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Zum 60. Geburtstag von J.W. Schneider

von Olaf Elicki, Freiberg

 

Die Freiberger Paläontologie und Geologie ist engstens mit dem Namen JÖRG W. SCHNEIDER verbunden. Dessen 60. Geburtstag bot eine willkommene Gelegenheit für eine Retrospektive, die in einem ganztägigen Ehrenkolloquium am 17. Oktober dieses Jahres in einem überfüllten Vortragssaal ihren Rahmen fand. Die vorliegende Ausgabe der psf beinhaltet ihm zu Ehren einige dort vorgestellte Arbeiten seiner Schüler.

JÖRG W. SCHNEIDERs wissenschaftlicher Werdegang war eher außergewöhnlich. Im thüringischen Schwarza geboren, begann bereits als Gymnasiast seine wissenschaftliche Laufbahn mit einer Arbeit zu Schnecken aus einem holozänen Travertin seiner Heimatregion. Nach einer Fachausbildung als Agrotechniker arbeitete er vor seinem Geologiestudium als Bohrarbeiter, was sicherlich dazu beitrug, die Verbindung von Theorie und Praxis bis heute als wichtiges Element der eigenen Arbeit zu pflegen.


Nach dem Geologiestudium an der Bergakademie Freiberg folgte eine Assistenz beim Altmeister der deutschen Paläontologie, ARNO HERMANN MÜLLER. Hier wandte sich JÖRG W. SCHNEIDER vor allem paläozoischen Insekten zu. 1977 folgten die Dissertation ("Zur Taxonomie und Biostratigraphie der Blattodea, Insecta, des Siles und Rotliegenden der DDR") und 1981 die Habilitation ("Die Phylogenie der Blattodea und die Arealdynamik der Entomofauna im Jungpaläozoikum").

Bereits Ende der 70er und zu Beginn der 80er Jahren dehnte sich das Arbeitsgebiet auf weitere Organismengruppen des Perm und Karbon sowie auf die Genese der Rotliegendvorkommen insbesondere Mitteleuropas aus. Zunehmend waren es nicht mehr "nur" Insekten, auch weitere Arthropoden, Haie, Spurenfossilen und andere waren nun im Fokus seiner Arbeiten. Erst diese Datenfülle ermöglichte es ihm, die kontinentalen Lebens- und Ablagerungsräume klar zu erfassen und seine großen Korrelationsvorhaben anzugehen.

1987 folgte der Jubilar - in der Nachfolge von A.H. MÜLLER - dem Ruf auf die Professur für Paläontologie an der Bergakademie Freiberg, der 1992 nach der Ausschreibungen der DDR-"Altprofessuren" erneut erfolgte. Seit den 90er Jahren ist JÖRG W. SCHNEIDERs Forschungsarbeit neben paläobiologischen und praktischen Aspekten vor allem durch Projekte zur interkontinentalen und globalen Korrelation kontinentaler und mariner Zeitskalen des Permokarbon geprägt. Das stratigraphische Spektrum seiner Arbeiten reicht vom Präkambrium bis zur jüngsten historischen Vergangenheit und deckt einen Zeitraum von etwa einer Milliarde Jahre ab. Zahlreiche Schüler, Diplomanden, Doktoranden und Habilitanden belegen mit Ihren Arbeiten das breite Interesse und den hohen wissenschaftlichen Anspruch ihres Betreuers.


Forschungsprojekte führten JÖRG W. SCHNEIDER auf 5 Kontinente. Immer wieder leiteten ihn seine vielfältigen Interessen dabei auch auf Arbeitsgebiete, die außerhalb der klassischen Paläontologie liegen und er erschloß sie sich als nützliche Werkzeuge; von der Klimatologie und Geochemie über die Geophysik und Tektonik bis zur Statistik/Formanalyse und 3D-GoCAD Modellierung. Ausdruck akademischer Exzellenz sind nicht zuletzt auch seine Wahl zum Vizepräsidenten der Deutschen Paläontologischen Gesellschaft, zum voting member der International Subcommission on Permian Stratigraphy und der International Subcommission on Carboniferous Stratigraphy der International Union of Geosciences, in die editorial boards mehrerer Fachzeitschriften sowie seine Berufungen als Gutachter im DFG-Fachkollegium "Geologie und Paläontologie".


Einen großen Raum in der täglichen Arbeit von JÖRG W. SCHNEIDER nehmen ausbildungsorganisatorische und administrative Arbeiten ein. Von 1989 bis heute hat er federführend an der Erarbeitung und Ausgestaltung von insgesamt 6 neuen Studien- und zugehörigen Prüfungsordnungen gearbeitet. Er ist seit vielen Jahren Studiendekan und lange Zeit gleichzeitig auch Prüfungsauschußvorsitzender gewesen. Die Arbeit mit Studenten liegt ihm besonders am Herzen. Sein immenses Engagement bei der studentischen Ausbildung (im Hörsaal, im Labor, im Gelände), bei der intensiven Betreuung von Diplomanden und Doktoranden sowie auch in der Studienwerbung ist verblüffend.


Trotz all dieser zeitaufwendigen Arbeiten gelang es JÖRG W. SCHNEIDER, mehr als 100 Publikationen zu veröffentlichen, mehrere Bücher mitherauszugeben, zahlreiche Forschungsberichte zu verfassen sowie eine Unzahl von internationalen Vorträgen zu halten.

Die heute national und international anerkannte Stellung der Freiberger Paläontologie geht maßgeblich auf den Namen JÖRG W. SCHNEIDER zurück.

In herzlicher Dankbarkeit verbunden und mit den besten Wünschen für die Zukunft!
Seine Freunde, Schüler und Kollegen.

 

(Email an den Autor: elickiatgeo [dot] tu-freiberg [dot] de ())