Bergbaukultur im Medienwandel – Fotografische Deutungen von Arbeit, Technik und Alltag im Freiberger Raum

Gefördert von der Logo Volkswagen Stiftung
Programmschwerpunkt „Forschung im Museum“

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Lehrdias von Prof. Emil Treptow aus der Sammlung für Bergbaukunde
© Kustodie der TU Bergakademie Freiberg

In Zusammenarbeit mit dem Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg (SBM) erforscht das von der Volkswagen Stiftung geförderte Projekt die fotografischen Sammlungen des SBM und Teilbestände der universitären Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg. Neben der wissenschaftlichen Untersuchung wird eine Auswahl der fotografischen Bestände des SBM museologisch erschlossen werden. Den Abschluss des Projekts bilden eine Ausstellung im SBM und eine wissenschaftliche Tagung.

Dabei nimmt das Projekt die starke Prägung der Region durch den jahrhundertelang betriebenen Erzbergbau als Ausgangspunkt seiner kultur- und bildhistorischen Untersuchung. Im Zeitraum vier politischer Staatsformen von ca. 1890 bis 1989 und unterbrochen durch die Zäsuren der zweimaligen Einstellung des Bergbaus von 1913 bis 1936/37 und seit 1969 werden Entwicklungen und Verschiebungen montangeschichtlich relevanter fotografischer Repräsentationsmuster analysiert und beschrieben.

So bilden die medialen Repräsentationen von Bergarbeit, Bergarbeitern und Alltagsleben und die mit der Einstellung des Bergbaus erfolgende Neuausrichtung von Berufsfeldern einen Schwerpunkt der fotohistorischen Untersuchung. Neben dem Genre des Portraits werden Kontinuitäten und Brüche jedoch auch in den Formen und Mustern der fotografischen Darstellung der Landschaft in ihrer Beanspruchung durch den Bergbau, den Folgeschäden und dem Abriss neuzeitlicher Förderhütten zu finden sein, aber auch in den bildlichen Formaten eines aufkommenden umweltkritischen Revitalisierungsbestreben der Landschaft oder den Bildklischees der Natur- und Heimatschutzbewegung. Unter dem Stichwort der Wissenschaftsfotografie wird zudem der Einfluss der Professoren der Bergakademie Freiberg auf die fotografischen Bildproduzenten des frühen 20. Jahrhunderts betrachtet werden, insbesondere in den Disziplinen Botanik, Mineralogie, Kristallographie, Geologie, Materialkunde und Astronomie. Regionalgeschichtliche Ausprägungen der Industrie-, Gewerbe-, Architektur- und Portraitfotografie sollen zudem komparativ mit überregionalen fotografischen Sammlungen in ihren spezifischen Formen bestimmt werden.

Nicht zuletzt illustrieren die von unterschiedlichen Autoren erstellten fotografischen Aufnahmen auch als Zeugnisse und Indizien die Geschichte des Erzgebirges, anhand derer sich der wirtschaftshistorische Umstrukturierungsprozess und der kontinuierliche Wandel der Region beobachten lässt.

Projektleitung: Dr. Gisela Parak
Museologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl.-Ind. Arch. Peter Hauschild
Studentische Hilfskraft / wissenschaftlicher Mitarbeiter: Karl Klemm

 

Silberblick(e) – Historische Bergbaufotografien von Heinrich Börner im Kontext

 

Kabinettausstellung im Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg

Laufzeit 20. Juni – 15. Juli 2018Silberblick(e) Banner



Eröffnung am 20. Juni 2018 um 16 Uhr im Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg

 

Nur drei Jahre nach den ersten überlieferten fotografischen Aufnahmen aus den Oberharzer Gruben publizierte der Freiberger Kunstfotograf Heinrich Börner (1864 – 1943) eine Reihe fotografischer Alben aus den Freiberger Erz- und Freitaler Steinkohlegruben. Die Mappe „Der Bergmann in seinem Berufe. Bilder aus den Freiberger Gruben“ (1892) wurde 1894 auf der „Erzgebirgischen Gewerbe- und Industrieausstellung Freiberg“ in einer Präsentation der Craz & Gerlach’schen Buchhandlung ausgestellt und 1893 innerhalb der Sektion „Buchwesen“ auch auf der Weltausstellung in Chicago. Börner ist zwar nicht der erste Fotograf, dem es mittels Magnesiums-Blitzlichtes gelang, die geheimnisvollen Welten des untertätigen Bergbaus für die Öffentlichkeit ans Tagelicht zu befördern, sein Werk spiegelt jedoch in wunderbarer Weise den Erwartungshorizont wider, der einer bildlichen Repräsentation des Bergbaus entgegengebracht wurde.

