Geologischer Lehrpfad (GLP)

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 Der hier vorgestellte Geologische Lehrpfad (GLP) beruht auf einer Veröffentlichung des VEB Geologische Forschung und Erkundung Freiberg aus dem Jahre 1985 - "Geologischer Lehrpfad Freiberg". Ein Lehrlingskollektiv unter Leitung von Dr. K.-H.Bernstein schuf damit eine Möglichkeit die Geologie des Freiberger Raumes besser kennenzulernen. 
 
Karte zum geologischen Lehrpfad Teil 1
Teil 1 Hospitalwald - Oberschöna
 Karte zum geologischen Lehrpfad Teil 2
Teil 2 Muldental - Halsbrücke
Der gesamte Lehrpfad gliedert sich in zwei Teile.

Teil 1: Hospitalwald - Oberschöna

Teil 2: Muldental - Halsbrücke (in Vorbereitung)
 
 Die Karten, Skizzen und Grafiken zum Lehrpfad beruhen auf der Veröffentlichung und wurden digital aufbereitet. 
 
 

Geologischer Lehrpfad Teil 1 Hospitalwald - Oberschöna

 Dieser Teil des Lehrpfades kann direkt ohne Abstecher durchgeführt oder auf unterschiedliche Weise variiert werden. Der direkte Weg, ca. 14 km, führt von Freiberg - Unicent über den Hospitalwald, Linda und Oberschöna zum Bahnhof Frankenstein wird in den Stationen 1 bis 31 (ohne Stationen 20, 21, 22 und 29) beschrieben. Von dort geht es per Bahn zurück nach Freiberg. 
 Verzichtet man auf die Stationen 11 bis 18, so kann man den Weg durch das Höllbachtal abkürzen. Die Wegstrecke beträgt dann 12 km. 
 Auf einem Abstecher (ca. 2km) zum Steinberg (fast 100m Anstieg) kommt man an den Quarzitsteinbrüchen von Oberschöna vorbei (Stationen 20 bis 22). 
 Ein weiterer Abstecher könnte der Weg zum "Paulschacht" sein, ebenfalls ca. 2km (Station 29). 
 Eine Teilstrecke des Lehrpfades kann auch als Ringweg (ca. 11km) von Freiberg - Unicent über den Hospitalwald, Linda, die Ölmühle zurück durch den Hospitalwald nach Freiberg zum Schützenhaus durchgeführt werden. 
 
 

Station 1: Start am Unicent

 
 Unicent
Unicent im Wohngebiet Wasserberg
 Der Lehrpfad beginnt am Unicent - im Wohngebiet Wasserberg am südlichen Stadtrand von Freiberg. 
 Der Wasserberg wird im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich als "Wazzerberg" erwähnt. 1444 wird der "Wasserberg mit seinen Wasserläufften" vom Rat der Stadt für die städtische Wasserversorgung erworben. 
  Auf lehmigen Deckschichten bildeten sich Staunässeböden mit Grundwasseraustritten. Das Gebiet gehörte deshalb neben dem Hospitalwald (Station 4) und dem ehemaligen Rittergut Freibergsdorf zu den Quellgebieten Freibergs. Von hier aus wurden Trinkwasserleitungen zur Versorgung der Stadt Freiberg zu zentralen Stellen, sogenannten "Wasserkästen" gelegt.
 Zu Beginn des 20.Jahrhunderts, im Jahre 1907 wurde auf dem Wasserberg der Freiberger Wasserturm errichtet, wodurch sich die Trinkwasserversorgung der Stadt wesentlich verbesserte. 
 Die umfangreichen Ton- und Lehmvorkommen wurden auf dem Wasserberg und im Hospitalwald abgebaut (siehe Station 5) und zu Ziegeln verarbeitet. Die Ziegelgasse erinnert heute noch an diese Zeit. 
 
 

Station 2: Kleingartenanlage

 
 Blick auf die Petrikirche
Blick auf die Petrikirche
 Der Weg führt vom Unicent über den Forstweg zur Kleingartenanlage auf einer Anhöhe, die auf eine Quarziteinlagerung im Gneis zurückzuführen ist.
Ein Blick zurück auf Freiberg wird heute (Frühjahr 2004) von zahlreichen Bäumen verdeckt. In nord-östlicher Richtung kann man den Turm der Petrikirche (2) sehen. Ein wenig nördlicher davon ist undeutlich das "Deutsche Brennstoffinstitut" (1) zu erkennen.
 
