Rezensionen

zu Schönfelder, Bruno (2012): Vom Spätsozialismus zur Privatrechtsordnung. Eine Untersuchung über die Interdependenz zwischen Recht und Wirtschaft am Beispiel von Gläubigerschutz und Kredit. Berlin: Berliner Wissenschaftsverlag.

Rezenzent: Melčić, Dunja

erschienen in Časopis za suvremenu pojivest 1 (Zagreb 2014).

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Ipak, na početku treba dati osnovne podatke o djelu. 
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Spomenuti naslovi i podnaslovi sugeriraju suhoparnu lektiru; ne treba se povesti za tom sugestijom. Štivo je naime općenito veoma zanimljivo i, suprotno toj sugestiji, ugodno za čitanje: čitatelj odnosno čitateljica dobivaju lucidne analize složenih gospodarskih odnosa, pregled aktualnih ekonomskih postavki iz najnovije stručne literature, jezgrovit prikaz klasičnih socio-ekonomskih teorija i tipologija (Max Weber) kao i specifi čnih razmatranja postkomunističkih gospodarskih situacija te perspektiva mogućega razvoja, uključujući – uglavnom pogrešne – prognoze glede postkomunističke budućnosti. Širina pogleda i globalnoga kulturno-povijesnog konteksta daje djelu sasvim posebnu kvalitetu – ne baš uobičajenu na ovom području; to vrijedi i za autorov suptilni humor, koji je recenzentici priuštio osobito zadovoljstvo. 
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Kod našega autora upada u oči da kreativno primjenjuje tu Luhmannovu metodu promatranja…
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Taj evolucijski spoznajni postupak okosnica je Schonfelderova ogleda i donosi, posebno u dijelu koji se bavi Hrvatskom, iznimno plodne rezultate, čime ćemo se poslije pobliže pozabaviti
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Rezensent: Küpper, Herbert 

erschienen in Jahrbuch für Ostrecht 53/2 (2012).   

In vielen postsozialistischen Rechtsordnungen sind das Erbe der Vergangenheit und die Grundlagenentscheidungen der Übergangszeit noch deutlich spürbar. Die Transformation ist noch nicht abgeschlossen, hat sich noch nicht erledigt. Daher sind Studien wie die vorliegende, die sich mit dem Übergang vom sozialistischen zum postsozialistischen Recht befassen, keineswegs rein rechtshistorischer Natur, sondern für das Verständnis des heutigen Rechts und der heutigen Rechtskultur unerlässlich.Dabei bildet die Spezifik des sozialistisch-postsozialistischen Übergangs keineswegs den Ausgangspunkt des vorliegenden Werkes. Es geht vielmehr von allgemeinen rechtssoziologischen und rechtsökonomischen Thesen aus, die es anhand einiger Fallbeispiele aus Osteuropa - Bulgarien, Kroatien, Slowakei und Tschechien - empirisch überprüft. Zentrale Fragestellungen sind das Verhältnis von Markt (wirtschaftlicher Freiheit) und rechtlichem Ordnungsrahmen der Marktfreiheit und das Problem, welcher Faktor welchen bedingt: Entsteht ein marktwirtschaftskonformer Rechtsrahmen, weil Marktfreiheit herrscht (hier als "palöoliberale" These bezeichnet), oder wird die Marktfreiheit durch einen adäquaten rechtlichen Rahmen erst geschaffen (institutionalistische These)? Dieser Frage kann normalerweise nur durch die Betrachtung mehrhundertjähriger Zeiträume nachgegangen werden. Der postsozialistische Übergang, die Freigabe von Märkten fast von einer Sekunde auf die andere und eine begleitende Gesetzgebung liefern als historischer Sonderfall wertvolles empirisches Material, das Schönfelder dahin gehend deutet, dass er entgegen der institutionalistischen Mehrheit die Wirtschaft und ihre Freiheit als Ausgangspunkt und das Entstehen eines passenden Regelungsrahmens als deren Folge sieht. 

