Archäometrie

Neben Grundlagenforschungen zur Nutzung von Isotopenverhältnissen bei der Herkunftsbestimmung historischer Objekte werden diverse Fragestellungen aus der aktuellen Forschung in Kooperation mit Museen und dem Landesamt für Denkmalpflege Niedersachsens bearbeitet.

Bei einer ganzen Reihe von Elementen des Periodensystems variieren die Verhältnisse ihrer Isotope aufgrund physikalischer und chemischer Effekte während der Gesteinsbildung, aber auch im Verlauf von Verarbeitungsprozessen bei der Gewinnung dieser Elemente aus ihren Erzen. Eine möglichst präzise Bestimmung dieser Isotopenverhältnisse sowie eine Aufklärung der Prozesse, die zu Isotopenvariationen führen können erlauben es unter günstigen Umständen bei historischen Objekten Rückschlüsse auf die Quellen der verwendeten Rohstoffe oder eingesetzte technologische Prozessschritte bei der Herstellung der Objekte zu ziehen. Systematische Untersuchungen wurden hierzu an den Isotopensystemen Blei, Osmium und Zinn durchgeführt.

In Kooperation mit Museen in Deutschland und Europa sowie dem Landesamt für Denkmalpflege Niedersachsen wurden und werden eine Vielzahl unterschiedlicher Fragestellungen bearbeitet, darunter auch die folgenden 

  • Bestimmung von Schadensursachen an Prägestempeln für Medaillen
  • Einflüsse auf die Lagerung von historischen Moorleichen im Moor
  • Zusammenhang zwischen Legierungszusammensetzung und Prägedatum/Prägeanstalt historischer Münzen
  • Herkunft von Glasperlen aus Grabungen im Heiligen Land
  • Bestimmung von Pigmenten in Gemälden zweifelhafter Herkunft oder Datierung
  • Identifizierung historischer Restaurierungsmaßnahmen an mittelalterlichen Kunstobjekten (z.B. Hildesheimer Domschatz)
  • Einfluss von Oberflächenstruktur und Korrosionseffekten auf die Quantifizierung der Zusammensetzung metallischer Objekte mittels Röntgenfluoreszenzanalyse

 

links: Perlenstrang aus der Frühjahrsgrabung 2009 auf dem Tall Zira’a (Foto: HTW Berlin). Mitte: Perlen aus der Sammlung des Allard Pierson Museum Amsterdam, von oben nach unten: Perlen aus Indien, aus Fustat (Ägypten), Chevronperlen aus Venedig, Perlen aus Amsterdam (Fotos: Vogt). Rechts: Foto und Elementverteilungskarte (µ-RFA) für eine Perle vom Tall Zira’a (blaues Glas: Cobalt, weiße Streifen: Bleiweiß und Zinn) (Fotos: HTW Berlin, Elementverteilungskarten: Schulze)

 

Clusteranalyse für 124 Glasperlen aus dem Allard Pearson Museum in Amsterdam (22 Elemente: P, S, Cl, K, Ca, Ti, Cr, Mn, Fe, Ni, Cu, Zn, As, Se, Cd, Sn, Sb, Pb, Co, Rb, Sr, Zr, keine Wichtung, Clustermethode: Quadratsummen). Die Perlen entstammen Venetianischer (V: 23 Perlen) oder Amsterdamer (A: 101 Perlen) Fertigung. Die Clusteranalyse ermöglicht bereits ohne zusätzliche mathematische Operationen eine eindeutige Unterscheidung beider Herkunftsorte

 

Kooperationspartner

  • Dr. H. Haßmann, Dr. A. Bauerochse, Landesamt für Denkmalpflege Niedersachsen
  • Prof. D. Vieweger, Universität Wuppertal sowie Deutsches Evangelisches Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes Jerusalem
  • Erich Kästner Museum Hannover
  • Dommuseum Hildesheim
  • Bergbaumuseum Bochum
  • Allard Pearson Museum in Amsterdam
  • Sächsisches Landesamt für Archäologie, Dr. Hemker