 
 

Station 3: Oberer Forstweg

 
 
Blick auf die "Hohe Esse" von Halsbrücke
 Wir setzen den Weg in Richtung Waldbad "Großer Teich" fort. Der Obere Forstweg verläuft in etwa 465m Höhe fast horizontal. An dieser Stelle kann man sich die große Verebnungsfläche des Erzgebirges, welche leicht nach Norden abfällt, gut vorstellen. In nördlicher Richtung ist die 140m hohe "Hohe Esse" von Halsbrücke zu sehen. 
 Vor der Grenze zum Hospitalwald, im Gelände kaum zu erkennen, verläuft die Wasserscheide zwischen Striegis und Freiberger Mulde. Das Oberflächenwasser des Hospitalwaldes fließt zur Striegis, in der anderen Richtung fließt es über den Wasserberg (kanalisiert) in die Freiberger Mulde. 
 An dieser Stelle befinden wir uns etwa im Zentrum der Freiberger Gneiskuppel (vgl. geologische Karte), wobei vorwiegend der "Freiberger Kerngneis" bzw. "Innerer Graugneis" anzutreffen ist. Aufgrund der fortgeschrittenen Verwitterung sind größere Lesesteine von Gneis kaum zu finden. Auf den Feldern können Quarzit- und Quarzitschieferbrocken gefunden werden, welche auf die quarzitischen Einlagerungen im Gneis hinweisen.
 
 

Station 4: "Großer Teich"

 
 Darstellung einer Wasserfassung
Abb.1: Darstellung einer Wasserfassung

Waldbad "Großer Teich"
Waldbad "Großer Teich"
 Der Lehrpfad führt nun in den Hospitalwald. Dieser umfaßt etwa eine Fläche von 4,5 km2 und gehörte teilweise zum Besitz des Freiberger Hospitals St. Johannis, welches 1224 südwestlich vor der Freiberger Altstadt gestiftet wurde.
Über dem Freiberger Gneis findet man in diesem Gebiet zum Teil eine mächtige Schicht Schwemmlehm. Der Lehm wurde vorwiegend im östlichen Teil des Hospitalwaldes abgebaut (siehe Station 5). Aufgrund der großen Staunässe ist der Boden von minderer Qualität. Deshalb wird dieses Gebiet hauptsächlich forstwirtschaftlich genutzt. In Sammelschroten (Abb.1) wurde das reichliche Wasser über Sickerstränge zusammengezogen und für die Trinkwasserversorgung der Stadt bereitgestellt.
 
Der Wasserwirtschaft kam im Bergbau seit jeher eine große Bedeutung zu. So wurden auch im Hospitalwald als Wasserreservoir für den Bergbau mehrere Stauteiche im Einzugsbereich der Striegis angelegt. Der "Große Teich" wird heute als Waldbad und der Mittelteich zur Fischzucht genutzt. Durch geschickte Grabenführung konnte so das Wasser der Striegis über die Wasserscheide hinweg nach Freiberg geleitet werden.

 
 
 

Station 5: ehemalige Rats-Ziegelei

 
 Schnitt durch die Lehmgrube
Abb.2: Schnitt durch die Lehmgrube
 Über den Grenzweg und den Ziegelweg (Gabelung nach links) geht es vom "Großen Teich" bis zum Waldrand (Kreuzung Ziegelweg/Schießweg). Die ehemalige Lehmgrube auf der linken Seite wurde zum Teil als Deponie genutzt, wurde aber auch teilweise rekultiviert und ist heute Naturschutzgebiet. 
 Die alte Ratsziegelei entstand Ende des 19. Jahrhunderts und war bis Ende der 60 er Jahre des 20. Jahrhunderts in Betrieb. Danach waren die Lehmvorkommen zu gering und von minderer Qualität. Neue Erkundungen waren nicht erfolgreich. Der sehr helle Lehm, der hier abgebaut und verarbeitet wurde bildete sich im Holozän durch Verwitterungs- und Umlagerungsprozesse. In Abb.2 sind die geologischen Verhältnisse der Lehmgrube im Querschnitt dargestellt. Die Mächtigkeit der Lehmschicht betrug etwa 2 - 5 m.
Heute befindet sich an der Stelle der alten Ziegelei die Heizungsbaufirma M.Scharf (etwa 300m links vom Ziegelweg entfernt). Rings um die Ziegelei gab es mehrere kleine Lehmgruben, welche fast alle wieder verfüllt wurden.
 
