.

Zur Genese der Rotliegend-Salinare in der Norddeutschen Senke (Oberrotliegend II, Perm)

Origin of the Rotliegend Halites in the North German Basin (Upper Rotliegend II, Permian)

von Ute Gebhardt, Hamburg

GEBHARDT, U. (1994): Zur Genese der Rotliegend-Salinare in der Norddeutschen Senke (Oberrotliegend II, Perm). - Freiberger Forschungshefte, C 452, Paläontologie, Stratigraphie, Fazies. - Heft 2. - S. 3-22. - Leipzig 1994.

Zusammenfassung

Die Genese der im Rotliegend Norddeutschlands auftretenden Salinare ist seit langem Gegenstand kontroverser Diskussionen. Nach einer kritischen Betrachtung der verschiedenen Modelle wird nachgewiesen, daß eine ausschließlich kontinentale Entstehung in einem Playa-Environment unter semiariden bis ariden Klimabedingungen anzunehmen ist. Eine Massenbilanz zeigt, daß die aus der Verwitterung im Hinterland stammende Lösungsfracht der in die im wesentlichen abflußlose Norddeutschen Senke strömenden Wässer ausreicht, um die heute vorhandene Menge Halit zu erklären. Die Zusammensetzung der Salze (reines Halit) wird durch eine Vorkonzentration der Laugen im Zusammenhang mit einer fraktionierten Ausfällung der Lösungsfracht verursacht. Die Anreicherung erfolgt durch Verdunstung des allgemein nahe der Oberfläche stehenden Grundwassers auf den dem eigentlichen Salzsee im Süden und Osten vorgelagerten riesigen Playaflächen ("dry mudflats"). Die mehr oder weniger kontinuierliche Salzsedimentation im tieferen Oberrotliegend II (Havel-Subgruppe) wird im höheren Oberrotliegend II (Elbe-Subgruppe) von einer zyklischen Salzausfällung abgelöst. Sie wird durch wiederholte kurzzeitige marine Ingressionen verursacht, die durch eine zusätzliche Frischwasserzufuhr die Salzausfällung unterbrechen und zu einer periodischen Verbesserung des Regionalklimas führen.

Abstract

The origin of the Upper Rotliegend halite horizons in the North German Basin has been a controversal topic for a long time. Following a critical review of several models, a continental origin is preferred. The halites were precipitated in a playa environment under semiarid to arid conditions. A mass balance shows that dissolved substances from the influx of ground-water into the closed North German Basin are sufficent to explain the amounts of halite seen in the Rotliegend. The composition of the salts (pure halite) resulted from a pre-concentration of the brines by fractional precipitation on the way into the basin. This concentration was achieved on the giant dry mudflats surrounding the salt lake, mainly in the south and east, by evaporation of the ground-water, which was generally close to the surface. The more or less constant precipitation of salts during the earlier Upper Rotliegend II (Havel Subgroup) was followed by cyclic precipitation during the later Upper Rotliegend (Elbe Subgroup). This cyclicity was caused by short-term marine ingressions, which periodically interrupted salt precipitation by the influx of less saline water, which also ameliorated the regional climate.