auch die Geowissenschaftlichen Sammlungen der TU Bergakademie.Hier konnte er sich von der Unterbringung und vom Stand der Inventarisierung seiner umfangreichen Sammlungen überzeugen. Zur Sonderschau „Wer sammelt, schreibt Geschichte“ während der Mineralientage München im letzten Jahr wurden er und seine Sammlung einem breiten Kreis von Interessenten vorgestellt. Darüber hat er sich sehr gefreut.

Siegfried Flach wurde am 24. März 1927 in Chemnitz geboren, wo er auch seine Schulausbildung erhielt. 1944 beendete er mit Erfolg eine Verwaltungslehre. Danach wurde er zum Segelflugzeugführer ausgebildet und anschließend von der Luftwaffe einberufen. Im Mai 1945 geriet er in englische Gefangenschaft und wurde in Ostfriesland interniert. 1946 kam er in Damme in Oldenburg zu einem Bombensprengkommando. Der Ort wurde seine neue Heimat. Hier absolvierte er eine zweite Lehre als Maurer und arbeitete dann viele Jahre auf dem Bau. 1950 heiratete er seine Frau Edith. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor. Am 1. August 1967 wechselte er als Hoch- und Tiefbautechniker in die Stadtverwaltung Damme. Hier arbeitete er bis zu seiner Pensionierung Ende März 1990.

Bilder vom Besuch in Freiberg im Oktober 2017:

Siegfried Flach beim Besuch der Ausstellung Mineralogische Sammlung Deutschland
Siegfried Flach in der Mineralogischen Sammlung in Freiberg im Oktober 2017.
Kustos Andreas Massanek überreicht Siegfried Flach ein Buch