 
 

Station 6: Ende Ziegelweg, Waldkante

 
 
Silber, Calcit
Silber, Calcit
 Sphalerit, Siderit, Quarz
Sphalerit, Siderit, Quarz
Galenit, Baryt, Quarz
Galenit, Baryt, Quarz
 Argentit, Calcit
Argentit, Calcit
Hauptminerale der eb-Formation
 An dieser Stelle befinden wir uns am Nordrand des Brand-Langenauer Gangsystems. Hier befand sich in der 2. Hauptperiode des Freiberger Bergbaus (im 16. Jahrhundert) das Brander Bergbaurevier. Die Gänge lassen sich vorwiegend der "Edlen Braunspatformation" (eb-Formation) zuordnen und besitzen zwei Hauptstreichrichtungen (Verlauf der Gänge). Der Abbau des Silbererzes in diesen Gängen trug wesentlich zur Entwicklung der Städte Freiberg und Brand-Erbisdorf bei. 
 Durch schnelle Verwitterung der Karbonnatminerale (Braunspat und Siderit) an der Erdoberfläche, kann man heute kaum noch Gangmaterial der eb-Formation auf den Halden finden.
 
am Hungerborn
am Hungerborn
 
Blockbild eines Erzganges
Abb.3: schematisches Blockbild eines Erzganges mit "Streichen" A B

1-4 Haldenzug auf dem Erzgang, Schacht 1 mit Handhaspel
(aus Wagenbreth 1983)
 

Station 7: Altbergbau, Hospitalwald

 
Zur Kreuzung Ziegelweg/Schießweg zurückgekehrt befindet sich auf der linken Waldseite in einem kleinen Tal der Hungerborn. Nach einer Mitteilung von K.-F. Zillmann vom 16.8.84 ist dies kein verschütteter Schacht, sondern war früher ein Brunnen, welcher 1790 durch den Einfluß des Bergbaus versiegte. Nachgewiesen ist jedoch, dass der Hungerborn ein Treffpunkt der Bergleute, besonders am 22.Juli, dem Magdalenentag war. Ende des 15. Jahrhunderts setzten die Bergarbeiter im Erzgebirge den 22.Juli als schichtfreien Bergfeiertag - den Magdalenentag - durch. Heute veranstalten die Mitgliedern der historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft an diesem Tag eine Wanderung zum Hungerborn.
Zur Zeit (Frühjahr 2004) liegt der Hungerborn in einem geschützten Gebiet. Hier wurden 500 kleine Weißtannen (Baum des Jahres 2004) gepflanzt. Man erreicht den Ziegelweg über eine kleine Drehtür etwa 50 m weiter rechts.
Rechts und links des geologischen Lehrpfades (GLP) kann man Reste des Altbergbaus (kleine Halden) entdecken. Der Bergbau in diesem Gebiet war nicht so erfolgreich wie im Freiberger Revier. Der Silbergehalt des Erzes war geringer und die abgebauten Gänge hatten eine geringere Längen- und Teufenerstreckung.
In Abb.3 wird ein typischer Erzgangverlauf dargestellt - auf der Oberfläche deutet die gestrichelte Linie das Streichen des Erzganges an, die strichpunktierte Linie kennzeichnet ein Grubenfeld. C und D stellen seitliche Abbauräume im Erzgang dar.
 
 

Station 8: Ende Galgenweg

 
Wir verlassen den Hospitalwald am Ende des Galgenweges und befinden uns in mitten der Verebnungsfläche, welche nach Süden hin leicht ansteigt. Der Lehmanteil des Bodens ist hier wesentlich geringer. In südöstlicher Richtung befinden sich die Reste der Grube "Beschert Glück"*. Heute kann man dort das Huthaus, die Scheidebank, das Fördermaschinenhaus sowie untertage eine Erzrolle besichtigen (nach Absprache).

