AKOP - Arbeitsgemeinschaft für Organische Petrologie

Die vormalige Kohlenpetrographische Arbeitsgemeinschaft wurde thematisch erweitert.

AKOPDie 60. Sitzung der Kohlenpetrographischen Arbeitsgemeinschaft, die am 21. November 1995 im Geologischen Landesamt für Nordrhein-Westfalen in Krefeld in Anwesenheit eines der Gründungsmitglieder Frau Dr. M. Teichmüller stattfand, war Anlass, sich über die Arbeit der Kohlenpetrographischen Arbeitsgemeinschaft Rechenschaft abzulegen und ihre Ziele neu zu bestimmen. Viele der heute kohlenpetrographisch oder -geologisch Tätigen kennen Ursprung und Werdegang dieses losen Zusammenschlusses von Kohlenwissenschaftlern nicht mehr, deshalb soll seine Geschichte hier kurz geschildert werden.


Vor nunmehr 70 Jahren fand sich am 9. und 10. März 1944 ein kleiner Kreis von Fachleuten »in der traditionsreichen Atmosphäre des weltberühmten brennstoffgeologischen Institutes der Bergakademie Freiberg zusammen«, wie es in der 1.Sitzungsniederschrift heißt, um unter Leitung von Professor Jurasky (Bergakademie Freiberg) und der Geschäftsführung von Dr. Kühlwein (Bergbauverein, Essen) die Kohlenpetrographische Arbeitsgemeinschaft aus der Taufe zu heben. An der Sitzung nahmen außerdem teil: Dr. Raschka (Berlin), Dr. Rode (Kattowitz), Frau Dr. Teichmüller (Berlin), Dipl.-Ing. Abramski, Dr.-Ing. Krüpe und Fräulein Dr. Mackowsky (Essen).

Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft sollte sein, den Erfahrungsaustausch zu pflegen, klare Definitionen für Macerale und Streifenarten (Mikrolithotypen) zu schaffen und einheitliche Richtlinien für kohlenpetrographische Analysenmethoden zu erarbeiten.

Schon während der 1. Sitzung wurde mit der Arbeit im Sinne der Zielsetzung begonnen. »Gemeinsames Mikroskopieren«, Tagesordnungspunkt 3, war die Geburtsstunde des »Atlas für Angewandte Steinkohlenpetrographie« (1951), denn es wurde vorgeschlagen, »daß von der Forschungsstelle des Bergbauvereins Essen eine Veröffentlichung herausgebracht wird, in der anhand von umfangreichern Bildmaterial die Erfahrungen bei der kohlenpetrographischen Analyse so zusammengestellt werden, daß es einem Anfänger möglich ist, sich anhand dieses Leitfadens ein verhältnismäßig eindeutiges Bild über die Erscheinungsweise der Kohlenbestandteile zu machen«.

Eine weitere Sitzung konnte vor Kriegsende nicht mehr stattfinden. Auch die Verhältnisse unmittelbar nach dem Krieg machten weitere Sitzungen vorerst unmöglich. Es vergingen 4 1/2 Jahre, bis sich die Kohlenpetrographische Arbeitsgemeinschaft zur wiederum als 1. Sitzung bezeichneten Veranstaltung am 9. Dezember 1948 in Essen traf. Den Vorsitz übernahm Bergassessor a.D. Dr.-Ing. habil. F L. Kühlwein, die Geschäftsführung lag bei Dr. M.-Th. Mackowsky.
Von 1948 an tagte die Kohlenpetrographische Arbeitsgemeinschaft ein- bis zweimal jährlich in Essen. Der Teilnehmerkreis war weit gespannt und bestand aus Geologen, Mineralogen, Markscheidern, Berg- und Aufbereitungsingenieuren sowie Chemikern. Ab 1950 nahmen auch Fachkollegen aus dem nahen Ausland teil.

Auf der 8. Sitzung 1953 löste Dr. E. Hoffmann den bisherigen Vorsitzenden Dr. Kühlwein ab, da, bedingt durch eine Umorganisation im Ruhrbergbau, ein Vertreter der Bergbaugesellschaften in Zukunft den Vorsitz übernehmen sollte. Der Aufbereiter Dr. Hoffmann und die Mineralogin Dr. Mackowsky als Geschäftsführerin ergänzten sich in idealer Weise. Von beiden wurden die 1944 gesteckten Ziele der Kohlenpetrographischen Arbeitsgemeinschaft weiter verfolgt. In diese Zeit fällt auch die Herausgabe des Internationalen Lexikons für Kohlenpetrologie durch die Internationale Kommission für Kohlenpetrologie (ICCP), an dessen Zustandekommen die Mitglieder der Kohlenpetrographischen Arbeitsgemeinschaft maßgeblich beteiligt waren.

