Projekt Brennstoffgeologische Sammlung

DFG-Geschäftszeichen: VO 902/2-1
Projektlaufzeit: 01.02.2013 - 31.05.2016

Antragsteller:                                                                                                              

  • Prof. Dr. rer. nat. habil. Norbert Volkmann
  • Prof. Dr. rer. nat. habil. Gerhard Heide
  • Dr. rer. nat. Birgit Gaitzsch

Projektbearbeitung:

  • Dr. rer.nat. Ilja Kogan

 

Projektthema:

Aufbau eines webbasierten Systems zur Erschließung, Digitalisierung und Visualisierung des Bestandes der Brennstoffgeologischen Sammlung an der TU Bergakademie Freiberg

 

Sammlung

Proben von Torf, Braun- und Steinkohlen, Graphit und Anthrazit, Erdöl und Asphalt, Ölschiefern und Ölsanden, Pflanzenfossilien, Herbarblätter und botanische Präparate, Veredlungsprodukte wie Briketts oder raffinierte Öle, historische Diapositive und Photographien, Zeichnungen und Berichte und sogar Kunstobjekte gehören zur Brennstoffgeologischen Sammlung der TU Bergakademie Freiberg. Die ersten Stücke stammen noch aus der Gründungszeit der Bergakademie, manche gehörten zur Geognostischen Sammlung des Abraham Gottlob Werner (1749-1817). Die weitere Geschichte der Sammlung ist eng mit der Entwicklung der Brennstoffgeologie als Forschungs- und Lehrgebiet in Freiberg verbunden. Während der geologischen Landesaufnahme im 19. Jahrhundert dienten die gesammelten Proben vor allem zu Dokumentationszwecken. Mit zunehmender Bedeutung der Kohle für die Energiegewinnung rückte sie auch in den Fokus der Ausbildung der Freiberger Studenten.  Als 1927 unter der Leitung von Otto Stutzer (1881-1936) ein spezialisiertes Institut für Brennstoffgeologie an der Bergakademie gegründet wurde, wurde die Brennstoffgeologische Sammlung, die vorher hauptsächlich als Verbrauchssammlung für die Herstellung von An- und Dünnschliffen sowie für Versuche genutzt wurde, systematisiert und ausgebaut. Stutzer und seine Mitarbeiter brachten Belege von Forschungsreisen mit und ließen sich Proben von Kollegen aus aller Welt schicken.

Um die Bildungsbedingungen der Brennstoffe zu rekonstruieren, befassten sich Stutzer und seine Kollegen intensiv mit fossiler Flora und Fauna. So sind Sporen und Pollen für bestimmte Zeiträume, aber auch Klimate indikativ; fossile Mikroorganismen helfen bei der Suche nach Erdöl. Zum Verständnis der Inkohlungsprozesse war es zunächst jedoch notwendig, Pflanzen der Jetztzeit zu kennen und die Zusammenhänge zwischen Pflanze, Standort und Klima zu verstehen. So wurden auch wertvolle Herbarien bedeutender Wissenschaftler wie Emil Adolf Roßmäßler (1806-1867) der Brennstoffgeologischen Sammlung einverleibt und neue angelegt.

In der DDR-Zeit war Braunkohle der dominierende Energierohstoff und Freiberg ein Zentrum der Braunkohlenforschung. 1956 wurde das von der Bergakademie unabhängige, aber personell eng mit ihr verknüpfte Deutsche Brennstoff-Institut ins Leben gerufen, dessen umfangreiche Belegsammlung heute ebenfalls zur Brennstoffgeologischen Sammlung der TU gehört.

Der Bestand der Sammlung zeigt nicht nur die Vielfalt biogener Sedimente, die als Brennstoffe verwendet werden können, sondern zeichnet einerseits ihre Entstehung aus organischem (zumeist pflanzlichem) Material und andererseits den Weg von ihrer Erkundung und Gewinnung über die Verarbeitung bis zur Nutzung nach. Damit ist die Brennstoffgeologische Sammlung der TU Bergakademie Freiberg europaweit einzigartig.

 

Digitalisierungsprojekt

In einem von der DFG bis 2016 geförderten Pilotprojekt wird ein Teil der Brennstoffgeologischen Sammlung der TU Bergakademie Freiberg digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dabei wird das äußere Erscheinungsbild ausgewählter Sammlungsobjekte photographisch festgehalten und ihre physikalischen Eigenschaften wie Maße, Gewicht und Farbe erfasst. Angaben zu Fundort und Objektgeschichte werden, soweit vorhanden, vom Etikett übernommen, das auch selbst in photographierter oder gescannter Form digital vorliegt. Die stratigraphische (das geologische Alter betreffende) und systematische Einordnung der Probe erfolgt über hierarchisch organisierte Klassifikationsschemata (Thesauri). Zur Lokalisierung wenig bekannter oder nicht mehr existierender Fundorte, zur korrekten stratigraphischen Einstufung und zur Klärung der Geschichte wichtiger Objekte oder Sammlungsteile müssen außerdem mitunter umfangreiche Recherchen durchgeführt werden.

Alle Daten und Digitalisate gehen in die vom Forschungsinstitut Senckenberg entwickelte Datenbank "AQUiLAgeo" ein, die der internen Verwaltung der Sammlung dient, aber auch den Zugang zu vielen Inhalten für externe Nutzer über das Internet ermöglichen soll. Fundorte werden ebenfalls über Thesauri übergeordneten geographischen Kategorien und Landschaftseinheiten zugeordnet und zukünftig mit Hilfe eines an die Datenbank angeschlossenen GIS-Moduls (GeoInformationsSystem) mit geographischen Koordinaten versehen und auf interaktiven Karten dargestellt.

Für das Pilotprojekt sind 600-800 Sammlungsstücke aus vier verschiedenen Objektgruppen vorgesehen: Handstücke von Braun- oder Steinkohlen, Dünnschliffe, paläobotanische Proben und Herbarblätter. Jede Objektgruppe stellt andere Anforderungen an das Datenbanksystem sowohl bezüglich der Beschreibung der Objekte, als auch bezüglich der notwendigen systematischen Klassifikation. So unterscheidet sich beispielsweise die Systematik der Pflanzen von der der Gesteine; während rezente (heutige) Pflanzen praktisch keine Zeitdimension erfordern, sind Pflanzenfossilien an verschiedene geologische Zeiträume gebunden. An den ausgewählten Objekten sollen Routinen entwickelt und erprobt werden, die für die Digitalisierung weiterer Sammlungen genutzt werden könnnen.

 

Veröffentlichungen

 

 

Kontakt

Prof. Dr. Norbert Volkmann

Leiter Arbeitsgruppe Brennstoffgeologie

Gustav-Zeuner-Str. 12

09599 Freiberg

Tel. 03731/39-3157

norbert [dot] volkmannatgeo [dot] tu-freiberg [dot] de

 

Dr. Birgit Gaitzsch

Kustodin der Paläontologischen, Stratigraphischen und Brennstoffgeologischen Sammlung

Bernhard-von-Cotta-Str. 2

09599 Freiberg

Tel. 03731/39-2198

birgit [dot] gaitzschatgeo [dot] tu-freiberg [dot] de

 

Dipl.-Geol. Ilja Kogan

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Bernhard-von-Cotta-Str. 2

09599 Freiberg

Tel. 03731/39-2317

ilja [dot] koganatgeo [dot] tu-freiberg [dot] de

 

 

Zum Seitenanfang