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Schönfelder hat den vorliegenden Band v. a. für Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler geschrieben. Dennoch ist er über weite Strecken auch für Juristen, insbesondere für Ostrechtler, gut und mit Gewinn lesbar. Hervorzuheben ist der Ansatz, allgemein gültige rechtssoziologische und rechtsökonomische Theorien anhand von osteuropäischen Fallbeispielen zu analysieren. Dadurch verbindet sich auf interessante Weise das Allgemeingültige mit den Spezifika eines historisch einmaligen Totalumbruchs von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Auch der Ostrechtler sieht so manches Bekannte in einer neuen, über die Region hinausweisenden Perspektive.

 

Rezensent: Sterbling, Anton

erschienen in OSTEUROPA 09/2013.

Der für viele Sozialwissenschaftler unerwartete und fast für alle unerwartet rasche Niedergang des Kommunismus und der sozialistischen Zentralplanungs- und Kommandowirtschaft Ende der 1980er Jahre hat nicht nur die praktische Politik, sondern auch die einschlägigen Wissenschaften vor komplizierte Fragen gestellt. Was vordergründig als Problem des Institutionenwandels hin zu demokratischen, rechtsstaatlichen, marktwirtschaftlichen und pluralistischen Strukturen „offener“ Gesellschaften behandelt wurde, verwies auf grundsätzlichere Fragen der Konstruktion sozialer Ordnungen und nicht zuletzt der Ausgestaltung des Verhältnisses von Rechts- und Wirtschaftsordnung.

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Es ist als ein großes Verdienst von Bruno Schönfelder zu betrachten, dass er sich solchen grundsätzlichen Fragen der Wirtschafts- und Rechtsordnung am Beispiel von vier ostmittel- und südosteuropäischen Staaten, unter Berücksichtigung des Zeitraums 1989 bis 2006, in einer mustergültigen Weise zugewandt hat. Schönfelder grenzt die Untersuchung ein auf den Gläubigerschutz und das Kreditwesen, ein Kernbereich marktwirtschaftlicher Beziehungen, deren Funktionieren oder Deformation von weitreichender Bedeutung für das gesamte Wirtschaftssystem sind. Als Fallstudien behandelt er Tschechien, gleichsam als zentrales Referenzmodell, die Slowakei, Bulgarien und Kroatien eingehend.

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Die Schlussfolgerungen, zu denen Schönfelder gelangt, sind zum Teil überraschend, was zum Beispiel die Relevanz und Reichweite der Rechtssicherheit für die wirtschaftlichen Entwicklungen, aber auch, was die Durchsetzung des Prinzips funktionaler Differenzierung betrifft, gleichwohl aber durch die be-handelten Fallstudien empirisch gründlich belegt, so dass man es mit einer wissenschaftlichen Untersuchung zu tun hat, die auf empirischer Grundlage zu neuen und zugleich aufschlussreichen theoretischen Erkenntnissen führt. Dieses Buch sollte als Pflichtlek-türe für Studierende und Nachwuchswissen-schaftler der Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaften, insofern sich diese schwerpunktmäßig mit Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa beschäftigen, gelten. Nicht nur der vielen wichtigen und teilweise neuen Einzelerkenntnisse, sondern auch der mustergültigen Verknüpfung von kontroversen politischen Ausgangsfragen, trefflich herausgearbeiteten grundlagentheoretischen und theoretischen Leitvorstellungen sowie der systematisch und kenntnisreich entwickelten empirischen Fallanalysen wegen.

 

Rezensent: Hulsmann, J. G.

Kundenrezension vom 4.2.2013 auf amazon.de

"Bruno Schönfelder hat ein Meisterwerk verfasst. Er vereint in seiner Person eine sehr seltene Kombination von Kompetenzen, die ihn für sein Thema geradezu prädestinieren: (a) Er ist ganz auf der Höhe der einschlägigen theoretischen Arbeiten. (b) Er besitzt profunde Kenntnisse der Geschichte und der Institutionen der von ihm untersuchten Länder. (c) Er beherrscht die Landessprachen und kann sich daher auch mit den Arbeiten der osteuropäischen Forscher auseinandersetzen. Die meisten volkswirtschaftlichen Untersuchungen zur Transformationsproblematik sind von Autoren verfasst, denen zumindest eine dieser Kompetenzen fehlt. Die Ergebnisse dieser "Forschungen" sind dementsprechend oberflächlich, nichtssagend und häufig auch einfach falsch.