Zwischen der 35. Sitzung am 24.6.1969 und der 36. Sitzung am 24.11.1978 ruhte die Kohlenpetrographische Arbeitsgemeinschaft, denn bei der Neuregelung des Ausschusswesens beim Steinkohlenbergbauverein 1969/70 fand sich kein angemessener Platz für sie. Die Kohlenpetrographische Arbeitsgemeinschaft wurde aber nie aufgelöst, sie hat nur nicht getagt. 1978 wurde das Ausschusswesen nochmals neu geordnet, und es ist der Initiative von Dr. Juranek, damals Leiter der Hauptabteilung PC (Qualitätsstelle) der Ruhrkohle AG Essen, zu verdanken, dass die Kohlenpetrographische Arbeitsgemeinschaft nach neun Jahren wieder aktiv wurde. Man beschloss, sie dem Fachausschuss für Analytik von Rohstoff und Produkten anzugliedern und vom Arbeitskreis Kohlenpetrographie betreuen zu lassen.

Auf dieser 36. Sitzung gab Dr. E. Hoffmann nach 25 Jahren den Vorsitz an Dr. Juranek weiter. Gleichzeitig beendete auch Frau Prof. Mackowsky ihre 30-jährige Tätigkeit als Geschäftsführerin. Ihre Aufgaben übernahm Frau Dr. Wolff-Fischer. Dr. Juranek setzte den so erfolgreichen Erfahrungsaustausch der fünfziger und sechziger Jahre fort. Für Ihn war die Kohlenpetrographische Arbeitsgemeinschaft »ein Forum, um Wissen zu vermitteln, Ziele zu formulieren und zu forschen« (Niederschrift der 36. Sitzung).

Nach dem Tod von Dr. Juranek im Jahre 1987 wurde Frau Dr. Wolf, RWTH Aachen, vom Arbeitskreis Kohlenpetrographie zur Vorsitzenden gewählt, und nach der Pensionierung von Frau Dr. Wolff-Fischer ging 1991 die Geschäftsführung an Dr. Wartmann über.

In den letzten Jahren haben viele Ereignisse die Geschichte der Kohlenpetrographischen Arbeitsgemeinschaft beeinflusst. Schon seit 1990 konnten Kollegen aus den neuen Bundesländern an den Sitzungen teilnehmen, die Arbeitsgemeinschaft verlor damit ihren rein westdeutschen Charakter. Einschneidend war die Umwandlung der Bergbauforschung GmbH, Essen, die über mehrere Jahrzehnte alle Sitzungen ausrichtete, in die Deutsche Montan Technologie (DMT) und deren weitere interne Umgestaltung, die zur Auflösung der kohlenpetrographischen Arbeitsgruppe in diesem Hause führte. Damit schwand das Interesse an der Arbeit der Kohlenpetrographischen Arbeitsgemeinschaft. Seit 1993 finden deshalb die Sitzungen auf Einladung einzelner Mitglieder bzw. deren Organisationen oder Firmen wieder an verschiedenen Orten statt, wie es auch ursprünglich geplant war. Es ist sicher als gutes Omen anzusehen, dass gleich die erste außerhalb Essens stattfindende Sitzung am 29. und 30. April 1993 in die Niederlausitz nach Senftenberg führte.

Der Inhalt der Vorträge hat sich mit der Zeit gegenüber den ursprünglichen Intentionen etwas verschoben. Neben der Kohlenpetrographie i.e.S. wird über die Anwendung kohlenpetrographischen Wissens in anderen geologischen Bereichen (z. B. Erdölprospektion oder Tektonik), im Umweltschutz, der Staubforschung usw. berichtet. Auch sind Vorträge, die die Petrographie organischer Reste und die organische Geochemie dieser Bestandteile miteinander verknüpfen, in den Themenkatalog aufgenommen worden.

Im Herbst 1995 ist beschlossen worden, den alten Namen in Arbeitsgemeinschaft für organische Petrologie umzuwandeln. Das soll der Ausweitung kohlenpetrographischer Arbeiten Rechnung tragen, um einen größeren Kreis von Wissenschaftlern auf die Aktivitäten aufmerksam zu machen, und der Arbeitsgemeinschaft den Weg in die Zukunft bahnen.

Prof. i.R. Dr. Monika Wolf, Krefeld; Dr. Evamarie Wolff-Fischer, Essen



Niederschriften der jährlichen AKOP-Treffen

 

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