Station 9: Quellgebiet Höllbachtal

 
 Quellgebiet Rechts des Lehrpfades, von Station 8 kommend, liegt im Wald ein kleines Torfmoor. Der Abbau des Torfes ist nicht wirtschaftlich, da die Mächtigkeit des Torfes zu gering ist.
In einer flachen Mulde wird hier der Gneis des Grundgebirges von einer Schwemmlehmdecke überzogen. Es kommt zur Stauung der Sickerwässer. Mehrere Quellen, deren Abfluß gering ist, begünstigen die Staunässe. Abgestorbene Teile des Pflanzenbestandes sinken im Wasser. Durch den Luftmangel und eine gehemmte Tätigkeit der Mikroorganismen kommt es zur Anhäufung teilweise zersetzter organischer Substanzen. Es bilden sich anmoorige Schichten.
Mehrere Abzugsgräben und Naßstellen, an denen Supf- und Sauergräser wachsen, kennzeichnen das Gebiet.
 
  
 
 

Station 10: Geländeübersicht Höllbachtal

 
 Blick zum Steinberg
Blick zum Steinberg (464m)
 Wir gehen am Ende der Schneise rechts den kleinen Fußweg entlang. Nach ca. 200m liegt das tiefeingeschnittene Höllbachtal vor uns. Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir eine Reihe von Quarzithärtlingen. Der größte davon ist der 464 m hohe Steinberg (siehe auch Geländeübersicht Steinberg Station 20). Durch Verwitterung und Erosion wurde der Gneis in diesem Gebiet abgetragen und der wesentlich härtere Quarzit tritt morphologisch hervor. So sind die Quarziteinlagerungen im Gneis auch mitverantwortlich für die Änderung des Verlaufes der Striegis von Norden nach Nordwesten.
 
schematischer geologischer Schnitt
Abb.4:Quartäre Deckschichten - schematischer geologischer
Schnitt bei Conradsdorf, stark überhöht
BereichBezeichnungLageAlter
VIrezente fluviatile Sedimente (Auenlehme, Sande, Kiese, Schotter)TalauenHolozän
Vfluviatile Sedimente (Auenlehme, Sande, Kiese, Schotter)FlussterassenPleistozän/
Holozän
IVHangschutt z.T. lehmigsteiler HangPleistozän/
Holozän
IIIHanglehm (Schwemmlehm) z.Z. mit Verwitterungsschuttleicht geneigter HangPleistozän
IILößlehm auf VerwitterungsschuttVerebnungsflächePleistozän
IVerwitterungsschutt z.T. lehmigVerebnungsflächePleisotzän/
Holozän
 

Station 11: Quellen am ehemaligen Edelhof

Neben der verfallenen Ansiedelung des ehemaligen Edelhofs befinden sich mehrere Quellen. Die Lehmschicht der verwitterten Gneisböden wirkt als Stauhorizont. Die Quellen haben ihre Ursache in tektonischen Störungen - das Grundwasser zirkuliert in der unter der Lehmschicht befindlichen groben Schuttschicht und tritt an den Störungsstellen hervor.
 
 

Station 12: Geländeübersicht St. Michaelis

Bergbaugebiet St.MichaelisBlick auf St.Michaelis

Von dieser Station aus kann man gut das Bergbaugebiet St. Michaelis erkennen, welches durch mehrere kleine Halden gekennzeichnet ist.
Hier soll auf einige Eigenschaften der Böden eingegangen werden (vgl. Abb.4). Der Verwitterungsboden auf der Ebene besitzt einen höheren Grobschuttanteil als der Boden an den Hängen. Aus diesem Grund und wegen der unterschiedlichen Hangneigung ergibt sich eine landwirtschaftliche Nutzung der Ebene und eine Nutzung der Hänge für die Forstwirtschaft.

Station 13: Thelersberger Gangzug - Pingen

Vom Waldrand, etwa 200m wegabwärts, kreuzt der geologische Lehrpfad den Thelersberger Gangzug. Kleinere Halden und Pingen rechts und links des Weges, welche sich hangabwärts in westlicher Richtung bis zum Mundloch des Thelersberger Stollns befinden (vgl. Abb.5), sind in der Zwischenzeit schon sehr zugewachsen und nur schwer erkennbar. Der Thelersberger Stolln, der sich ca. 40 m unter dieser Stelle befindet, wurde im Stollnspat aufgefahren. Der innerer Graugneis, als Nebengestein ist im Bereich des Thelersberger Ganges hydrothermal zersetzt und war deshalb für den Stollnvortrieb geeignet.