Schönfelder vertritt originelle und wichtige Thesen, die er zunächst theoretisch untermauert und deren Richtigkeit er anschließend in eingehenden Fallstudien dem Leser vor Augen führt. Er verzichtet auf algebraischen Hokuspokus. Er quetscht seine Informationen auch nicht in das ökonometrische Prokrustesbett. Er schreibt klar und denkt klar, und seine Ausführungen durchzieht ein feiner Humor. Sein Buch liefert theoretische Beiträge und Anregungen, die weit über das Feld der Transformationsstudien hinausweisen, und es ist ein Meilenstein der Wirtschafsgeschichte Osteuropas.

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Rezensent: Klaus Schrameyer, Bornheim

erschienen in SÜDOSTEUROPA Mitteilungen 01/2013, S. 126f.

"Ein faszinierendes Buch über die Wechselwirkung von Recht und Wirtschaft, geschrieben von einem juristischen Außenseiter, einem studierten Slawisten und Ökonomen, der den Lehrstuhl für WWL [sic] an der TU Bergakademie Freiberg innehat. Dies führt zu einem frischen Blick auf altbekannte juristische Sachverhalte. Ein auch vom Umfang beeindruckendes Buch (über 1100 Seiten), das man sich anfangs wegen seiner Dicke zu öffnen scheut - in dessen unwiderstehlichen Sog man aber sofort gerät und es immer weniger bereut, dass man sich hat mitreißen lassen. Dazu trägt auch die klare, gut lesbare Sprache bei.

Ein vom Inhalt brandaktuelles Buch zum Thema: Wie entsteht Rechtlosigkeit, wie kann man Rechtlosigkeit beseitigen und wie wirkt sich Rechtlosigkeit auf die Wirtschaft aus (S. 2)? Dies alles exemplifiziert Schönfelder an der so genannten Transformation der exsozialistischen Staaten. Die Wechselwirkung von Recht und Wirtschaft ist indes ein riesiges Thema. Deshalb hat sich Schönfelder auf den Bereich Gläubigerschutz und Kredit beschränkt: Denn Kredit und seine Beitreibung gehören zu den wichtigsten Institutionen des Kapitalismus (S. 7).

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Der theoretische Bezugsrahmen enthält keine juristische oder ökonomische, sondern eine "sozialtheoretische Betrachtung" (S. 12). Schönfelder stellt dabei fest, dass die Interdependenz zwischen Marktwirtschaft und Rechtsstaat wenig erforscht sei. Zwischen beiden Fächern bestehe eine Art "Niemandsland" (Hayek). Ausgehend von Max Weber und der Freiburger Schule (Böhm, Hayek, Eucken) wählt er das Spätwerk Luhmanns als den passenden Rahmen aus. Max Weber und die Freiburger Schule könnten "durch eine Brille gelesen werden, die Luhmann in seinen letzten Lebensjahren gefertigt hat", und zwar im "Recht der Gesellschaft" (1995) und in "Die Gesellschaft der Gesellschaft" (1998).

Schönfelder äußert sich sehr kritisch über das westliche Herangehen an die Transformation: "Die Art und Weise, wie die postkommunistische Rechts- und Justizreform in den ersten Jahren der Transformation (im Westen) erörter wurde, war in aller Regel banal und substanzlos" (S. 70). Jedoch: "Zum Glück waren die ostmitteleuropäischen Reformregierungen in juristischen Dingen nicht so inkompetent wie die westlichen Einlassungen" (S. 72).

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Insgesamt ein überaus anregendes Buch - dank seines multidisziplinären Ansatzes, mit einer ungeheuren Faktenfülle, aber auch neuen Antworten auf alte Fragen."