Die Kabinettausstellung „Silberblick(e) – Historische Bergbaufotografien von Heinrich Börner im Kontext“ ist vom 20. Juni bis 15. Juli im Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg zu sehen. Sie bietet Einblick in das vergessene Werk Börners und zeigt den Kontext der Alben auf. Die Ausstellung konzipierte Dr. Gisela Parak mit organisatorischer Unterstützung von Peter Hauschild im Rahmen des Forschungsprojektes „Bergbaukultur im Medienwandel – Fotografische Deutungen von Arbeit, Technik und Alltag im Freiberger Raum“. Das Projekt wird von der VolkswagenStiftung gefördert und läuft als Kooperationsvorhaben zwischen der TU Bergakademie und dem Museum noch bis 2019.

In der Kabinettausstellung werden nun erste Ergebnisse präsentiert. In Zusammenarbeit mit dem Museum erforscht das Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte die fotografischen Sammlungen des Museums und Teilbestände der universitären Sammlungen. Einen Schwerpunkt der fotohistorischen Untersuchung bilden die medialen Repräsentationen von Bergarbeit, Bergarbeitern und Alltagsleben sowie die mit der Einstellung des Bergbaus erfolgende Neuausrichtung von Berufsfeldern.

 

 

Tagung am 24.05.2018: Bilder aus den Bergwerks- und Hüttenbetrieben

Heinrich Börner: Bergleute beim Erzabbau vor Ort (Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg, Fotothek, M3194)Bilder aus den Bergwerks- und Hüttenbetrieben: Auftragskontexte fotografischer Repräsentationsalben (1890–1920)

Donnerstag, 24. Mai 2018
Senatssaal, TU Bergakademie Freiberg,
Akademiestraße 6, 09599 Freiberg

Tagungsprogramm

Fotografien Krupp’scher Kanonen auf den Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts als Ausdruck des Wettkampfs der Nationen und der Unternehmen, demonstratives Vorführen des sozialen Engagements von Unternehmern, mediales Agitationsmittel im Kampf um die Rechte der Arbeitnehmer, Darstellung der geologischen Wunder unter Tage oder Lehrmittel neuer Abbau- und Fördermethoden: Für die stolzen Besitzer von Gruben oder Stahl- und Hüttenwerken gab es viele Möglichkeiten des Einsatzes und der Verwendung fotografischer Aufnahmen.Anlässlich der Freiberger Tagung bieten internationale Experten vertiefende Einblicke in die vielfältigen Produktionsintentionen und Entstehungskontexte fotografischer Ansichten und fotografischer Repräsentationsalben aus den Bergwerks- und Hüttenbetrieben im Zeitraum von ca. 1890 bis 1920.
Die Konferenz vergleicht somit erstmalig den Hintergrund dieser exquisiten und exemplarischen Bilder und diskutiert Logiken, Traditionen, Konventionen und lokale Besonderheiten in den Sammlungen internationaler Museen identifizierter Konvolute.
Gefördert vom Programmschwerpunkt „Forschung im Museum“ der Volkswagen Stiftung
Die Teilnahme ist kostenfrei.
Um Anmeldung bis zum 30. April 2018 wird gebeten.
Kontakt:
Dr. Gisela Parak
c/o Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte
Silbermannstraße 2
09599 Freiberg
Telefon +49 3731-39-3411
Gisela [dot] Parakatiwtg [dot] tu-freiberg [dot] de

 

 

Terminübersicht Ringvorlesung Fotogeschichte 2017

3. April: Fotografen im Staatsdienst. Visuelle Kommunikation in den USA und in der DDR

PD Dr. Annette Vowinckel, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

Fotografiegeschichte wird oft als Geschichte der Fotografien geschrieben. Wer aber fotografiert unter welchen Bedingungen und für wen, wer wählt Fotografien zur Publikation aus (und verwirft oder zensiert andere) und wer nutzt sie zu welchem Zweck? Ausgehend von den Berufsgruppen der Fotojournalisten und der Bildredakteure zeigt Annette Vowinckel, welche unterschiedlichen Verwendungen Fotografie in der freien Presse, in staatlichen Organisationen, in Armeen und im politischen Diskurs fanden und wie sich diese Verwendungen über Landes-, Sprach- und Systemgrenzen hinweg auf die Formation visueller Öffentlichkeiten im 20. Jahrhundert auswirkten.

24. April: Rollenbilder - Zur Porträtfotografiesammlung des Dresdner Stadtmuseums

Wolfgang Hesse, Dresden und Dr. Holger Starke, Stadtmuseum Dresden

Die Referenten bereiten eine Ausstellung zu einem umfangreichen Bestand fotografischer Porträts des 19. Jahrhunderts vor. Zwischen 1890 und 1912 als „Mausoleum“ der Stadtgesellschaft angelegt, scheinen in den Selbstinszenierungen der Bürger die tiefgreifenden wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf.