 

 

 

 

 
 Profile durch das Striegistal beim Thelersberger Stolln

Profile durch das Striegistal beim Thelersberger Stolln
Abb.5: Profile durch das Striegistal beim Thelersberger Stolln

Station 14: ehemaliger Gneissteinbruch Linda

Der Weg führt weiter steil bergab. Nach etwa 200m befand sich auf der linken Seite des geologischen Lehrpfades (GLP) der heute weitgehend verwachsene Gneissteinbruch. Hier wurde der innere Graugneis (Freiberger Kerngneis) als Baumaterial abgebaut.

 
 

Station 15: Striegisaue - Brunnenfassung

Der Lehrpfad führt weiter hinab ins Striegistal. Die relativ breite Aue der Striegis wurde bis Anfang der 90-er Jahre als Trinkwasserschutzgebiet genutzt. Unter Ausnutzung der Uferfiltration wurde das Wasser in den feinkörnigen fluviatilen Ablagerungen gereinigt und hatte dadurch eine hohe Qualität (Abb.6). Von 1992-1994 erfolgte der Ortsnetz-Bau einer zentralen Trinkwasserversorgungsanlage. Heute werden die noch vorhandenen Brunnenanlagen zur Bereitstellung von Brauchwasser verwendet. (nach einer Auskunft von Dr. med. P. Funke Gesundheitsamt, SG Hygiene und Tuberkulosefürsorge)
 
 
 Skizze einer Brunnenfassung
Abb.6: Skizze einer Brunnenfassung

Abstecher zum Mundloch des "Neuer Segen Gottes" Stolln

Mundloch Informationstafel Wir überqueren die Straße Linda-Oberschöna und gehen auf der rechten Seite der Striegis am Ufer entlang bis zu einer kleinen Brücke. Auf der linken Seite kann man bereits das Mundloch des "Neuer Segen Gottes" Stollns sehen. Der 6,6 km lange Stolln diente als Entwässerungsstolln der Gruben in Himmelsfürst und Linda. Etwas unterhalb des Mundloches münden die Grubenwässer in die Striegis. Der braunrote Schlamm auf dem Boden des Gewässers weist auf Stollnwasser hin, dessen Eisengehalt bei Luftzutritt ausgefällt wird. Eine Schautafel liefert weitere Informationen.
 
 

Station 16: Thelersberger Stolln

Wasseraustritt des Thelersberger Stollns
Wasseraustritt des Thelersberger Stollns
 Der Weg führt nun Richtung Oberschöna auf dem rechten Ufer der Striegis weiter zum Thelersberger Stolln, der wichtigste und umfangreichste Entwässerungsstolln des Brander Bergbaureviers. Wir erreichen zuerst den Wasseraustritt des Stollns. Etwa 50 bis 100 Liter/Minute Wasser treten hier zu Tage und fließen ca. 30 m unterirdisch durch eine Rösche weiter in die Striegis. Um 1800 wurde das Wasser des Thelersberger Stollns zum Betreiben des Wasserrades der Erzgrube "Unverhofft Segen Gottes" genutzt (s. Station 27). Über einen 4,4 km langen Kunstgraben wurde das Wasser bis zur Radstube in Oberschöna geleitet. Das Wasser des Stolls konnte wahlweise auch in einen Mühlgraben und in die Striegis geleitet werden. So konnte das Wasser auf vielfältige Weise von den Mühlen oder als Aufschlagwasser genutzt werden. Der Thelersberger Stolln verlor seine Bedeutung durch den Bau des Rothschönberger Stollns sowie durch den Niedergang des Erzbergbaus am Ende des 19.Jahrhunderts.
Etwa 30m vom Wasseraustritt entfernt auf etwas höherem Niveau befindet sich das Mundloch des Thelersberger Stollns. Der Stolln wurde um 1520 in Ost- bzw. Südostrichtung im Stollnspat, einem Gang ohne klaren Formationscharakter, vorangetrieben. Der sonst sehr feste Gneis war im Bereich dieses Ganges zerrüttet und zersetzt. Die Gesamtlänge des Thelersberger Stollns einschließlich seiner Stollnflügel beträgt mehr als 50km.
 
