BMBF-Projekt: Innovationsforschung

Seit dem 1. September 1999 förderte das BMBF das am Institut für Wissenschafts- und Technikgeschichte der TU Bergakademie Freiberg angesiedelte Forschungsprojekt "Die Rolle der Hochschulen im Innovationssystem der DDR und der Bundesrepublik zwischen 1945 und 1990 – ein Systemvergleich". Ab dem 1. Februar 2002 bearbeitete Frau Dr. Christine Pieper das Projekt.

Das Projekt war Teil des Forschungsverbundes "Innovationskultur in Deutschland". Ziel des Forschungsverbundes ist es, ein historisch-methodisches Gerüst für die Untersuchung der deutschen Innovationskultur am Beginn des 21. Jahrhunderts zu schaffen, das als Grundlage empirischer Arbeit für die Politikberatung dienen kann.
Gleichzeitig soll dieses im Entstehen begriffene Gerüst genutzt werden, um im Dialog von Theoriebildung und Empirie erste, wichtige Ergebnisse zur Lösung besonders virulenter Fragen der aktuellen Forschungs- und Bildungspolitik zu liefern. Großes Gewicht legt der Forschungsverbund auf die Analyse und Bewertung der Hochschulen, die trotz ihrer überragenden Bedeutung für das nationale Innovationssystem bislang nur wenig untersucht worden sind.

Hier setzte das Freiberger Projekt an. Ziel des Forschungsvorhabens war es, an besonders innovativen Wissens- und Technologiebereichen zu untersuchen, wie die bundesdeutschen und die DDR-Hochschulen den Innovationsprozess durch die Kanonisierung des Wissens in neuen Disziplinen prägten. Die auf Archivrecherchen gestützten Beispielstudien zur Etablierung der Disziplinen Verfahrenstechnik, Informatik und Biotechnologie in Ost- und Westdeutschland gewähren Einblicke in die Handlungsmöglichkeiten der Hochschulen und zeigten im Rückblick die Erfolge und Misserfolge staatlicher Steuerung im Forschungs- und Bildungsbereich auf.
In dem Forschungsprojekt wurden die unterschiedlichen Funktionen der modernen Hochschulen (unter anderem Humankapitalbildung, Grundlagenforschung und Technologieproduktion) berücksichtigt. Die Beschränkung auf wenige wirtschaftlich bedeutende und innovative Disziplinen der Technikwissenschaften ermöglichte sowohl den innerdeutschen als auch den internationalen Vergleich, wodurch die wesentlichen Aspekte der sich verändernden Rolle der Hochschulen in den jeweiligen Innovationskulturen klarer herausgearbeitet werden konnten.


Das Projekt war Teil des Forschungsverbundes "Historische Innovationsforschung", der die Formulierung einer historisch begründeten Innovationsökonomie und Innovationssoziologie für die deutsche Innovationskultur am Ende des 20. Jahrhunderts verfolgt.

Mit dem wachsenden Gewicht forschungsintensiver Güter für die wirtschaftliche Entwicklung erhielten Universitäten und Hochschulen im 20. Jahrhundert eine unmittelbare wirtschaftspolitische Relevanz als Ressourcen für Innovationen und als Bildungseinrichtungen. Im Systemvergleich betrachteten die Explorationsstudien der TU Dresden und der TU Bergakademie Freiberg die Bedeutung des Hochschulwesens für die wirtschaftliche Entwicklung der DDR und der Bundesrepublik. Im historischen Vergleich ließen sich Auswirkungen verschiedener Wege des akademischen Bildungswesens auf die Wirtschaftsentwicklung untersuchen.

Die Hochschulentwicklung erhielt infolge der deutschen Teilung durch die jeweilige außenpolitische Einbindung der beiden deutschen Staaten, durch die konträren politischen Systeme und durch unterschiedliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen jeweils eine spezifische Prägung. Es ging darum, diese Besonderheiten der Entwicklung des Bildungswesens zu klären.

Drei Themenkomplexe standen im Zentrum der Explorationsstudien:

 

Die Stellung der Hochschulen im Innovationssystem der Bundesrepublik und der DDR

Eine Analyse der Finanzierung und institutionellen Entwicklung des Hochschulwesens sowie der inhaltlichen Ausgestaltung von Lehre und Forschung bildet die Grundlage dafür, die ökonomische Funktion und Wirkung von Universitäten und Hochschulen genauer zu untersuchen. Die DDR schlug dabei bereits 1953 mit der Gründung von Spezialhochschulen einen eigenen hochschulpolitischen Weg ein, der auf eine berufsnahe, spezialisierte Ausbildung in unmittelbarer Nachbarschaft der Industrie abzielte. Die Bundesrepublik führte dagegen zunächst die Traditionen des bestehenden Hochschulwesens fort. In beiden deutschen Staaten erfolgte bis zu Beginn der 70er Jahre ein drastischer Ausbau der Hochschulen.

 

Hochschulpolitik als Wirtschaftspolitik

Sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik flankierten die Gründung neuer Hochschulen und die Einrichtung neuer Studiengänge wirtschaftspolitische Maßnahmen. Es steht die These im Raum, dass während des Wiederaufbaus des Hochschulwesens bis zu Beginn der 70er Jahre eine Bildungsstruktur geschaffen wurde, die wohl den Anforderungen einer Industriegesellschaft entsprach, aber wegen des hohen Spezialisierungsgrades langfristig eine geringe Flexibilität für die künftige wirtschaftliche Entwicklung aufwies. Dabei stellt sich insbesondere die Frage, inwiefern die gegebene Bildungsstruktur dem wirtschaftlichen Wandel, der gemeinhin mit dem Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft beschrieben wird, genügte.

 

Hochschulpolitik und Regionalentwicklung

Innovationsprozesse sind in einem bestimmten technischen Gebiet oder einer Branche häufig räumlich stark konzentriert. Innovationsregionen gruppieren sich dabei in der Regel um eine oder mehrere Hochschulen. In dem Gemeinschaftsprojekt soll im deutsch-deutschen Vergleich die Bedeutung der Hochschulen für die Entwicklung der regionalen Wirtschaft untersucht und durch eine Untersuchung der regionalen Differenzierung innerhalb der beiden deutschen Staaten ergänzt werden.