8. Mai: Die Repräsentation von Arbeit in der staatlich geförderten Autorenfotografie der 1980er Jahre in der DDR

Agneta Jilek, HGB Leipzig

Die Arbeiterklasse war die tragende gesellschaftliche Säule in der DDR: Sie erhielt den obersten Platz innerhalb der offiziellen Klassenhierarchie und wurde von staatlicher Seite ins Zentrum der Bildwelten gerückt. Während der 40 Jahre DDR wandelte sich die Darstellbarkeit der Arbeiterfigur kontinuierlich. Der Vortrag geht der Frage nach, welches Arbeitsbild in der ostdeutschen Autorenfotografie der 1980er Jahre zeigbar war.

15. Mai: Ein Deutsches Museum in Dresden - für Photographie

Dr. Andreas Krase, Technische Sammlungen Dresden

Um den Jahreswechsel 1957 herum gründete der Werbefachmann und Germanist Dr. Walther Hahn in Dresden ein erstes eigenständiges Museum für Photographie. Trotz politischer Widerstände konnte sich das ehrgeizige Unternehmen bis Ende der 1960er Jahre behaupten, geriet danach aber in Vergessenheit. Der Vortrag schildert die Umstände der Gründung, Sammlungstätigkeit und Ausstellungen des Museums sowie die Entstehung einer unveröffentlicht gebliebenen großen Fotografiegeschichte.

22. Mai: Durch die Brille des Fotochemikers: Erich Stengers wohl sortierter Kosmos der Fotografie

Dr. Miriam Halwani, Museum Ludwig Köln

Erich Stenger (1878–1954) begann Fotografien zu sammeln als noch kaum jemand daran dachte: 1906. Als Fotochemiker war er überzeugt vom Nutzen der Fotografie für zahlreiche Wissenschaften; darin lag sein beruflicher Antrieb. Als Sammler suchte er „Belege“ zusammenzutragen, die die vielfältigen Anwendungen dokumentieren. Seinen enzyklopädischen Ansatz legte er in zahlreichen Publikationen nieder. Vor dem Hintergrund seiner Schriften wird ein Blick auf die Sammlung geworfen – einer Sammlung, die sich heute im Kölner Museum Ludwig, einem Kunstmuseum, befindet.

12. Juni: Fotografie konstruierter Sichtbarkeit. Mikrofotografie im 19. Jahrhundert

Stefanie Dufhues, Deutsches Museum München

Das technische Verfahren der Mikrofotografie ermöglichte es ab 1839, die mikroskopische Vergrößerung bildlich festzuhalten und somit für eine Beobachtung unter veränderten Sehbedingungen verfügbar zu machen. Im Zuge dessen eröffneten sich in der Mikroskopie neue Möglichkeiten für den Arbeits-, Erkenntnis- und Vermittlungsprozess. Gleichzeitig erkannte man den besonderen ästhetischen Reiz der entstandenen Aufnahmen, sodass die bildlichen Formen über die Mikroskopie hinaus in andere Gestaltungsprozesse eingriffen. An Bildmaterial u.a. aus dem Deutschen Museum, dem Botanischen Museum Berlin und dem Museum of History of Science Oxford will der Vortrag verschiedene Umgangsformen mit Mikrofotografien aufzeigen.

26. Juni: Das ABC der Fotografie: Fotobücher als Schulen des Sehens

Dr. Mareike Stoll, Berlin

Der Vortrag untersucht das deutsche Fotobuch in der Zwischenkriegszeit und rekonstruiert die Gründe für seine Popularität, indem es die formale Verwandtschaft zu den Erscheinungsformen der Fotografie in den Illustrierten (mit gedruckten Foto-Konstellationen), in Lehrsituationen und im Film genauer in den Blick nimmt. Das Fotobuch erscheint, so die These, als ein Medium, das dem Betrachter die eigene Handlungsfähigkeit vor Augen führt und an die Hand gibt. So wird ein historischer Hintergrund erkennbar, vor dem sich die Fotografie als Medium positioniert, das manipulierbar ist, also politisch. Konsequenterweise heißt das, dass Fotografie gleichermaßen erkenntnisfördernd wie erkenntnishemmend sein kann, je nach Kontext, in dem sie erscheint. Das Fotobuch ist so als Fibel zum Erlernen der Fotografie zu verstehen, als Schule des Sehens, um Fotografie in verschiedenen Kontexte „lesen“ zu können.