 
 Mundloch des Thelersberger Stollns
Mundloch des Thelersberger Stollns

InformationstafelInformationstafel

 Gneisfelsen
Innerer Graugneis
 

Station 17: Gneisfelsen oberhalb der Straße

Der Weg führt jetzt links neben dem Mundloch des Thelersberger Stollns eine ca. 5m lange schmale Treppe hinauf zur Straße nach Oberschöna, in nördlicher Richtung. Auf der Strecke zur Schrödermühle befindet sich etwa 50m oberhalb der Straße im Wald ein Felsen. Er ist etwa 15m hoch, 20m lang und 10m breit. In einem kleinen Steinbruch an seiner Süd-Westseite wurde früher der feste Gneis abgebaut. Der Felsen, der aus innerem Graugneis (auch als Freiberger Kerngneis bezeichnet) besteht, ist ein Gneishärtling, welcher bei der Talbildung stehen geblieben ist.
 
   
 Schrödermuehle
Pension Schrödermühle
 

Station 18: Schrödermühle

Unterhalb des Felsens führt der Weg weiter in Richtung Oberschöna. Auf der linken Seite der Straße befindet sich die Schrödermühle, eine ehemalige Wassermühle. Das Gefälle der Striegis am Oberlauf, zwischen Langenau und Wegefahrt, ließ die Wassernutzung durch zahlreiche Mühlen zu (vgl. Station 19 und 25). Gegenüber der Schrödermühle, etwa in Höhe der Straße befand sich ein alter Stolln, der auf einem Spatgang angelegt war.
Heute befindet sich auf dem Gelände eine Pension mit Heuhotel. Die großzügigen Sport- und Spielflächen sowie das umfangreiche Angebot an Wanderwegen bieten ideale Freizeitmöglichkeiten und sind besonders für Klassen und Familien geeignet.
 Ölmühle
Ölmühle

 
Blick in den oberen Steinbruch
 

Station 19: das Striegistal bei der Ölmühle

An dieser Stelle kann man eine Vorstellung davon bekommen, wie das Striegistal entstanden ist. Nachdem sich das Erzgebirge im Känozoikum angehoben hatte, schnitt sich die Striegis , unter Nutzung der bruchtektonischen Störungen, in den Gneis ein und suchte sich ihren Lauf nach Norden. Durch Mäanderbildung verbreiterte sich das ursprünglich V-förmige Tal in ein U-förmiges Tal. Die Mäander sind stellenweise noch zu sehen, an vielen Stellen wurde der Verlauf der Striegis jedoch begradigt. Fluviatile Ablagerungen wie Auelehm, Sand und Kies sind am ursprünglichen Bachufer manchmal angeschnitten.
Im Striegistal bei Oberschöna gab es zahlreiche Bergbauversuche, welche in der Freiberger Gangkarte von Weinhold (1866) eingetragen waren. Etwa 400m weiter talabwärts kurz vor der Bücke über die Striegis geht ein Weg rechts bergauf. Kurz vor dem Steilanstieg des Weges sollen früher der Stolln "Brüderliche Liebe" und ein zweiter unbekannter Stolln dem Bergbau gedient haben.
 
  
 

Station 20: Geländeübersicht Steinberg

Der Lehrpfad führt im Striegistal auf der Dorfstraße etwa 700m weiter und biegt dann rechts auf einen Weg zum Steinberg ein. Die Geländeerhebung des Steinberges ist durch mächtige Quarziteinlagerungen im inneren Graugneis (Freiberger Kerngneis) verursacht worden. Die Quarzite ragen als Kuppen über die alte Verebnungsfläche hinaus. An dieser Stelle kann man gut erkennen wie sich die frühere Verebnungsfläche nach Norden und Nordwesten ausbreitet und nach Süden und Südwesten in Richtung Langenau / Kirchbach leicht ansteigt. Waldeinwärts kann man in den oberen Steinbruch hineinblicken.

mittlerer Steinbruch

Station 21: mittlerer Quarzitbruch 

Dank seiner guten Härte und Verwitterungsbeständigkeit war Quarzit gut als Baustein, Pflasterstein und Schotter einsetzbar. Auch in der Metallurgie (im Bergbau- und Hüttenkombinat "Albert Funk") kam der Quarzit auf Grund seines hohen Quarzgehaltes und des Fehlens von schädlichen Beimenungen zum Einsatz. Nach 30 Jahren Abbau wurde jedoch der Steinbruch geschlossen, da die Verunreinigungen zunahmen und immer größere Mengen Abraum zu bewältigen waren.
Die Quarzitbänke und der Quarzitschiefer fallen mit etwa 30° nach Westen ein. Auch die Klüftung des Quarzitgesteins ist gut zu erkennen. An manchen Stellen treten auch Störungszonen auf, welche an dem zerrütteten und teilweise geröteten (Hämatit) Gestein zu erkennen sind.
Früher führte ein Förderstolln vom mittleren zum oberen Steinbruch (s. Abb. 7).

