24.01., 18 Uhr: IWTG-Kolloquium "Das Nutztier als Rohstoff, Werkstoff, Wirkstoff ..."

Plakat zum Vortrag, Bild Kühe hinter Gitter, Titel des Vortrags.
Am Montag, den 24. Januar 2022 findet um 18 Uhr online das IWTG-Kolloquium statt.

"Das Nutztier als Rohstoff, Werkstoff, Wirkstoff: Überlegungen zu einer Technik- und Wirtschaftsgeschichte des tierlichen Verwertungskomplexes in der Industriemoderne"

Referentin ist Prof. Dr. Gisela Huerlimann (TU Dresden).

Das seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den neu gebauten oder erweiterten preußischen und sächsischen Schlachthöfen immer stärker anfallende «Nachleben» von Rindern, Schweinen oder Schafen diente auch in der Industriemoderne als Ressource zur Produktion vielfältiger Stoffe, sei dies industrialisierte menschliche Nahrung wie Margarine oder Tierfutter, Dünger, Seife oder Leim, seien dies technische und gewerbliche Fette, Baustoffe, Hormone, Vakzine, Kosmetika oder zur Energieerzeugung. Damit verschwinden nutztierliche "Nebenprodukte" im Zeitalter der Hochindustrialisierung nicht etwa. Vielmehr grundieren und befördern sie die wissenschaftlich-technische (Konsum-)Moderne als Schmiermittel, Werkstoffe und Wirkstoffe und unterliegen dabei einem kontinuierlichen Wandel sowie der Konkurrenz durch pflanzliche Rohstoffe und/oder infolge Synthetisierung. Die mangelhafte Aufmerksamkeit der Commodity-Forschung fürs Animalische, das Fehlen einer nutztierlichen «Verwertungsgeschichte» über die Arbeits-, Fleisch- oder Milchproduktion hinaus, öffentliche Debatten zu den umweltrelevanten Produktions- und Konsumtionsbedingungen von (tierischen) Rohstoffen und Produkten sowie geschichtswissenschaftliche Debatten zu Tieren und Pflanzen als «industrializing organisms» haben diese Projektidee inspiriert, die im Vortrag vorgestellt und diskutiert werden soll.

Wann: Montag, 24.01.2022 um 18 Uhr

Wo: Online über BBB: https://bbb.hrz.tu-freiberg.de/b/flo-hcu-6af-mzv