  
 

Station 22: unterer Quarzitbruch

Dieser Steinbruch ist kaum noch zu finden. Am Häufigsten trifft man dort auf Quarzitschiefer mit verschieden großen Anteilen an Feldspat und Glimmerlagen (Muskovit).
 
 
Lageskizze - Quarzitbrüche Oberschöna
Profil - Quarzitbrüche Oberschöna
Abb.7: Lageskizze und Profil - Quarzitbrüche Oberschöna

Station 23: Denkmalgeschützte Gebäude

Entlang der Dorfstraße sind einige Fachwerkhäuser wieder sehr schön rekonstruiert. Auf der rechten Straßenseite befindet sich eine alte Trafostation, welche ebenfalls im Fachwerkstil errichtet wurde. Solche Trafostationen entstanden zu Beginn dieses Jahrhunderts, als man mit der Elektrifizierung begann. Heute sind wenige dieser Trafostationen als technisches Denkmal erhalten. 
 
 alte Trafostation in Oberschöna
alte Trafostation in Oberschöna
 Fachwerkhaus in Oberschöna
Fachwerkhaus in Oberschöna
 
 
 

Station 24: Gneis unterhalb der B 173

In diesem Aufschluß befindet sich nach der geologischen Karte der Übergangsbereich zwischen innerem und äußerem Graugneis. Eine Unterscheidung der Gneise ist jedoch ohne weiteres nicht möglich. (siehe auch innerer und äußerer Graugneis).
Am östlichen Hang des Striegistales deutet das unebene Gelände auf ein altes Bergbaugebiet hin. Nur wenige Meter über der Talaue befanden sich mehrere heute vollständig verbrochene Stolln, in denen die dort befindlichen Erzgänge untersucht wurden.
 ehemalige Wassermühle
ehemalige Wassermühle
 

Station 25: ehemalige Wassermühle

Neben der Nutzung der Wasserkraft im Bergbau als Aufschlagwasser für die Kunstgezeuge, wurde die Wasserkraft der Flüsse und Bäche (Mulde, Striegis, Münzbach) im großem Umfang durch zahlreiche Mühlen genutzt. Diese Mühle hat in der Zwischenzeit (nach der Wende) ihren Betrieb eingestellt. Der Mühlgraben wurde verfüllt und ist nur noch im Ansatz erkennbar.
 
 
 
 Grubenfeld in Oberschöna
Abb.8: Grubenfeld in Oberschöna
 

Station 26: Altbergbau unweit der Striegisbrücke

Kurz vor der Striegisbrücke, etwa 30m vor der Kreuzung der Dorfstraße mit der B173 befindet sich unterhalb der Dorfstraße ein auffälliger Wasseraustritt. Der braunrote Schlamm auf der Wiese weist auf Stollnwasser hin, dessen Eisengehalt bei Luftzutritt ausgefällt wird. Wahrscheinlich handelt es sich um das Mundloch des König Salomon Stollns. - So wurde es 1986 von Dr. Bernstein beschrieben. Heute ist dieser Wasseraustritt leider nicht mehr festzustellen. Die Ausfällung von Eisen ist aber am Wasseraustritt des "Neuer Segen Gottes" Stolln (vgl. Abstecher vor Station 16) gut zu erkennen.

Station 27: ehemalige Grube "Unverhoffter Segen Gottes"



Profil - Grube Unverhoffter Segen Gottes mit Radstube
Abb.9: Profil - Grube Unverhoffter Segen Gottes mit Radstube
 Bereits in den Jahren 1973-1975 wurde die 1790-1792 erbaute Radstube der Grube "Unverhoffter Segen Gottes" vom VEB Bergsicherung Schneeberg zur Besichtigung hergerichtet. Seit 1991 wird die Schauanlage von der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft e.V.* gepflegt und betreut. Die folgenden Grubenbaue sind noch zu besichtigen: die Abzugsrösche, der Schachtbereich, die Radstube und zwei Abbaubereiche. In der sogenannten "Steigerstube", einem gegenüber dem Stolln gelegenen Raum, kann man weiteres Anschauungsmaterial zur Geschichte und zur Anlage finden.
Eine Besichtigung ist jeweils am 1. Sonntag im Juli zum Tag des Berg- und Hüttenwesens oder mit Voranmeldung beim Verein* möglich.

Die geologische Situation im Bereich der Radstube ist durch einen Erzgang der edlen Quarzformation, welche der kb-Formation sehr ähnelt, charakterisiert. Dieser Erzgang, als Anfang des Glücks Spat bezeichnet, durchschlägt den äußeren Freiberger Graugneis und beeinflußte ihn sehr stark durch tektonische Zerrüttung und hydrothermale Zersetzung. Der Erzgang weist ein Generalstreichen von etwa 130° auf und fällt mit etwa 60° nach SW, zur Striegis hin, ein (vgl. Abb.9).
Der Kunstschacht wurde im Einfallen des Erzganges geteuft, d.h. er ist tonnlägig. Im Kunstschacht befanden sich die sogenannten Kunstsätze (Pumpen), welche durch das dahinterliegende Kunstrad über ein hölzernes Gestängesystem betrieben wurden. Über den ebenfalls tonnlägigen Haspelschacht, direkt neben dem Kunstschacht, erfolgte die Erzförderung. Das Wasser zum Betreiben des Kunstrades wurde über einen 4,4 km langen Kunstgraben vom Thelersberger Stolln herangeführt. Anschließend wurde das Wasser über den Stolln, der gleichzeitig als Abzugsrösche diente, in den Abzugsgraben der Erzwäsche und danach in die Striegis geleitet.

* Link auf andere Webseite

 

Station 28: Geländeübersicht Erzbergbau Oberschöna/Wegefahrt

 
 Halden im Obnerschönaer Bergbaugebiet
Halden im Obnerschönaer Bergbaugebiet
 Am Ortsausgang von Oberschöna in Richtung Frankenstein sind in Richtung Nordost auf dem gegenüberliegenden Talhang zahlreiche mit Bäumen bewachsene Halden des Grubenfeldes "Unverhoffter Segen Gottes" zu sehen. Die Anordnung der Halden zu mehreren Haldenzügen ist gut zu erkennen. Der Verlauf und die Bezeichung der entspechenden Gänge ist in Abb.8 (Station 26) ersichtlich. 
  
 
 

Station 29: Paul Schacht

 
 Paul Schacht
Paul Schacht
 Wir befinden uns jetzt auf der Straße Richtung Frankenstein. Vor dem letzten Haus von Oberschöna auf der linken Seite der Straße führt ein Feldweg direkt zum Paul Schacht.Im Gebiet um den Paul Schacht (vgl. Abb.8) kann man mehrere Gänge der kb-Formation finden. Diese wurde früher in verschiedenen Stolln im Haselbachtal und später in Schächten (Paul-, Theodor-, Müller-Schacht) abgebaut.Hangabwärts befindet sich der Theodor-Schacht, dessen Halde an der Südwest-Seite teilweise abgetragen wurde. Neben dem äußeren Graugneis treten dort Erzminerale, Flußspat und Quarzvarietäten auf.

Station 30: Straßenübergang Haselbachtal

Das Haselbachtal stellt mit seinen wasserdurchlässigen Fluvatilsedimenten ein Wassereinzugsgebiet dar. Das Grundwasser stammt aus einem Nebental. Der Haselbach hat sich an dieser Stelle relativ tief eingeschnitten. An der Uferböschung des Haselbaches kann man unter der Humusdecke Gehängelehm finden, weiter bachabwärts Auelehm. Im Lehm befinden sich eingelagerte Gangquarzstücke, unter dem Lehm steht plattiger Gneis an.
  
Halde über dem Christian Stolln
Halde über dem Christian Stolln
 Haselbach
Haselbach
 
  

Station 31: Bahnhof Frankenstein

 
Bahnhof Frankenstein
Bahnhof Frankenstein
Hier endet der 1. Teil des geologischen Lehrpfades (GLP). Mit der Bahn geht es zurück nach Freiberg.